Allgemeine Berichte | 20.08.2014

Breisiger Marienkirmes mit eigenen Traditionen

Marienfest mit Kräutersegnung

Kräutersammlung der katholischen Frauen und deren Kaffeetrinken. FA

Bad Breisig. Nicht, dass die Niederbreisiger sich ihrer Kirmes zu Ehren der Gottesmutter, der Patronin ihrer barocken Kirche „Sankt Maria Himmelfahrt“ nicht verbunden fühlten. Aber die Breisiger Kirmes hat ihre besondere Geschichte: Lange Jahrzehnte nach dem Bau der Marienkirche - sie wurde 1722 eingeweiht - war es üblich, das Patronatsfest pünktlich am 15. August, dem bedeutenden katholischen Fest „Maria Himmelfahrt“ zu feiern. Als jedoch hundert Jahre später, nach Ende der Befreiungskriege, die protestantischen Preußen im Rheinland das Kommando übernahmen, hatten sie ihre Probleme damit, dass der 15. August der Geburtstag des verhassten Franzosenkaisers Napoleon war. Es ging den neuen Herren des Rheinlands gegen den Strich, dass genau an diesem Termin gefeiert wurde, zumal links vom Strom noch ein wenig unverhohlene Sympathie für den besiegten Franzosenkaiser spürbar war. Es ging die Angst um, dass sich der Anlass zum Feiern ein wenig verwischen könnte. So kam es, dass die Breisiger vom ursprünglichen Fest zu Ehren der Patronin abrücken mussten und das Fest „Maria Himmelfahrt“ auf den folgenden Sonntag verlegt wurde. Das spielte ursprünglich noch keine große Rolle, wirkte sich aber im Lauf der Zeit immer stärker aus: Die Terminierung auf das folgende Wochenende brachte die Niederbreisiger in den harten Wettbewerb mit den parallel stattfindenden großen Kirmesfesten der benachbarten Städte Andernach und Sinzig. Sowohl für die recht feierfreudigen Bürger als auch für die Schausteller war es problematisch, sich auf drei Ortsfeste zu verteilen, und natürlich zogen die kleineren Breisiger dabei den Kürzeren. Folge: Die Marienkirmes „tröpfelte“ über die Jahrzehnte so dahin - mit Trend nach unten. Ein angemessener Fest- und Rummelplatz kam nie mehr zustande.

Vereine prägten lange Zeit die Kirmes

Ortsvereine sprangen lange in die Bresche. Die Schützenvereine, die Karnevalsgesellschaft und der MGV „Liedertafel“ veranstalteten große Saal- und Straßenfeste. Die Bruderschaft der Marien-Schützen, die seit alters her Kirmesdienstag ihren Schützenkönig ausschoss, wurden zunehmend mit Rückgang des Publikums-Interesses an diesem Werktags-Termin konfrontiert und wich auf den Kirmessonntag aus - ohne damit das Problem zu lösen. Der Publikumszuspruch ließ kontinuierlich zu wünschen übrig. Trotzdem hielten die Marien-Schützen mit ihren Aktivitäten wenigstens ein Mindestmaß an Traditionen wach, zumal sich mit den befreundeten Hubertus-Schützen aus dem Stadtteil Rheineck eine Zusammenarbeit entwickelte. So fand das hier zum Fest Maria Himmelfahrt übliche Königsschießen seinen Fortbestand. Die Grünröcke hatten eine wichtige Funktion im Überleben der Kirmes.

Wildblumen-Sammlung schmückte das Fest

Während des Hochamtes wurden Körbe voller Wildkräuter durch Pastor Marmann gesegnet und in der Folge an Bürger verteilt. Die Kräuter waren von den Frauen der katholischen Frauengemeinschaft an den Vortagen - zum Teil in strömendem Regen - rund um die Äcker der „Goldenen Meile“ gepflückt und gesammelt worden. Die Wildblumen waren unter dem schützenden Vordach der Scheune des Katharinenhofs von Hilde und Karli Kurp von den 18 Sammlerinnen zu farbenfrohen Sträußen gebunden worden. Zum Abschluss ihrer Aktion hatten sich die beteiligten Frauen bei einer geselligen Kaffeetafel gestärkt und erst einmal ihre durchnässten Klamotten getrocknet, ehe sie die Körbe voller Blumensträuße ins Gotteshaus geschafft hatten. Die am folgenden Tag beim Gottesdienst vom Pastor gesegneten Sträuße wurden nach der Messe an Besucher, aber auch an Freunde und Verwandte verschenkt. Die Sitte des Wildkräuter-Sammelns geht zurück auf die Legende, dass man einst im leeren Grab der Gottesmutter lediglich Blumen fand, während sie selbst zum Himmel aufgefahren war. Die Frauen der Pfarrei „Sankt Maria Himmelfahrt“ pflegen die an sich in Süddeutschland über Jahrhunderte verbreitete Sitte der Sammlung bunter Feldblumen. Die vom Geistlichen gesegneten Kräuter gelten als Schutz vor Krankheit und sonstiger Unbill. Nach der Hl. Messe fand nach alter Tradition eine durch Blasmusik geschmückte Sakramentsprozession über die Rheinpromenade statt, die in einem festlichen Te Deum in der Pfarrkirche ausklang. Den Rest des Festes nahmen nach Tradition die Marien-Schützen unter ihre Fittiche.

Kräutersammlung der katholischen Frauen und deren Kaffeetrinken. Foto: FA

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