Politik | 21.06.2013, 13:51 Uhr

Obere Ahr-Hocheifel: Technik unterstützt Naturschutz

Tragschrauber liefert großflächige Luftaufnahmen

Auenwald und Bachufer aus 300 Metern Höhe unter der Lupe

Kreis Ahrweiler. Das Naturschutz-Großprojekt Obere Ahr-Hocheifel (OAH) bekommt Hilfe von oben. Ein Tragschrauber liefert präzise Luftbilder, mit denen sich die Entwicklung der Vegetation und der Gewässer beobachten lässt. Aus einer Flughöhe von 300 Metern schaffen die Fotos eine Bildgenauigkeit von fünf Zentimetern.

Die Technik wurde maßgeblich am RheinAhrCampus Remagen (RAC) entwickelt. „Die Fachhochschule im Kreis Ahrweiler hilft, das größte Naturschutzvorhaben im Kreis Ahrweiler zu dokumentieren. Das ist eine echte Innovation“, erklärte Landrat Dr. Jürgen Pföhler bei der Präsentation des fliegenden Sensors, der zunächst testweise über der Bengener Heide aufstieg. Der Kooperationsvertrag zwischen dem AW-Kreis und dem RAC werde durch solche gemeinsamen Projekte mit Leben gefüllt.

Der Tragschrauber, ein bemannter Ultraleicht-Drehflügler, wird in der Verbandsgemeinde Adenau eingesetzt. Dort wird derzeit das OAH als größtes Naturschutzvorhaben im Kreis Ahrweiler verwirklicht. Das Kerngebiet des Projekts umfasst 3.300 Hektar. Die Oberahr und sämtliche Zuflüsse sollen geschützt und in ihrer natürlichen Entwicklung nachhaltig gesichert werden. Weitere Vorteile neben der Ökologie liegen beim Hochwasserschutz, der Landwirtschaft und im Tourismus.

„Wir erhalten großflächige Luftaufnahmen mit extrem hoher Auflösung“, freut sich OAH-Projektleiter Dr. Jochen Mölle. Damit lasse sich der Zustand ganzer Talabschnitte vor, während und nach den Naturschutzmaßnahmen dokumentieren. Beispiele: An Bächen werden vielerorts künstliche Steinbefestigungen zurückgebaut, damit die Gewässer in der Aue wieder frei fließen können.

Dort werden sich Auenwaldstrukturen entwickeln, die den Bachufern natürlichen Halt geben. Flächen, die mit den Jahren verbuscht sind, werden freigestellt, um sie als Grünland landwirtschaftlich zu nutzen. „Solche Maßnahmen lassen sich sehr gut, teilweise sogar ausschließlich aus der Luft dokumentieren“, weiß Mölle. Das langfristige Ziel sei, einzigartige Auenlebensräume wiederherzustellen und für die Nachwelt zu erhalten.

Prof. Dr. Jens Bongartz, Leiter des Fraunhofer Anwendungszentrums für multimodale und luftgestützte Sensorik (AMLS), erklärte, wie der Hochschulstandort RheinAhrCampus Remagen zu dem Novum kam: Im November 2012 wurde dort, zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR in Wachtberg, das AMLS gegründet. Das Zentrum entwickelt die fliegende Sensorplattform - der RAC bringt den Tragschrauber ein. Die Technik soll helfen, kostengünstig neue, luftgestützte Fernerkundungfelder zu erschließen, insbesondere in der Land- und Forstwirtschaft.

Ein Tragschrauber ist ein bemannter Ultraleicht-Drehflügler. Er unterscheidet sich von einem Hubschrauber dadurch, dass der Tragflügel nicht aktiv durch einen Motor, sondern nur durch den anströmenden Fahrtwind angetrieben wird. Diese sogenannte Autorotation sorgt für den benötigten Auftrieb und die Flugfähigkeit. Durch das einfache Konstruktionsprinzip im Vergleich zum Hubschrauber sind Tragschrauber deutlich preiswerter in der Anschaffung und im Betrieb. Seine Langsamflug-Eigenschaften und die hohe Wendigkeit prädestinieren den Tragschrauber für Beobachtungsaufgaben. Das Fluggerät wird mit moderner Fernerkundungs-Sensorik ausgestattet, bestehend unter anderem aus einer hochauflösenden Digitalkamera und einer Hyperspektralkamera.

Pressemitteilung der

Kreisverwaltung Ahrweiler

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