Allgemeine Berichte | 26.03.2013

Kammerkonzert auf Burg Brohleck

Virtuose Stipendiaten brachten klassische Musik in alte Mauern

Sieben junge Musiker der Stiftung „Villa Musica“ von Schloss Engers wählten Burg Brohleck zur Bühne für gute Kammermusik.FA

Brohl. Für Burg Brohleck ist eine neue Ära angebrochen: Sie ist in die Reihe der Spielstätten der Stiftung „Villa musica“ aufgenommen worden. Ein erstes Beispiel der qualitativ hohen Pflege von Kammermusik dieses Instituts war das Akademiekonzert des Ensembles der Kölner Geigen-Dozentin Midori Seiler, der renommierten Konzertmeisterin in bekannten Orchestern des In- und Auslands. Die geborene Japanerin hat einen Kreis von hervorragenden, multikulturellen Streicher-Stipendiaten um sich versammelt, mit denen sie Kammermusik der Extraklasse aufführt. Bei dem Akademiekonzert auf Burg Brohleck spielten Musiker aus sechs Nationen im Ensemble, die sich alle längst einen Namen gemacht haben, so der 26 - jährige Deutsche Maximilian Junghanns (Violine), mehrfacher Preisträger von „Jugend musiziert“, gereift in den unterschiedlichsten Orchestern und als Solist. So der 28 - jährige US-Amerikaner Timothy Braun (Violine), ausgebildet in USA und in Deutschland und gereift in verschiedenen Orchestern der USA, Inhaber wertvoller Preise. Mit dabei auch der 27 - jährige Rumäne Adrian Stanciu (Viola), der sein Fach in Rumänien, später in Österreich lernte, dann in verschiedenen Ländern künstlerische Erfahrung erwarb und wichtige Preise bei Wettbewerben sammelte. Die hübsche 27 - jährige Bratschistin Irem Dilhan Kantas wurde in Bursa / Türkei geboren und wurde bereits mit zwölf Jahren mit der Viola vertraut. Sie studierte später in Ankara, dann in Leipzig, seit 2011 in Berlin. Meisterkurse besuchte sie in den USA. Dorukhan Doruk (Violincello) ist 22 Jahre und stammt aus Istanbul. Er studierte an der Musikhochschule Köln und in Oslo. Er trat bereits oft als Solist auf, begleitet von renommierten Orchestern. Er spielt ein wertvolles Instrument: Ein Cello aus der Werkstatt des Meisters Nicolas Lupot aus dem 19. Jahrhundert. Der 28 - jährige Franzose Yan Vaigot begann seine Ausbildung in seiner Heimat, studierte später an der Folkwang Hochschule in Essen. Er besuchte diverse Meisterkurse, trat bereits mehrfach als Solist in Erscheinung und spielte bei vielen einschlägigen Festivals.

Mit diesen hervorragenden Musikern interpretierte Ensemble-Chefin Midori Seiler drei kammermusikalische Kleinode aus verschiedenen Stilen. Zunächst das Streichquintett E-Dur Opus 11 Nr. 5 des italienischen, später spanischen Cello-Virtuosen Luigi Boccherini. Boccherini hat sich allerdings unsterblich gemacht durch sein populäres Menuett, das den dritten Satz des hier konzertierten Streichquintetts bildet. Ja: Das Menuett ist berauschend schön, aber die wahren musikalischen Feinheiten liegen in den technisch anspruchsvollen, umgebenden Sätzen, vor allem im Rondo. Das Quintett ist eine relativ frühen Komposition des sonst etwas vernachlässigten italienischen Meisters der klassischen Kammermusik. Die fünf großartigen Musiker des Ensembles machen das Quintett zum Hörgenuss. Eine zusätzliche Steigerung des Genusses ist allerdings das folgende, ein dreiviertel Jahrhundert später entstandene Streichquintett B-Dur, Opus 87 des Vorzeige-Romantikers Felix Mendelssohn-Bartholdy. Schon der furiose Beginn des 1845 in Bad Soden komponierten Werkes ist ein musikalisches Erlebnis. Virtuos nicht nur die Komposition, virtuose Fähigkeiten beweisen auch die fünf Kammermusiker. Der zweite, kurze Satz wirkt gegenüber dem ersten, dort weitgehend von Moll-Passagen getragenen Themen, sehr erfrischend. Ganz das Gegenteil: Das schwermütige Adagio des 3. Satzes, im Programmheft als „eine der großen Elegien der Kammermusik“ beschrieben. Ein dramatischer Trauergesang, in der Interpretation von den Musikern meisterhaft „rübergebracht“. Damit räumt der vierte Satz mit dem Auftakt seiner „Sechzehntel-Unruhe“ dann wieder mächtig auf. Krasser kann der Gegensatz kaum sein - von den Interpreten mit Bravour gemeistert. Der Komponist wollte diesen Satz noch verändern, ist aber nicht mehr dazu gekommen? Gut, dass er es nicht mehr schaffte - der Satz ist grandios, und die Interpreten der Villa Musica sind es auch. Nach der Pause das dritte der kammermusikalischen Kompositionen: Wolfgang Amadeus Mozarts Streichsextett nach KV 364. In dieser Form stammt es gar nicht von dem in Wien lebenden Salzburger Wunderknaben. Da hat sich ein Unbekannter über Mozarts schöne, aber selten aufgeführte „Sinfonia concertante“ KV 364 hergemacht und sie als Sexttett für je zwei Violinen, Bratschen und Celli arrangiert. Gut gemacht, denn so kann man eines der schönsten Werke Mozarts in kammermusikalischer Besetzung genießen, während das Original in der Versenkung schlummert. Und da wir gerade beim Genießen sind: Mozart ist und bleibt Mozart, auch wenn ein Arrangeur sich daran versucht. Die fantasievolle Melodik, die wundersamen Harmonien, fußend auf der majestätischen Es-Dur Tonart, die immer überraschenden chromatischen Spielchen des reifen Genies - das Sextett, auch seine Interpretation, sind eine Offenbarung. Allein diese Begegnung mit einer reifen Komposition des größten aller musikalischen Genies hätte Burg Brohleck zu einem ersten Stern der Anerkennung verholfen. Der sei ihr jetzt verliehen. Danke für das erste Konzert - vor allem an den Burgherrn Ulrich Liebsch. Die Region und ihre Menschen sind dankbar für diesen neuen, optisch und von der Lage her angemessenen Hort guter klassischer Musik

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Sieben junge Musiker der Stiftung „Villa Musica“ von Schloss Engers wählten Burg Brohleck zur Bühne für gute Kammermusik.Foto: FA

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