Allgemeine Berichte | 23.06.2015

Marienhaus Seniorenzentrum St. Josef

„Krankheiten habe ich nie gekannt“

Maria Höhner ist 103 Jahre und beeindruckt durch ihre Fitness - von Anja Loudovici

Täglich liest die 103-jährige Maria Höhner die Tageszeitung. „Ich will genau wissen, was in der Welt los ist“. Anja Loudovici

Bad Breisig. Als ich in ihr Zimmer komme, sitzt die alte Dame in einem Sessel am Fenster und liest konzentriert die Tageszeitung. Sie lacht mich an und erklärt mir: „Das Leben ist so turbulent, und ich will genau wissen, was in der Welt geschieht“. Die alte Dame heißt Maria Höhner und feierte Anfang Juni ihren 103. Geburtstag. Bis vor Kurzem hat die gebürtige Kölnerin (geboren wurde sie 1912) in Bonn in ihrer eigenen Wohnung gelebt und ist erst vor ein paar Wochen ins Marienhaus Seniorenzentrum St. Josef in Bad Breisig gezogen, in die Nähe ihres Sohnes und seiner Familie. „Und hier habe ich auch den Rhein direkt vor der Tür“, freut sich die äußerst rüstige Seniorin über ihr neues Heim. Früher sei sie regelmäßig von Bonn nach Beuel über den Rhein geschwommen. Das tue sie heute natürlich nicht mehr, lacht sie. Aber Sport macht sie immer noch und „das ist auch sehr wichtig“, betont sie. Jeden Tag geht sie spazieren - am Rhein natürlich, und nimmt an verschiedenen Sportangeboten im Seniorenzentrum teil. Wie sportlich man mit 103 Jahren noch sein kann, davon kann ich mich wenig später selbst überzeugen, als sie gemeinsam mit anderen Bewohnerinnen sogar mit Gewichtsmanschetten trainiert. Ich staune, mit welcher Leichtigkeit sie ihre Beine schwingt und wie flink sie die Bälle fängt und zurückspielt. Diese Dame ist 103 Jahre alt? Viele hätten sie gefragt, was ihr Rezept sei, um so alt zu werden. „Ich bin Kneippianerin“, erläutert Maria Höhner. Und danach habe sie immer gelebt - auch heute noch. Sind Körper, Geist und Seele im Einklang, „kommt der Rest von allein“, ist ihre Erfahrung. Viel Bewegung und eine ausgewogene Ernährung spielen dabei eine wichtige Rolle. „Aber auch Lachen hilft“, sagt die fröhliche Seniorin und lässt wieder ihr helles und sympathisches Glockenlachen erklingen. „Krankheiten habe ich nie gekannt“, ist Maria Höhner dankbar. Aber ob sie aufgrund ihres gesunden Lebenswandels so alt werden durfte, das weiß sie nicht. „Ich habe einfach Glück“, lacht sie wieder. Neben dem Sport ist Lesen eines ihrer Hobbys. „Wie sollte es auch anders sein. Habe ich doch mit meinem ersten Mann in seiner Buchhandlung gearbeitet“, erzählt sie. Ihrem Mann, den sie 1936 geheiratete hatte, gehörte die akademische Universitätsbuchhandlung in Bonn. Während der Zeit des Nationalsozialismus führte sie sogar eine Zeit lang die Buchhandlung allein. „Mein Mann wurde verhaftet und war anderthalb Jahre im Gefängnis.“, erinnert sie sich. Das war damals nicht einfach. Sie war ursprünglich gelernte Putzmacherin und stellte Schmuck für Damenhüte her. „Aber ich habe mich durchgesetzt und durchgebissen“, ist sie heute noch stolz. Die Zeit des Dritten Reiches war für sie die schlimmste Zeit ihres Lebens. „Vor allem die damalige Willkür der Machthaber“, blickt Maria Höhner zurück. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Buchhandlung und das Wohnhaus ihrer Familie ausgebombt. „Die erste Nacht nach dem Bombenangriff verbrachte ich mit meinem kleinen Sohn im Bonner Hofgarten unter freiem Himmel und wusste nicht, was werden sollte“. Nach dem Krieg bauten ihr Mann und sie die Buchhandlung wieder auf. „Man konnte wieder normal leben“, ist Maria Höhner noch heute dankbar, die Zeit unter Hitler überstanden zu haben. Ihre Söhne, geboren 1937 und 1945, wurden beide Immobilienmakler. Der Jüngere verstarb 1972 nach einem Unfall. Nach dem Tod ihres Mannes heiratete Maria Höhner noch einmal. Heute hat sie drei Enkel und fünf Urenkel. „Ich habe keine allzu große Familie, aber wir sind alle füreinander da“, freut sie sich, dass sie nun in Bad Breisig noch näher bei ihrer Familie lebt. „Hier im Seniorenzentrum fühle ich mich sehr wohl“, sagt sie. „Und ihre fröhliche Art bereichert unsere Hausgemeinschaft sehr“, ergänzt Heimleiter Hermannjosef Berg, der genauso beeindruckt ist von Maria Höhner wie ich und wie ich überlegt, Kneippianer zu werden. So fit im hohen Alter wie Maria Höhner - das wollen wir auch sein.

Anja Loudovici

Täglich liest die 103-jährige Maria Höhner die Tageszeitung. „Ich will genau wissen, was in der Welt los ist“. Foto: Anja Loudovici

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