Politik | 07.12.2012

Vergleich am Nürburgring geschlossen

Die Sanierer haben jetzt das Sagen an der Rennstrecke und bereiten die europaweite Ausschreibung vor

Die beiden ehemaligen Rechner des Nürburgrings, Jörg Lindner (links) und Kai Richter (rechts) erklärten in einer Pressekonferenz am Nürburgring, dass im kommenden Jahr die Formel eins dort veranstalten wollen und außerdem mit einem strategischen Partner zusammen bei der europaweiten Ausschreibung im nächsten Jahr die gesamte Rennstrecke übernehmen möchten.vj

Die bisherigen Pächter Lindner und Richter wollen 2013 die Formel Eins am Ring ausrichten und außerdem die ganze Rennstrecke zusammen mit einem Partner übernehmen.

Nürburgring. Den Sanierern der Nürburgring GmbH (NG) ist es gelungen, mit der Betreibergesellschaft Nürburgring Automotive GmbH (NAG) eine Einigung über die Rückgabe der Rennstrecke und der Immobilien am Nürburgring rückwirkend zum 31. Oktober zu erzielen. Der Vergleichsvertrag ist mittlerweile von Notar Bernd Kunze aus Bad Kreuznach notariell beurkundet und damit wirksam, nachdem auch der Gläubigerausschuss der Einigung zugestimmt hatte. Das geht aus einer Pressemitteilung des Sanierungsgeschäftsführers der NG, Prof. Dr. Dr. Thomas B. Schmidt, und des Sachwalters Jens Lieser hervor. Bereits vier Monate nach dem Insolvenzantrag hätten sie damit einen wichtigen Schritt für die Zukunftssicherung des Nürburgrings erreicht.

„Gordischer Knoten ist durchschlagen“

„Der gordische Knoten ist durchschlagen. Wir freuen uns, dass es trotz erheblicher Meinungsunterschiede gelungen ist, einen für beide Parteien ausgewogenen Vergleich im Interesse des Nürburgrings, der Mitarbeiter, der Veranstalter, des Motorsports und der Region zu erzielen“, erklärte Schmidt. Das erste große Ziel sei erreicht, mit Abschluss des Räumungsvergleichs seien Eigentum und Besitz am Nürburgring wieder in einer Hand. „Damit sind die Weichen für den anstehenden Investorenprozess gestellt“, ergänzte Lieser. Der Vergleich gewährleiste nach seinen Angaben, dass der Geschäftsbetrieb am Ring nahtlos fortgeführt wird und alle Arbeitsplätze und Veranstaltungen gesichert sind. Mit der Einigung würden zudem die Räumungsklage und die Zahlungsklage wegen ausstehender Pacht sowie alle strittigen Positionen aus dem Pachtverhältnis beigelegt. Damit könnten jahrelange und kostenintensive Rechtsstreitigkeiten vermieden werden.

Das operative Ringgeschäft wird demnach rückwirkend zum 31. Oktober von der neu gegründeten Tochtergesellschaft der NG, der Nürburgring Betriebsgesellschaft GmbH (NBG), fortgeführt. Einen entsprechenden Betriebspachtvertrag habe die NG mit der NBG geschlossen. Die NAG scheide damit aus der operativen Geschäftsführung des Ringgeschäfts aus, ab sofort sei die NBG ist für die Vermarktung der Rennstrecke, die Verwaltung der Gebäude und Einrichtungen zuständig und übernehme alle bereits bestehenden Verträge mit Veranstaltern. „Die Einigung mit der NAG beseitigt die Unsicherheit am Nürburgring und ist ein deutliches Signal für die Veranstalter. Sie haben nun Rechts- und Planungssicherheit für ihre Veranstaltungen“, bekräftigte Schmidt. Das für Ringbesucher bestehende bargeldlose „ring°card“-System liege mit der Einigung ebenfalls vollständig in der Hand der NG.

Mitarbeiter können in neues Unternehmen wechseln

Für alle NAG-Mitarbeiter bestehe nun die Möglichkeit, im Rahmen eines Betriebsübergangs ihre Arbeitsverhältnisse mit der NBG unter gleichen Konditionen fortzusetzen. „Es ist uns wichtig, den Mitarbeitern der NAG den Wechsel in eine nicht insolvente Gesellschaft anzubieten“, sagte Lieser. Mit dem Übernahmeangebot wolle man das Vertrauen der Mitarbeiter in die Zukunft des Rings in einer schwierigen Phase stärken und setze auf ihre Loyalität und Unterstützung. Die Rückgabe des Nürburgrings sei eine wichtige Etappe für den im Frühjahr 2013 anstehenden Investorenprozess. „Wir haben mit dem Vergleich die Grundlagen für eine rechtssichere und zukunftsorientierte Verwertung des Nürburgrings an einen oder mehrere Investoren geschaffen“, unterstreichen Lieser und Schmidt. Sie stünden im engen Dialog mit der EU-Kommission, um das voraussichtlich im März 2013 anstehende Bieterverfahren auf den Weg zu bringen. „Das Bieterverfahren wird transparent, diskriminierungsfrei, europaweit und EU-konform stattfinden. Das steht jetzt schon fest“, verspricht Lieser. Derzeit würden in enger Abstimmung mit der EU-Kommission weitere Details der Ausschreibung festgelegt, schon jetzt gäbe es erste Interessenten.

Hotels und Ferienpark werden weiter von Lindner gemanaged

Die Vergleich räume der NAG die Möglichkeit ein, weiter mit Bernie Ecclestone über eine Austragung der Formel 1 am Nürburgring in 2013 zu verhandeln. Wenn das der NAG nicht gelinge, wollen die Sanierer ihrerseits umgehend mit Ecclestone sprechen, sagt Schmidt. Außerdem werde die Lindner Hotels AG die beiden Nürburgring-Hotels und den Ferienpark im Rahmen eines Management-Vertrages in einer Interimsphase, längstens bis ein oder mehrere neue Investoren gefunden sind, fortführen. Die beiden Ex-Pächter seien derzeit bereits im Gespräch mit Ecclestone, berichteten Richter und Lindner ihrerseits in einer Pressekonferenz. Bereits im Sommer hatten sie ein Konzept vorgelegt, wonach der Formel 1-Zampano ab dem kommenden Jahr auf die Zahlung der Fahrerfeldgebühr verzichten wolle. Im Gegenzug werde Ecclestone als Veranstalter des Rennens auftreten und auch sämtliche Kosten tragen, beanspruche am Ende aber auch alle Einnahmen. Dazu sei die Bereitstellung der Rennstrecke, der Anlagen sowie des erforderlichen Personals für 14 Tage notwendig, was angeblich mit der NG auch für den Erfolgsfall so vereinbart worden sei.

Die Zeit läuft davon

Allerdings wird der Rennkalender des Automobil-Weltverbandes FIA endgültig festgezurrt. Bis dahin müsse man fertig sein. „Das Zeitfenster schließt sich“, wussten die beiden ehemaligen Pächter. Die Zeit laufe vor allem deshalb weg, weil das Hauptgeschäft mit den Formel-1-Karten in der Weihnachtszeit passiere, und bis dahin sei es bekanntlich nicht mehr weit. Bedauerlicherweise hätten die Gespräche über Wochen hinweg nicht weitergeführt werden können, weil die Situation am Ring nach der Insolvenzanmeldung sehr unübersichtlich gewesen sei. Doch die beiden zeigten sich sehr optimistisch, dass sie am Ende als Sieger aus dem Rennen hervorgehen. Die Vertriebsunterlagen seien bereits fertig, so dass man sofort in den Verkauf gehen könne, wenn die notwendigen Verträge mit den Formel-1-Verantwortlichen unterzeichnet seien. „Die Fahrerfeldgebühr ist kein Thema mehr, denn die Formel 1 hat hier nur eine Zukunft, wenn ein völlig neues wirtschaftliches Konzept zum Tragen kommt“, betonte Lindner. Er sehe niemanden, der die bisher übliche Fahrerfeldgebühr auf den Tisch lege.

Mit strategischem Partner den Ring übernehmen

Ohnehin haben sich Lindner und Richter noch längst nicht vom Nürburgring verabschiedet, wie es viele ihrer Gegner in der Region insgeheim gehofft hatten. Denn bei einer erneuten europaweiten Ausschreibung des Nürburgrings 2013 wollen sich Lindner und Richter auf jeden Fall bewerben. Dazu werde man sich mit einem strategischen Partner zusammentun, um gemeinsam den Nürburgring als Ganzes zu übernehmen. „Es gibt bereits eine Vielzahl von Interessenten, die an uns herangetreten sind“, erklärte Richter. Jetzt gehe es nur noch darum, den richtigen Partner auszusuchen. Schließlich besitze kein anderer möglicher Betreiber so tief gehende Kenntnisse und Erfahrungen mit der Situation rund um den Nürburgring wie das Duo Lindner/Richter. Jeder künftige Eigner der Rennstrecke wäre nach ihrer Ansicht gut beraten, dieses Know-how zu nutzen.

Der Verkaufspreis werde sich aber wahrscheinlich eher am Ertragswert des Nürburgrings orientieren und weniger am Immobilienwert, sagte Lindner voraus. Der Nürburgring sei jedenfalls ein durchaus profitables Unternehmen, das habe das Duo in seiner zweieinhalbjährigen Zeit als Betriebsführer eindeutig unter Beweis gestellt. „Der Nürburgring hat definitiv eine Zukunft - wenn die Politik erstmal draußen ist!“, betonten sie. Ein privater Eigentümer werde wieder „Musik“ in die Angelegenheit hinein bringen.

VJ

Ob der „Ring Racer“ jemals an den Start gehen wird? Wer weiß. Die angeblich schnellste Achterbahn der Welt ist heute jedenfalls ein monumentales Symbol für verfehlte Investitionspolitik rund um die weltbekannte Rennstrecke.

Ob der „Ring Racer“ jemals an den Start gehen wird? Wer weiß. Die angeblich schnellste Achterbahn der Welt ist heute jedenfalls ein monumentales Symbol für verfehlte Investitionspolitik rund um die weltbekannte Rennstrecke.

Die beiden ehemaligen Rechner des Nürburgrings, Jörg Lindner (links) und Kai Richter (rechts) erklärten in einer Pressekonferenz am Nürburgring, dass im kommenden Jahr die Formel eins dort veranstalten wollen und außerdem mit einem strategischen Partner zusammen bei der europaweiten Ausschreibung im nächsten Jahr die gesamte Rennstrecke übernehmen möchten.Fotos: Fotos: vj

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