Allgemeine Berichte | 11.12.2015

Opferschutz durch Täterarbeit

Täterarbeitseinrichtung (TAE) „Contra häusliche Gewalt“

Dipl.-Päd. Annette Pook (r.) , die Leiterin der TAE und Dipl.-SozPäd. Harry Hilger,derCo-TrainerdesGruppentrainingsVerein Bewährungshilfe Koblenz

Kreis Ahrweiler. Jede vierte Frau in Deutschland wird im Laufe ihres Lebens mindestens einmal Opfer von Gewalt durch Beziehungspartner. Dies ist meist kein einmaliges Ereignis, Häufigkeit und Intensität eskalieren in vielen Fällen. Auch Kinder sind immer mit betroffen und oft schwer traumatisiert. Beziehungsgewalt geschieht in allen sozialen Schichten, allen Altersgruppen sowie allen Bildungsschichten - unabhängig von der Herkunft der Beteiligten. Der Ausstieg aus dem Kreislauf der Gewalt ist für die Betroffenen oftmals nur mit professioneller Hilfe möglich. Für die von Beziehungsgewalt betroffenen Frauen gibt es schon länger Frauenunterstützungseinrichtungen. Doch auch dem Täter gilt es ein Angebot zu unterbreiten, um angemessene und gewaltfreie Konfliktlösungsstrategien zu entwickeln.

Mit der Etablierung der Täterarbeit in Fällen von Gewalt in engen sozialen Beziehungen durch RIGG (Rheinland-pfälzisches Projekt gegen Gewalt) wurde 2007 in Rheinland-Pfalz eine wichtige Lücke in der Interventionskette geschlossen. Ziel der Täterarbeit ist der Opferschutz durch die nachhaltige Beendigung des gewalttätigen Verhaltens. Täterarbeit leistet einen entscheidenden Beitrag zur Gewaltprävention.

Wer kann zu uns kommen?

Jeder erwachsene Mensch, der in partnerschaftlichen Konfliktsituationen zu gewalttätigem Verhalten neigt, kann sich mit der TAE in Verbindung setzten. Wir haben Selbstmelder und Menschen, denen unsere Einrichtung von anderen Institutionen empfohlen worden ist. Es kommen Menschen zu uns, weil die Polizei oder das Jugendamt ihnen dies nahe gelegt hat. Einige finden den Weg aber auch erst, wenn sie eine Auflage von der Staatsanwaltschaft oder dem Gericht erhalten haben.

Wie wir arbeiten

In der Regel erhalten die Klienten innerhalb von zwei Wochen einen Termin für ein Erstgespräch. In diesem Erstgespräch hat der Täter (manchmal auch die Täterin) die Gelegenheit, die Situation seiner Partnerschaft aus der eigenen Perspektive darzustellen. Typische Äußerungen in diesen Erstgesprächen sind Sätze wie: „Meine Frau hat doch angefangen, ich kann mir doch nicht alles gefallen lassen“ oder „Mein Ziel ist es, dass meine Frau zurückkommt, helfen sie mir dabei“ oder auch: „Wenn sich meine Frau ändert, dann gibt es auch keine Gewalt mehr.“ Veränderung ist aber nur möglich, wenn der Täter an sich selbst arbeitet. Nur das eigene Verhalten kann ein Mensch steuern, nur auf darauf hat er einen Einfluss. Veränderungen im Verhalten des Täters führen über kurz oder lang auch zu Veränderungen in der Partnerschaft. Um mit dem Täter arbeiten zu können, ist eine wenigstens minimale Tateinsicht und ein auf das eigene Verhalten gerichteter Veränderungswunsch die Voraussetzung. Wenn es gelingt, dem Täter im Erstgespräch das Gefühl zu geben, anerkannt zu sein in seiner Wahrnehmung und sich gleichzeitig eine Perspektive aufzeigt, dass er tatsächlich fähig sein könnte, den Weg aus der Gewalt zu gehen, kommt es zu weiteren Einzelgesprächen. Familiärer Hintergrund, Geschichte der Paarbeziehung, Konfliktthemen in der Partnerschaft und deliktbezogene Anamnese sind Themen dieser Gespräche. Sobald genug Teilnehmer für ein geschlossenes Gruppentraining da sind, beginnt die Gruppenphase.

Das Gruppentraining

Das Gruppentraining umfasst mindestens 24 Sitzungen a 2,5 h plus ein Nachsorgetreffen ca. 3 Monate nach Abschluss der Gruppe. Das Gruppentraining wird von einem gemischt geschlechtlichen Team geleitet. Die in der Gruppe behandelten Themen sind u.a.:

-Gewaltbegriff: Was ist Gewalt, welche Formen von Gewalt gibt es, welche Folgen können diese Gewaltarten für die Opfer haben

-Verantwortung, Schuld und Scham

-Gewaltkreislauf

-Tatrekonstruktion jedes

Teilnehmers

-Die Tat aus der Perspektive der Partnerin und der Kinder

-Kosten und Nutzen von Gewalt

-Gefühle und Bedürfnisse

-Nähe und Distanz

-Empathie

-Biographiearbeit

-Formen und Muster der Kommunikation, Körpersprache, Gestik, Mimik

-Selbstmanagement,

Selbstreflexion

-Perspektive der Partnerschaft: Was kennzeichnet den momentanen Zustand der Partnerschaft, wie soll sich die Beziehung entwickeln

-Konfliktverhalten

-Vaterrolle und Männerbild

-Sucht, Eifersucht und Gewalt

-Risikofaktoren und Notfallplan

-Abschiedsreflexion

Wirksamkeit

Die Effektivität des Trainingsangebots der TAE wurde in zwei Evaluationsstudien der TU Darmstadt nachgewiesen. So kommt es sehr schnell zu einem deutlichen Rückgang körperlicher Gewaltausübung nach Aufnahme in das Trainingsprogramm. Um auch die psychische Gewaltausübung nachhaltig zu reduzieren, ist es empfehlenswert, eine Trainingsdauer von mindestens einem halben Jahr, besser noch ein Jahr sicherzustellen. Im Allgemeinen können wir feststellen, dass am Ende des Trainingsprogramms die Teilnehmer deutlich zufriedener mit sich und ihrem Leben sind. So profitieren nicht nur die betroffenen Frauen und Kindern, sondern auch die Täter selbst von einer Teilnahme am Programm der TAE.

Kosten und Erreichbarkeit

Da die Täterarbeitseinrichtungen in Rheinland-Pfalz eine Grundförderung durch das Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur erhalten, ist es möglich, das Trainingsprogramm für die Täter für einen Kostenbeitrag von 1,- € pro Termin anzubieten. Hinzu kommen noch die Fahrtkosten, die jeder selbst tragen muss.

Infos zur TAE

Träger der TAE „Contra häusliche Gewalt“ ist der Verein Bewährungshilfe Koblenz.

Die Adresse und Kontaktdaten sind:

Contra häusliche Gewalt

Verein Bewährungshilfe

Koblenz e.V.

Hoevelstraße 22

56073 Koblenz

Tel: 0160 94929727

0261 2016987

E-Mail:koblenz@contra-

haeuslichegewalt.de

www.contra-haeusliche-

gewalt.de

Je mehr Täter den Weg zur TAE finden und mit dieser Unterstützung lernen, Konflikte gewaltfrei zu lösen, um so mehr Frauen und Kinder können unbelastet von Gewalt in engen sozialen Beziehungen leben. Jeder Täter ist willkommen.

Unser Ziel ist die nachhaltige Beendigung häuslicher Gewalt und damit der Schutz der Opfer und deren Kinder.

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügen grundsätzlich über pädagogische oder psychologische Qualifikationen mit Zusatzqualifikationen im Bereich der Täterarbeit. Wir gehören der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit häusliche Gewalt an und arbeiten nach deren Standards.

Verein Bewährungshilfe

Koblenz e.V.

Dipl.-Päd. Annette Pook (r.) , die Leiterin der TAE und Dipl.-SozPäd. Harry Hilger, der Co-Trainer des Gruppentrainings Foto: Verein Bewährungshilfe Koblenz

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