Eine Karriere im Vinxtbachtal
Vom Straßenfußballer zum Top-Torjäger
aus Gönnersdorf
Gönnersdorf. Wer Ende der 80er-Jahre am Hof der Familie Schmidgen in der Gönnersdorfer Borngasse vorbeiging, dem bot sich nicht selten – vielmehr fast schon regelmäßig – das gleiche Bild: Sprössling Timo, der bereits in jungen Jahren einen Fußball mit links wie rechts immer wieder gegen das Scheunentor knallte. Später waren es der vereinseigene Sportplatz des FC Rhenania, der Gönnersdorfer Dorfplatz und eine benachbarte „Fußballwiese“, auf denen Timo Schmidgen eindrucksvoll unter Beweis stellte, dass hier ein außergewöhnlich talentierter Fußballer heranwuchs.
Nach dem Start seiner Laufbahn in der Jugend der JSG Gönnersdorf/Waldorf war schnell klar, dass Timo seine Fußballschuhe zunächst nicht ausschließlich für seinen Heimatverein schnüren würde. Zunächst wechselte der talentierte Nachwuchsspieler zur JSG Bad Breisig, ehe er seine fußballerische Ausbildung schließlich beim FC Alemannia Plaidt am Pommerhof fortsetzte. Bereits gegen Ende seines zweiten A-Jugend-Jahres, kurz vor dem Sprung in den Seniorenbereich, streckten zahlreiche renommierte Vereine aus der Region ihre Fühler nach dem Sturmtalent aus dem Vinxtbachtal aus. Seine Wahl fiel jedoch – zur Überraschung und Freude vieler – auf die heimische SG Gönnersdorf/Waldorf.
Bereits in seinem ersten Seniorenjahr, der Saison 2002/03, gehörte Schmidgen zu den Erfolgsgaranten beim Aufstieg seiner Mannschaft aus der Kreisliga B in die Kreisliga A des Fußballkreises Rhein/Ahr – von Anpassungsschwierigkeiten an den Seniorenbereich konnte keine Rede sein. In der Saison 2003/04 schoss der junge Stürmer die Spielgemeinschaft auf einen für einen Aufsteiger mehr als respektablen dritten Tabellenplatz, bevor im Spieljahr 2004/05 der große Wurf gelang: Erstmals in der Geschichte des FC Rhenania Gönnersdorf schaffte eine Seniorenmannschaft den Aufstieg in die Bezirksliga. Dass Timo Schmidgen auch zu den Architekten dieses Erfolgs zählte, muss an dieser Stelle kaum noch erwähnt werden.
In der Bezirksliga Mitte ging der Stern des ohnehin bereits bekannten Stürmers schließlich auch überregional auf. Vierzehn Spielzeiten in Folge gelang es der kleinen Spielgemeinschaft aus dem Vinxtbachtal, die Klasse zu halten. Stets war Timo Schmidgen – von einem kurzen Gastspiel bei der SpVgg Burgbrohl in der Oberliga abgesehen – einer der prägenden Akteure. Als zur Saison 2019/20 aus verschiedenen Gründen keine Mannschaft mehr für die Bezirksliga gemeldet werden konnte, standen für den inzwischen weit über die Region hinaus bekannten Torjäger mehr als 300 Treffer zu Buche. Es verwundert daher nicht, dass sich viele ehemalige Trainer und Mitspieler sicher sind, dass das Kapitel „Bezirksliga“ ohne Schmidgen niemals hätte geschrieben werden können.
Nach dem Rückzug aus der Bezirksliga war Schmidgens fußballerische Laufbahn jedoch keineswegs beendet. Seinem Drang, weiterhin ambitioniert Fußball zu spielen, konnte er bei der SG Westum/Löhndorf nachgehen. Gleich in seiner ersten – und zugleich einzigen – Saison gehörte er zu den entscheidenden Faktoren beim Aufstieg der Spielgemeinschaft in die Bezirksliga Mitte. Während seiner kurzen Zeit im Westumer „Erlebnispark“ knüpfte Schmidgen schnell neue Bekanntschaften – nicht, dass er dort nicht ohnehin schon bekannt gewesen wäre – und ist bis heute ein gern gesehener Gast.
Zum Abschluss seiner Karriere zog es ihn dann aber doch noch einmal zu seinem Heimatverein zurück. Der Spielgemeinschaft, die mittlerweile unter dem Namen SG Vinxtbachtal-Brohl auf Punkte- und Torejagd ging, verhalf er innerhalb von zwei Jahren mit sage und schreibe 103 Toren zum Durchmarsch aus der Kreisliga C bis ins Kreisligaoberhaus. Dort stand Timo Schmidgen in den vergangenen beiden Jahren noch auf Abruf bereit, ehe er in diesem Sommer seine Fußballschuhe endgültig an den Nagel hängte.
In Gönnersdorf und insbesondere beim FC Rhenania blickt man mit Stolz auf die vergangenen 20 Jahre zurück – Jahre, die von dem kleinen Jungen, der einst dem familieneigenen Scheunentor Tag für Tag alles abverlangte, entscheidend mitgeprägt wurden.
Abschließend sei jedoch gesagt, dass Timo Schmidgen – auch im Alter von nunmehr 42 Jahren – mit dem Fußballspielen offenbar doch noch nicht zu 100 Prozent aufhören kann. Im Rahmen der kürzlich zu Ende gegangenen Sportwoche des FC Rhenania Gönnersdorf schoss er das Team Borngasse/Eichelgasse/Mühlenweg zum Turniersieg beim Straßenturnier und sicherte sich mit sieben Treffern zugleich die Torjägerkrone. Auch für die im Frühjahr gegründete Alte-Herren-Mannschaft der SG Vinxtbachtal-Brohl schnürt er weiterhin die Fußballschuhe – ganz so leicht lässt einen die Leidenschaft für den Fußball eben doch nicht los.
Stets torgefährlich - Timo Schmidgen Foto: FCR