Allgemeine Berichte | 25.10.2014

Thema des Monats: Brauchtumspflege

Kultur- und Heimatverein Niederzissen e.V.

Die ehemalige Synagoge ist heute eine Erinnerungs- und Begegnungsstätte. WK

Niederzissen.Seit der Gründung im Jahre 2007 fühlt sich der Kultur- und Heimatverein Niederzissen e.V. (KHV) der Brauchtumspflege verpflichtet. Der Verein ist seit seiner Gründung vor sieben Jahren auf mittlerweile 140 Mitglieder angewachsen, die nicht nur aus dem Ort stammen, sondern sich auch von außerhalb den Zielen des Vereins verpflichtet fühlen. Aus einer Initiative des Vorsitzenden Richard Keuler zur Gründung eines Netzwerkes sind in dem Verein Menschen mit unterschiedlichen Neigungen und Interessen zur Frage des kulturellen und heimatgeschichtlichen Geschehens zusammengeführt. Zweck des Vereins ist es, sich für Kultur und Heimatpflege im ländlichen Raum einzusetzen. Dadurch soll die Aufgeschlossenheit gegenüber Kultur und Heimatpflege in ihrer ganzen Vielfalt und damit die Achtung vor dem Anderen und dem Andersdenkenden gefördert, Toleranz und Akzeptanz gesteigert werden. Hierzu führt der Verein Ausstellungen, Diskussionen, Veranstaltungen, Seminare sowie sonstige geeignete Maßnahmen durch, wobei eine enge Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Organisationen auch außerhalb von Niederzissen angestrebt wird. In der Vereinssatzung ist weiterhin aufgeführt, dass die Einrichtung eines Heimatmuseums, dieses zu pflegen und zu unterhalten, die Heimatgeschichte zu erforschen und zu registrieren, das Brauchtum zu pflegen und den Erhalt von historischen Gebäuden zu fördern, zu den Aufgaben gehören. Ebenso soll der Gedanke der Völkerverständigung durch Austausch von Künstlern und Heimatforschern mit Partnergemeinden, -verbänden und -einrichtungen gefördert werden. Bei all diesen Vorhaben sollen interessierte Kinder und Jugendliche an die Kultur und Heimatgeschichte herangeführt werden. Aus der praktischen Arbeit des Vereins heraus haben sich folgende vier Schwerpunkte ergeben: Erhalten und Darstellen der ehemaligen Mühlentradition, Erforschen der jüdischen Geschichte und Bewahren des jüdischen Erbes, Einrichtung eines Heimatmuseums, Sammeln und Sichern der Objekte und Errichtung eines Kulturweges in Niederzissen.

Erhaltung und Darstellung der ehemaligen Mühlentradition

Das erste Projekt „Henk’s Mühle“ begann 2007 als private Dorferneuerungsmaßnahme und ist nach dem zuletzt erfolgten Einbau des Mühlrades und Restarbeiten im Bereich des ehemaligen Stallgebäudes mit Toiletten und einer Werkstatt sowie der Außenanlagen und Absicherung des Geländes am Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag in diesem Jahr fertiggestellt worden. Hier gilt der Dank des Vereins besonders der Eigentümerin Anneliese Schiele, mit der eine Nutzungsvereinbarungabgeschlossen wurde, nach denen der Kultur und Heimatverein Führungen durchführen und die Darstellung der Mühlentradition pflegen kann. Ein gelungenes Projekt, das nicht nur örtlich interessiert. Zur Renovierung hat man in diesem Jahr das Buch „Henk’s Mühle - Im Wandel der Zeit“ herausgegeben, das über den Verein erworben werden kann.

Erforschung und Bewahrung des jüdischen Erbes

Breiten Raum der Vereinsarbeit haben der Erhalt und die Restaurierung der ehemaligen Synagoge sowie die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte von Niederzissen eingenommen. Letztendlich hat man durch eine am 23. Januar 2012 geschlossene Vereinbarung mit der Gemeinde, die Eigentümerin des Gebäudes und Grundstückes ist, ab dem 18. März 2012 die Betriebsführung der Erinnerungs- und Begegnungsstätte ehemalige Synagoge Niederzissen übernommen. Dabei beschäftigt sich der Verein neben den noch erhaltenen Zeugnissen des Judenfriedhofs insbesondere mit der ehemaligen Synagoge im Ortskern. Herausragend sind dabei die umfangreichen Funde der Genisa auf dem Dachboden des Synagogengebäudes. Die außergewöhnlich großen Funde an Gebetsbüchern, Verträgen, Thorawimpel, Thoramäntel, textile, profane und religiöse Gegenstände haben europaweit Aufmerksamkeit erregt. Eine exemplarische Ausstellung hiervon ist ständig in der ehemaligen Synagoge zu sehen. Ergänzt wurden diese Funde durch Ausstellungsstücke und Fotos, die seit der Eröffnung und teilweise auch schon vorher als Leihgabe und Geschenke aus dem Besitz ehemaliger jüdischer Familien den Weg in die Ausstellung gefunden haben. Der Kultur- und Heimatverein Niederzissen leitet die Erinnerungs- und Begegnungsstätte als Kulturhaus mit verschiedenen Funktionen, die nicht nur in der Fachwelt als Musterbeispiel für die Restaurierung eine solchen Gebäuden und seiner Nutzung gesehen wird. Das Interesse der Bevölkerung nimmt ständig zu. Wurden im Jahr 2012 ab dem 19.3.2012 insgesamt 950 Besucher bei Veranstaltungen, Führungen und spontanen Besichtigungen gezählt, waren es 2013 bereits 1.338 interessierte Gäste. In diesem Jahr konnte man bis zum heutigen Tag ebenfalls schon 1.036 Besucher zählen. Der Förderverein der ehemaligen Synagoge Niederzissen hat dem KHV durch Schenkungsurkunde vom 12. Oktober 2014 eine ständige Ausstellung geschenkt. Zu der jüdischen Geschichte von Niederzissen hat der Verein auch Publikationen herausgegeben, die über den Verein zu beziehen sind.

Die erste Veröffentlichung „Zeugnisse jüdischen Lebens in Niederzissen - Genisa-Funde in der ehemaligen Synagoge“ erschien bereits im Oktober 2012. Ein Buch über den Niederzissener jüdischen Friedhof „Seit undenklichen Zeiten …“ hat der KHV Niederzissen im Frühjahr 2012 veröffentlicht. Weitere Veröffentlichungen, insbesondere zu den ehemaligen jüdischen Familien in Niederzissen, sind in Vorbereitung. Darüber hinaus ist in den letzten fünf Heimatjahrbüchern des Kreises Ahrweiler 2010 - 2014 in verschiedenen Aufsätzen sowohl über das Wirken des Kultur- und Heimatvereins Niederzissen im Allgemeinen und über die in dem Zusammenhang stehenden Aktivitäten und Objekte zur jüdischen Geschichte berichtet. Eine wichtige und bemerkenswerte Veröffentlichung zu einem Genisa-Fund aus Niederzissen enthält das Buch „Jüdische Soldaten - Jüdischer Widerstand in Deutschland und Frankreich“ aus dem Jahre 2012. Auch der im Eifelraum bekannte Buchautor und Schauspieler Hans Jürgen Sittig hat den Genisa-Fund in seinem Buch „Die eindrucksvolle Geschichte der Eifel“ verarbeitet.

Weitere Aktivitäten des Kultur- und Heimatvereins

Trotz der zurzeit starken Beanspruchung der Vereinsressourcen durch die Betriebsführung der Erinnerungs- und Begegnungsstätte ehemalige Synagoge laufen die anderen Aktivitäten des Kultur- und Heimatvereins Niederzissen weiter und werden in der Zukunft weiter ausgebaut.

Sammlung historischer Arbeitsgeräte: In der ehemaligen Bushalle am Bahnhof Niederzissen hat der Kultur- und Heimatverein im angemieteten Bereich viele historische Arbeitsgeräte untergebracht, die für Ausstellungen vorbereitet werden und später vielleicht in einem Heimatmuseum ihren Platz finden werden. Pflege des jüdischen Friedhofs: Dem Kultur- und Heimatverein wurde per Ratsbeschluss des Gemeinderates Niederzissen die Pflege des jüdischen Friedhofs übertragen und ist eine gern übernommene Daueraufgabe geworden. Germanusrelief und anderen Aktivitäten im kirchlichen Bereich: Der Kultur- und Heimatverein Niederzissen hat an der Außenwand ein von ihm in Auftrag gegebenes Relief des hl. Germanus angebracht. Auch hat sich der KHV mit der großen Beweinungsgruppe, die zuletzt im Kircheninnernhinter dem Altar abgestellt war, beschäftigt und deren Renovierung unter Mithilfe des Vereins angeregt. Zwischenzeitlich ist die Renovierung, allerdings in alleiniger Übernahme durch die Kirchengemeinde, abgeschlossen. Aufgrund einer weiteren Initiative des KHV wurden die beiden Ehrentafeln der Gefallenen des 1. Weltkrieges restauriert und beim vorletzten Pfarrfest der Kirchengemeinde übergeben. Kontakte zu anderen Vereinen: Insbesondere die Pflege der Kontakte zu anderen Vereinen, nicht nur aus Niederzissen, wird ständig aktiviert. Zahlreiche Besuche bei und von Kultur-, Geschichts-, Heimat- und Bürgervereinen zeugen von positiven Verbindungen. Maifeier/Maibaumstellen: Vor sechs Jahren wurde unter Einbindung zahlreicher Ortsvereine die Tradition des Maibaumstellens am Vorabend des 1. Mai mit der Gestaltung einer runden Feier neu belebt. Tag der offenen Museen/Tag des offenen Denkmals: Beide Veranstaltungen zeigen seit ein paar Jahren steigendes Interesse sowohl an der ehemaligen Synagoge wie auch der Sammlung historischer Arbeitsgeräte. Neujahrsempfang: Seit fünf Jahren stellt der Neujahrsempfang des Kultur- und Heimatvereins immer ein Ereignis von großem Interesse dar.

Internationale Beziehungen: Insbesondere die Geschichte der jüdischen Mitbewohner hat zu vielen internationalen Kontakten geführt. Zu den unterschiedlichen Veranstaltungen kamen jüdische Gäste aus den Niederlanden, Großbritannien, Israel und den USA. Professor Andreas Lehnardt, Uni Mainz, plant ein Kolloquium mit internationalen Experten zu den Genisa-Funden, das in der ehemaligen Synagoge in Niederzissen stattfinden soll. Die international tätige Rothschild Foundation und die Deutsche Forschungsgemeinschaft Bonn leisten Beiträge zur Erforschung der Genisa-Funde. Viele ausländische Universitäten haben zwischenzeitlich das Buch über den Genisa-Fund über eine international tätige Versandbuchhandlung beim Verein angefordert. Kulturweg: Hier konnten bereits erste Beschilderungen vorgenommen werden. Es sollen geschichtsträchtige Gebäude und Stätten besonders hervorgehoben werden. „Mit der Renovierung und Nutzung der ehemaligen Synagoge in Niederzissen als Erinnerungs- und Begegnungsstätte ist ein bedeutender Teil der Ortsgeschichte wieder sichtbar“, erklärte Richard Keuler zufrieden im siebten Jahr seit der Gründung des Vereins. „Mir liegt besonders die Zusammenarbeit mit den Vereinen am Herzen. Es gilt, junge Leute insbesondere für die Geschichte unserer Heimat zu gewinnen. In Niederzissen war ein reiches, jüdisches Leben Teil der Gemeinde. Die Funde auf dem Dachboden der ehemaligen Synagoge bilden ein Fundament, auf dem aufgebaut werden kann.“

Die Renovierung von „Henk’s Mühle“ war das erste abgeschlossene Großprojekt.

Kultur- und Heimatverein Niederzissen e.V.

Die ehemalige Synagoge ist heute eine Erinnerungs- und Begegnungsstätte. Fotos: WK

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