Autoren-Ehepaar Heidi und Thomas Ruster in Bad Bodendorf zu Gast
„Wir wollen der Kirche eine goldene Brücke bauen“
Vortrag zeigte einige neue Perspektiven für wiederverheiratete Geschiedene auf
Bad Bodendorf. Bei einem Vortrag in Bad Bodendorf hat das Autoren-Ehepaar Heidi und Thomas Ruster das Dilemma der wiederverheirateten Geschiedenen in der katholischen Lehre thematisiert und eine mögliche Lösung aufgezeigt. Dass das Vortragsthema „Unauflöslichkeit der Ehe - ein unauflöslicher Widerspruch?“ viele Menschen bewegt, zeigte die Tatsache, dass der Saal der Pfarrei St. Sebastian brechend voll war: Rund 30 Interessierte waren gekommen, um den Vortrag des Theologie-Professors und der Eheberaterin zu hören und darüber zu diskutieren.
„Wir wollen um ein neues Verständnis der Kirche von Ehe werben und ihr im Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen eine goldene Brücke bauen“, sagte Thomas Ruster. Der Vortrag, mit dem die beiden durch ganz Deutschland unterwegs seien, basiere auf ihrem 2013 erschienenen Buch mit dem Titel „...bis dass der Tod euch scheidet?“. Darin hätten sie versucht, sich des Problems aus ihren unterschiedlichen beruflichen Blickwinkeln zu nähern und einen theologisch begründbaren Lösungsvorschlag zu finden. Für viele katholische Christen sei der Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen ein großes Problem, da sie nicht an der Kommunion teilnehmen dürfen und sozusagen immer wieder Ehebruch begehen. Das erfahre sie auch immer wieder in den Eheberatungsgesprächen, erklärte Heidi Ruster. „Dabei muss die Kirche wahrnehmen, dass es veränderte Beziehungswirklichkeiten in unserer Gesellschaft gibt - Patchworkfamilien beispielsweise, die Großartiges leisten.“
Von der Lehre, dass die erste Ehe nur durch den Tod geschieden wird, könne die Kirche nicht abrücken, erklärte Thomas Ruster. „Viele Menschen denken ja, dass sich nur einige Kardinäle in Rom querstellen, aber die Kirche hat da ein ganz großes Problem. Die Aussagen zur Ehe gehen nämlich auf Jesus selbst zurück und sind damit für die Kirche göttliches Recht.“ Die Ehe als ein Vertrag zwischen zwei Menschen, den Gott sogar zum Sakrament erhebt, habe jahrhundertelang in einer patriarchischen Gesellschaft viel Sinn gemacht - sie habe sogar die Frauen in rechtlicher Hinsicht emanzipiert, da sie aus freiem Willen geschehen sollte und den Frauen vertraglich Schutz bot.“ Doch bereits zu allen Zeiten sei eine drängende Frage gewesen, ob nach dem Scheitern einer Ehe nicht eine neue Beziehung eingegangen werden dürfe.
„Unsere These ist nun, dass die erste Ehe gar nicht aufgelöst werden muss. Das Sakrament kann nur einmal gespendet werden, aber das Eheband besteht ja auch weiter - egal, ob es gemeinsame Kinder gibt oder ob die beiden Partner einfach nur ein Stück Lebensweg miteinander gegangen ist“, so Heidi Ruster. Bei künftigen Eheschließungen könnte die Kirche aber ihre Lehre so verändern, dass nicht automatisch bei Zustimmung der Partner das Sakrament gespendet werde, sondern sich die Partner bewusst dafür entscheiden müssten. Eine Ehe mit nicht-sakramentalem Charakter könne beispielsweise nach einem anderen Segensritus stattfinden. Ruster sagte abschließend: „Das wird sich nicht heute oder morgen ändern, aber wir zeigen damit einen neuen Weg. Für die Betroffenen und auch die Priester wäre ein so verändertes Kirchenrecht eine große Erleichterung.“
