Regionalmanagement Brohltal-Vordereifel tagte in Kirchwald
Projektforum informierte über den Stand der ILEK-Projekte
Impulsvortrag zur Einbindung des demografischen Wandels
Kirchwald. Ein knappes Jahr lang läuft nun das gestartete Regionalmanagement Brohltal-Vordereifel als Fortsetzung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK). Um für die Entwicklung ihres ländlichen Raumes eine Verbesserung zu erreichen, wurde auf die Mitwirkung der Bevölkerung besonderer Wert gelegt. Es wurden zahlreiche Projekte entwickelt, priorisiert und unter Moderation und logistischer Hilfe der Koblenzer Firma Grontmij und Vertretern des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Westerwald-Osteifel (DLR) in die Umsetzung gegeben. Das dazu gegründete Regionalmanagement hat inzwischen die vorgegebenen Projekte detaillierter ausgearbeitet und die Umsetzung eingeleitet. Über den Stand wurde kürzlich auf einem Projektforum informiert, das im Kirchwalder Bürgerhaus tagte. Bürgermeister Gerd Heilmann war turnusmäßig Gastgeber und begrüßte zum Forum zahlreiche Ortsbürgermeister und Gemeinderäte, seinen Amtskollegen Johannes Bell von der Verbandsgemeinde Brohltal, Mitarbeiter der beauftragten Firma Grontmij aus Koblenz, Vertreter des DLR und Prof. Axel Lorig als Gastredner mit einem Impulsvortrag, welche Auswirkungen der demografische Wandel haben wird und daher in die Arbeit einzubinden sei.
Besondere Schwerpunkte
Aus dem bisherigen ILEK-Prozess gingen die Projekte E-Bike/Pedelec, Eifelleiter (Premiumwanderweg), die ärztliche Versorgung, die Kooperation Wirt-schaft/Schulen/Jugendliche, ein integriertes Klimaschutzkonzept sowie Landwirtschaft und Ernährung für Schüler als besondere Schwerpunkte der Bürger hervor. Unter Moderation der Firna Grontmij wurden die Projekte vom Regionalmanagement weiterentwickelt und erste Schritte zur Umsetzung eingeleitet. Das Projektforum sollte alle Beteiligten auf den gleichen Kenntnisstand bringen und Ideen anderer, nicht direkt am jeweiligen Projekt Beteiligter einbringen. Für das Klimaschutzkonzept und den Wanderweg wurden zwischenzeitlich Fördermittel beantragt und bewilligt.
Für Elektroräder wurden in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Mobilität Routen entwickelt. Entlang der Wege werden jetzt Gastgeber gesucht, bei denen Räder geliehen oder aufgeladen werden können. Auch Marketingmaßnahmen wurden bereits in verschiedensten Medien gestartet.
Für den Eifelleiter-Premiumwanderweg existiert mittlerweile eine Null-Version. Der Weg verläuft auf dem Gebiet der Verbandsgemeinden Brohltal, Adenau und Bad Breisig. Die weitere Abstimmung läuft.
Für die Sicherung bzw. den Ausbau der ärztlichen Grundversorgung stellte Helmut Sondermann vom Ärztenetz Vordereifel das Denkmodell ÜBAG vor. Berufausübungsgemeinschaften bilden größere Praxen, in denen angestellte Ärzte arbeiten. Das kommt dem Wunsch vieler junger Ärzte entgegen. Nahezu 40 Prozent der rheinland-pfälzischen Ärzte sind älter als 60 Jahre. Der Bundesschnitt liegt bei 27 Prozent . Perspektiven wird die Region nur haben, wenn es gelingt Jugendliche vor Ort in Ausbildung zu bringen. Die IHK-Geschäftsstelle in Bad Neuenahr, die Ahr-Akademie in Bad Neuenahr-Ahrweiler und das Regionalmanagement Brohltal/Vordereifel arbeiten mit einem Infomobil und in verschiedenen Projekten zusammen. Aktuell informieren wöchentliche Flyer über einen „Auszubildenden der Woche“ und seinen zugehörigen Ausbildungsbetrieb.
Dipl.-Ing. Michael Münch von der Transferstelle Bingen, einem mit der FH Bingen zusammenarbeitenden Institut, erläuterte den Stand des beabsichtigten regionalen Konzeptes und machte am Konzept der Stadt Bingen die mögliche finanzielle Wertschöpfung für die Region deutlich. Zum Projekt Landwirtschaft und Ernährung für Schüler hätten die Landfrauenkreisverbände Ahrweiler und Mayen-Koblenz bzw. die jeweilige Vorsitzende be-richten sollen. Keine der beiden Damen war jedoch zum Projektforum erschie-nen.
Demografischer Wandel
Als künftigen Schwerpunkt der Arbeit des Regionalmanagements, dem Umgang mit dem demografischen Wandel, konnte Ministerialrat Axel Lorig vom Umweltministerium für einen Impulsvortrag gewonnen werde. Der Honorarprofessor Lorig ist in Daun aufgewachsen, begann seine berufliche Karriere in Mayen und ist bereits seit vielen Jahren in der Landesplanung tätig. Üblicherweise verfügen Ministerien circa drei bis fünf Jahre früher über Informationen als viele Aufgabenträger vor Ort. Prof. Lorig trug fachkundig, witzig und mit drastischen Beispielen die Schrumpfungsprozesse vor, von denen sich viele der anwesenden Ortsbürgermeister und Gemeinderäte kein annäherndes Bild machen konnten und die heute immer noch über Neubaugebiete nachdenken. „Ganze Dörfer werden von der Landkarte verschwinden und dabei kommt es nicht auf die heutige Größe an“ so Prof. Lorig „das ist nicht weiter schlimm, aber der Weg dahin wird teuer.“ Um nicht die örtlichen Kommunalverantwortlichen unnötig zu verunsichern, brachte Prof. Lorig vielfach Beispiele aus den Ländern Thüringen und Sachsen. Ein 900 Mio. Euro schweres Programm soll dort 145.00 Häuser abreißen. Das sind nicht nur leer stehende uralte Häuser oder Bauernhöfe. Dazu zählen auch Geschäftshäuser, Gasthöfe, Gutshöfe oder Schulen. Auch das Saarland hat schon ein solches Abrissprogramm aufgelegt und in Rheinland-Pfalz wird ebenfalls darüber nachgedacht. Nickende Zustimmung im Saal erntete der Redner als er prophezeite, dass selbst nahezu neuwertige Häuser künftig nicht mehr ohne schnellen Internetzugang zu verkaufen seinen. „Ich fahre jetzt wieder nach Mainz und Sie müssen hierbleiben“, verabschiedete sich der Gast schmunzelnd, „und glauben Sie nicht von da käme jemand und würde Ihre Probleme lösen; das müssen Sie schon selber tun.“ Prof. Lorig machte aber auch gelungene Ansätze in den zuvor detailliert geschilderten Zukunfts-Projekten aus, fand die Beteiligten damit auf einem guten Weg und zollte dafür seine Anerkennung.
Ministerialrat Prof. Axel Lorig von Umweltministerium beeindruckte bei seinem Vortag zum demografischen Wandel mit Sachkenntnis sowie provozierenden Beispielen und Thesen.
