Allgemeine Berichte | 23.10.2014

16. Künnisfelder Mundart-Abend

„Tant Süff“ un „Shopping dahäm“

Freunde der Mundart genossen tolle Vorträge im Bürgerhaus

„Tant Süff“ un „Shopping dahäm“

Königsfeld. Bis auf den letzten Platz besetzt war beim 16. Künnisfelder Mundartabend das Bürgerhaus in Königsfeld. Zusätzliche Bestuhlung war erforderlich, um den zahlreich erschienenen Freunden der heimischen Mundart im renovierten Bürgerhaus von Königsfeld Platz zu bieten. Zum 16. Mal in Folge war der „Künnisfelder Mundart-Abend“ für die Gäste eine unterhaltsame und humorvolle Veranstaltung, die in diesem Jahr unter der Regie der Verbandsgemeindeverwaltung Brohltal stattfand. So konnten Bürgermeister Johannes Bell und Ortsbürgermeister Hans-Josef Zipp neben den zahlreich erschienenen Gästen besonders die Vortragenden und darüber hinaus mit Karl-Heinz Kurth und Kirsten Zipp, diejenigen willkommen heißen, die der Veranstaltung von Anfang an bis zum letzten Jahr ein Gesicht gegeben hatten. Dass eine Veranstaltung mit so vielfältiger Mundart nicht einfach wegfallen darf, darüber waren sich alle einig. „Die heimische Mundart ist ein kulturelles Gut, dass es zu bewahren gilt“, erklärte Bürgermeister Bell in seiner Begrüßung Voller Lob und Dank war er auch am Ende der Veranstaltung über die vorgetragenen Geschichten, die so manchen Lacher verursachten. Für alle Vortragenden gab es dann auch ein Weingeschenk. Den Erlös des Abends will man für die Unwettergeschädigten im Brohltal verwenden. Zuvor hatte Bell gemeinsam mit Karl-Heinz Kurth einen wunderbaren Mundart-Abend moderiert, der Teilnehmern und vor allem den Gästen viel Freude bereitete. Sowohl heitere und beschwingte Texte wie auch nachdenkliche Beiträge rundeten den Abend ab. Der Dank am Ende der Veranstaltung galt besonders denjenigen, die in all den Jahren dem Künnisfelder Mundart-Abend die Treue gehalten hatten und auch im Sprachenwandel der Zeit die heimische Mundart nicht in Vergessenheit geraten ließen. Nachdem die Gruppe „Eifelfolk“ (Elke und Michael Marciniak, Helmar Hoffmann) die Gäste musikalisch begrüßt hatten, eröffnete Karl-Heinz Kurth den Abend mit seinem Beitrag „Bi de Jemäneroth de Jäns gefress hät“. Helmut Schuld aus Gimmingen überreichte Bürgermeister Bell zu Beginn seines Vor-trages ein Bild das an die Kommunion im Jahre 1928 in Oberzissen erinnerte. Er hatte dieses auf einem Flohmarkt erworben. Mit seiner ersten Geschichte „Drai Siele bai St. Pitter“ gab er humorvoll das Anklopfen von drei Seelen an der Himmelspforte zu Gehör, bevor er die Geschichte vom schlauen Rabiner vortrug.

Margret Nischalke aus Ahrweiler mit ihrem „Beerdigungsverzählsche“ beschrieb die Beerdigung von „der Tant Süff“ und dem anschließenden Beerdigungskaffee, bei dem die Verwandtschaft bereits das Erbe aufteilte. Hier gab es bei der Testamentseröffnung 6 Wochen später die Ernüchterung, als die Tante das gesamte Erbe der Kirche vermacht hatte.

Rita Kreyer aus Dedenbach erinnerte sich mit ihrer Freundin bei der Geschichte „Wesste noch…“ auch an den alten Birnbaum an der Grundstücksgrenze, der in jungen Jahren als Hilfsmittel bei der Zaunsüberschreitung und später so manches Mal als Fluchtweg diente.

Wie könnte es anders sein. „SWR-Wetterbauer“ Hans Boes (Gimmingen) trug in seiner amüsanten Art Bauern- und Wettersprüche über den Jahreskreislauf vor. Viele erinnerten sich an diese, wobei eine auch heute immer noch Bestand hat: „Ist es an Silvester hell und klar, ist am nächsten Tag Neujahr!“ „Mamma wann jo mir wieder Kalköpp fangen“ war der Beitrag von Marianne Breuer, bei der die Entstehungsgeschichte junger Frösche nachempfunden werden konnte. Karl Ernst Brogsitter aus Sinzig beendete mit seinem Beitrag „Ich hat mal en Nebenjopp“ war der letzte Vortrag in der ersten Hälfte des kurzweiligen Programms. Er schilderte anschaulich seine Tätigkeit als Kellner, bei dem die Gäste oft nichts zu lachen hatten. Die Gruppe „Eifelfolk“ beendete die erste Programmhälfte musikalisch und animierte die Gäste bei dem Lied vom „jode Freund“ zu mitsingen. In der Pause konnten sich die Besucher mit Speis und Trank stärken.

Im hiesigen Sprachraum etwas ungewohnt waren zu Beginn der zweiten Programmhälfte die Töne, die Brigitte Frahn erklingen ließ. In ihrem holsteinischen Dialekt erzählte sie Geschichten von „de freiwillige Führwehr“. Herzlich lachten die Gäste auch wieder, als Wendelin Bell aus Brenk die Geschichte von „Ohs Oeße“ in breitem „Bräänker Platt“ darbot. Mit der Geschichte „Brohltal onech Damp“ berichtete Irmgard Harst (Dedenbach) von einem Ausflug mit der Brohltal-Eisenbahn durchs romantische Brohltal.

Thea Gödderz aus Schalkenbach setzte sich in ihrem Beitrag mit „Shopping dahäm“ auseinander und erinnerte an die gute, alte Zeit, als noch fahrende Händler die Ortschaften in der Region bereisten.

Als Schulkind betrat anschließend Anneliese Michels aus Oberbaar die Bühne. Bei ihrem Vortrag „Bi ich in die Schul ging“ erinnerten sich viele der Anwesenden an die eigene Schulzeit. Zu ihrem Bedauern kam sich schließlich zum Schluss: Heute muss man Englisch können, um Deutsch zu lernen. Mit zwei alten deutschen Volksliedern, bei dem das Publikum mitsang, beendete sie ihren Vortrag.

Hermann Wilhelmi aus Burgbrohl veranschaulichte in seinem Vortrag das Brotbacken in früheren Jahren. Da ging der Sauerteig noch auf Wanderschaft bei seinem Vortrag „Su wor Brot gebackt“. Als letzter Vortragender konnte Willi Fuhrmann aus Niederzissen in Reimversen überzeugen. Mit „Tapeziere es schwer“ beendete er einen hervorragenden Mundart-Abend.

Die Gruppe „Eifelfolk“ setzte dann mit mehreren eigenen Liedbeiträgen einen tollen Schlusspunkt, bevor sich die Vortragenden zum Schlussbild versammelten und je nach ihrem Dialekt folgenden Satz vortrugen: „Die Harke falsch hingelegt, drauf getreten und gegen den Kopf gestoßen.“

Bürgermeister Bell lud nach dem Dank an alle Akteure die Gäste ein, auch im kommenden Jahr wieder dem Künnisfelder Mundart-Abend treu zu bleiben und wieder recht zahlreich zu erscheinen. Die Besucher waren auch in diesem Jahr erfreut über die Vielzahl der Dialekte in den 14 Beiträgen sowie in den Liedern von „Eifelfolk“ .

Als ältester Teilnehmer wusste Wendelin Bell aus Brenk die Zuhörer wieder bestens zu unterhalten.

Mit ihren einfühlsamen Liedern wusste die Gruppe „Eifelfolk“ beim Künnisfelder Mundart-Abend zu überzeugen.

In holsteinischem Dialekt erzählte Brigitte Frahn von „de freiwillige Führwehr“.

„Tant Süff“ un „Shopping dahäm“
„Tant Süff“ un „Shopping dahäm“

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