TVR-Titelkämpfe der Jugend in Andernach
Wieder gewinnt Weiler enges Spiel gegen Simon
Vucic bei den älteren Mädchen ungefährdet - Floer nutzt seinen dritten Matchball
Andernach. Am Ende flossen ein paar Tränen. Bis zum letzten Ballwechsel hatte sich Felix Einig vom Andernacher TC gegen die Niederlage gewehrt und um ein Rebreak gekämpft, vergebens. Das letzte Finale der Hallen-Jugendmeisterschaften des Tennisverbandes Rheinland gewann der Bad Emser Yannick Floer bei den Jungen U16 nach hartem Kampf mit 6:4,6:4.
„Das Break zum 5:4 war ganz wichtig“, stellte Floer anschließend fest. Mit 4:3 hatte Einig, im Vorjahr noch Hallenmeister U14, im zweiten Satz geführt, alles deutete auf Matchtiebreak hin. Doch dann folgte das Break, Floer schlug zum Titelgewinn auf, lag nach einem umstrittenen Ballwechsel und zwei neuen Bällen 0:30 hinten, vergab zwei Matchbälle, hatte Glück, als der Gegner seine Breakchance mit einem Volley ins Netz setzte, und nutzte seinerseits die dritte Chance mit einem Volley. „Während des gesamten Turnieres fehlte mir die Kontrolle über Vor- und Rückhand, dafür habe ich gut aufgeschlagen“, meinte der Final-Gewinner, während sich Felix Einig über mangelndes Selbstvertrauen ärgerte: „Ich sollte mehr an mich selbst glauben.“ Zu ängstlich habe er gespielt, die Bälle nicht durchgezogen und vor den Schlägen zu wenig nachgedacht. „Ich gehe zu unkontrolliert vor.“
Im Spiel um Platz drei setzte sich Patrick Schwörer vom TC Mülheim-Kärlich, im Halbfinale 8:10-Matchtiebreakverlierer gegen Einig („Zwei, drei kleine Fehler haben entschieden“), glatt mit 6:1, 6:1 gegen den Andernacher Jan Dietrich durch.
Früher als gewöhnlich hatte der Finaltag im Tennis-Treff Andernach mit den beiden Endspielen der „Königsklasse“ (Verbandstrainer Bijan Wardjawand) Jungen U18 und Mädchen U16/18 begonnen, aus einem einfachen Grund: Es waren keine Halbfinals nötig. Bei nur sieben bzw. sechs Teilnehmer/Innen wurden jeweils Gruppenspiele ausgetragen, die Gruppensieger bestritten das Endspiel. „Bis auf den Rekonvaleszenten Luca Franze ist die Verbandsspitze komplett vertreten; wer hier gewinnt, ist ein würdiger Rheinlandmeister“, kommentierte Verbands-Jugendwart Michael Montada die unterdurchschnittliche Meldezahl (53 Teilnehmer gegenüber 71 im vergangenen Jahr) und wies auf eine Neuregelung bei der Vergabe der Ranglistenpunkte hin, bei der die Eingruppierung des Gegners keine Rolle mehr spielt. „Für jede Runde, die man erreicht, gibt es jetzt Punkte gemäß der Turnierwertigkeit“, so Montada, „das ist aber noch nicht bei allen Spielerinnen und Spielern angekommen.“
Freiplatzmeister Raphael Weiler (Andernacher TC) hatte sich in der Gruppe A der Jungen U18 sicher durchgesetzt (4:0 Sätze/24:3 Spiele), in der Gruppe B wurde Favorit Jan Paul Simon (TC Oberwerth Koblenz) vom Diezer Timo Kieslich beim 7:6, 5:7, 10:7 gefordert. In einer Neuauflage des Vorjahres-Finales U16 ging es nach 6:2 und 2:6 erneut in den Matchtiebreak, den Weiler mit 10:4 gewann. „Wir haben zum dritten Mal in einem Finale gegeneinander gespielt, jedes Mal habe ich mich im dritten Satz durchgesetzt“, stellte Weiler fest. „Man muss im Matchtiebreak einen guten Start erwischen, da gehört etwas Glück dazu.“ Coach Wardjawand ergänzte: „Zwischen den beiden ist es immer eng.“ Der unterlegene Kontrahent Simon („Ich habe zu viele leichte Fehler gemacht“) wird jetzt erst mal pausieren, aus gutem Grund: „Ich habe eine Entzündung in meinem linken Spielarm und konnte in der Woche vor der Meisterschaft nur zweimal trainieren.“
Viel Lob für Titelgewinner Weiler gab es von Bijan Wardjawand: „Er ist schon lange dabei, national weit vorn platziert und eines der Aushängeschilder des Verbandes.“ Die gute Position in der DTB-Rangliste liegt Raphael Weiler sehr am Herzen. „Ich liege auf Platz vier bei den U16ern, das will ich unbedingt halten“, lautet sein Ziel fürs kommende Jahr.
Vucic setzte sich klar durch
Eine klare Sache war das Finale bei den älteren Mädchen. Titelverteidigerin Jelena Vucic, seit Sommer beim HTC Bad Neuenahr („Ich verstehe mich gut mit meinem neuen Trainer Ralf Klotzbach und mit der Mannschaft“) setzte sich nicht nur in ihrer Gruppe souverän durch, sondern gewann auch das Endspiel glatt mit 6:2, 6:0 gegen ihre ehemalige Mülheim-Kärlicher Vereinskameradin Lara Kohler. Die hatte ihr Erfolgserlebnis beim 7:5, 6:1 gegen die Top-gesetzte Lena Lauderbach (TC Laudert), führte im Finale mit 2:1 und spielte dann „wie ein Angsthase“. Vucic zu dieser Spielphase: „Ich habe meine Konzentration gesammelt.“
In der Klasse U14 der Mädchen, mit 19 Teilnehmerinnen gut besetzt, holte sich Liliana Danajlovski (Andernacher TC) nach ihrem Freiplatz-Erfolg auch den Hallentitel durch ein 6:4, 6:2 gegen Emilia Feodorovici (HTC Bad Neuenahr), die nach eigenen Worten „keine Vorhand spielen konnte“. Das war der Taktik geschuldet, denn Siegerin Feodorovici visierte so oft es ging „mit langen Bällen die Rückhand“ ihrer Gegnerin an. „Und wenn ich dann noch Druck machen konnte, lief es gut für mich.“ Bei den jüngsten Jungen hatte Vorjahres-Finalist Simon Hüttner (TC Oberwerth) freie Bahn nach Felix Einigs Wechsel in die nächsthöhere Altersklasse. Allerdings machte es ihm der Andernacher Tristan Reiff beim 7:6 (7:3), 6:2 im ersten Final-Durchgang sehr schwer. „Den Satz hätte ich gewinnen müssen“, ärgerte sich Reiff, und Hüttner gab zu: „Ich weiß nicht, wie ich das gemacht habe.“ Jedenfalls zog er aus dem Tiebreak-Glück die richtigen Schlüsse, spielte „schlauer, variantenreicher und mit mehr Tempo.“ Tristan Reiff, Freiplatz-U14-Meister, verlor zwar das Endspiel, betonte aber selbstbewusst: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“ Für ihn spricht das Alter: „Ich bin der jüngere Jahrgang.“
Thomas Wächtler
Die Siegerin und Platzierten der Mädchen U14 mit TVR-Jugendwart Michael Montada (v.l.: Erika Reinhardt, Michael Montada, Liliana Danajlovski, Emilia Feodorovici).
