Allgemeine Berichte | 13.04.2014

Walter Töpner stellt Wege und Wallfahrtsorte vor

„Pilgerland Eifel“ beleuchtet

Gnadenbild der Gottesmutter mit der Lilie in Barweiler. HG

Region. Pilgerziele und –stationen in der Eifel gab und gibt es immer noch in großer Zahl. Walter Töpner hat sie in sein Buch „Pilgerland Eifel“ gepackt. Er weist die Wege, nennt die Orte, teilt Wissenswertes gut verständlich mit. Der Verfasser liefert dabei genau die richtige Menge an historischen Hintergründen, sodass der Leser Lust bekommt, sich selbst aufzumachen.

Jeder Ort hat seine Geschichte. Anrührend ist der Anfang der Wallfahrt von Mariawald in der Nordeifel, wohin die Menschen fünf Jahrhunderte lang pilgerten, bis das Gnadenbild nach Aufhebung des Klosters 1804 nach Heimbach kam, und dort jährlich noch 60.000 Besucher anzieht. Um 1470 nämlich lieh sich ein armer Strohdecker aus Heimbach Geld, um eine Pieta, die er in Köln gesehen hatte, zu erwerben und sie erst in einem hohlen Baum, dann in einem Heiligenhäuschen aufzustellen. Als immer mehr Pilger kamen, baute er sich eine Zelle und betreute das Bild bis zu seinem Tod. Schließlich nahm der Andrang so zu, dass die Zisterzienser die Pflege der Wallfahrt übernahmen.

Maria Laach unterhielt Pilgerherberge

Beleuchtet werden auch die Eifelklöster Maria Laach, Bad Münstereifel, Prüm, Steinfeld, Himmerod und Echternach, dessen 698 durch den heiligen Willibrord gegründete Abtei als eine der ältesten Stätten europäischer Christianisierung gilt. Die luxemburgische Stadt Echternach ist durch ihre außergewöhnliche Springprozession bekannt. Den Ort für die Kostergründung Himmerod im Tal der Salm nahe Wittlich hat Bernhard von Clairveaux persönlich ausgewählt. 1134 kamen die ersten Zisterziensermönche. Sie beteten und arbeiteten, machten das öde Land urbar und standen überdies im Ruf einer besonderen Heiligkeit. Als „das bekannteste und schönste Eifelkloster“ bezeichnet Töpner die Benediktinerabtei Maria Laach mit ihrer romanischen Klosterkirche. Zwar ist Maria Laach kein klassischer Wallfahrtsort, doch unterhielt man dort, wie bei Benediktinerklöstern des Mittelalters üblich, eine Herberge für Pilger. Heute ist das Kloster Ziel einer Jugendnachtwallfahrt von Nickenich aus und Etappenpunkt auf dem Weg nach San Compostela.

Wegen Maria und Karl nach Aachen

Wallfahren hat Tradition. Aber die Formen wandeln sich und alte Pilgerwege werden neu entdeckt. Heute kann sich kaum einer mehr vorstellen, dass mittelalterliche Pilger mehrere Heiligtümer auf einem Marsch verbanden. Die im Zeichen der Marienverehrung und des Karlskultes stehende Wallfahrt nach Aachen erlebte im 14. und 15. Jahrhundert ihre größte Blüte. Von Aachen aus zogen manche Pilger weiter nach Kornelimünster, Burtscheid, Düren, Jülich, Köln, Maastricht und Tongeren. Zudem ist Aachen auch wieder eine bedeutende Station der Jakobspilger. Ihnen und anderen Fernreisenden drohten im Mittelalter auch Gefahren. Dem Einzelnen bot die Gruppe Schutz, weshalb Bruderschaften seit Jahrhunderten die Streckenführung übernehmen, so die Matthiasbruderschaften zur Wallfahrt nach Trier, zum einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen.

Jodokus wartet in St. Jost

Gläubige, die zu bitten und zu danken haben, Menschen auf der Suche nach sich selbst und einem tieferen Lebenssinn durchwandern die Eifel und finden in allen Eifelgegenden Orte der Verehrung. Im Herbst sind Pilger aus der ganzen Region unterwegs zum heiligen Jodokus nach Langenfeld/St. Jost. Sie kommen beispielsweise von Sinzig, wo es ein St. Jodokus-Denkmal gibt oder starten ab der Dernauer Jodokuskapelle. Feierliche Prozessionen führen zur schmerzhaften Muttergottes nach Kell (Andernach). Zur Pferdesegnung geht es zum heiligen Wendelin nach Hain im Brohltal. Gewallfahrt wird auch zum Ahrweiler Kalvarienberg. Fraukirch (Thür), ein sehr alter Kirchenstandort aus dem 8. Jahrhundert, ist ebenso ein Anziehungspunkt, wie Barweiler (Adenau), wo seit dem Lilienwunder von 1726 die Muttergottes verehrt wird und traditionsreiche Wallfahrten hinführen. Pilgerströme ziehen nach Klausen in der Moseleifel. Bevor die spätgotische Wallfahrtskirche errichtet wurde, hatte dort der heilige Eberhard 1442 ein Marienhäuschen gebaut. Im Kylltal hat die Wallfahrt nach Auw eine über 300-jährige Tradition. An Maria Himmelfahrt tragen junge Mädchen das Gnadenbild der Himmelskönigin in der Prozession. Denn die Legende erzählt von drei Jungfrauen, die ihrem christlichen Glauben abschwören sollten. In ihrer Not und durch Marias Hilfe gelang ihnen auf einem Esel der Sprung über die Kyll. Zum Dank errichteten sie ein Muttergotteskirchlein.

Walter Töpner hat einen guten Ton getroffen, um über das Pilgerland Eifel zu berichten. Informativ mit gelegentlicher persönlicher Färbung, denn er blickt auf Jahre eigener Pilgererfahrung zurück, ist sein Buch. Das klare Erscheinungsbild und die zahlreichen Fotos von Gnadenbildern, Altären, Kirchen sowie von reizvollen Standorten und Landschaften tragen wesentlich zum attraktiven Nachschlagewerk bei. Es eignet sich auch zum Schmökern in der farbigen Welt der Volksfrömmigkeit und um Impulse für wunderbare Eifelwanderungen zu bekommen.

Das Buch „Pilgerland Eifel. Wege und Wallfahrtsorte“ mit 287 Seiten, mehr als 150 Farbfotos, Softcover, (ISBN 978-3-95540-109-2) ist im Regionalia Verlag Rheinbach erschienen.

Walter Töpner weist den Weg zu bekannten Pilgerstätten und verträumten Orten.

Walter Töpner weist den Weg zu bekannten Pilgerstätten und verträumten Orten.

Gnadenbild der Gottesmutter mit der Lilie in Barweiler. Fotos: HG

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