Kreistag Neuwied tagte - Bildung stand auf der Tagesordnung
Der Trend geht zur Gesamtschule
Frühkindliche Förderung ist im Kreis auf gutem Weg - Schulentwicklungsprogramm wurde beraten
Kreis Neuwied. Zukünftig wird es in den acht Verbandsgemeinden im Landkreis Neuwied an insgesamt 55 Kindertagesstätten-Standorten 4.315 Plätze geben. 4.260 davon sind der Aufnahme von Kindern bis zum Schuleintritt vorbehalten. Dies teilte der 1. Kreisbeigeordnete und zuständige Kreisjugendamtsdezernent Achim Hallerbach mit. In seiner jüngsten Sitzung hat der Kreisjugendhilfeausschuss des Landkreises Neuwied unter dem Vorsitz von Achim Hallerbach einstimmig die Fortschreibung des sog. Kita-Bedarfsplanes beraten und damit diese Planzahlen auf den Weg gebracht. Der Kreistag kam in Melsbach zusammen und verabschiedete die Planungen und Investitionsmaßnahmen nach Aussprache einstimmig. Schwerpunkt des Zahlenwerks ist auch in diesem Jahr der weitergehende Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren. Ihre Zahl wird bald auf 1.030 Plätze für Kinder der Altersgruppe „U3“ - so der Arbeitstitel - anwachsen. Noch müssen derzeit laufende Baumaßnahmen zum Abschluss gebracht werden, um dieses Ziel endgültig zu erreichen. „Schließlich können dann rund ein Viertel aller Plätze kreisweit Kindern unter drei Jahren angeboten werden. Das entspricht einem Zuwachs von 129 Plätzen gegenüber der Vorjahres-Planung mit 901 Plätzen für Kinder der Altersgruppe unter drei Jahren“, unterstreicht Hallerbach. Notwendig ist an einzelnen Kitas aber auch, das Platzangebot für Kinder ab dem 3. Geburtstag - zumindest vorübergehend - auszuweiten. Zusätzliche Gruppen sollen daher u.a. in St. Katharinen, Unkel und Straßenhaus „ans Netz“ gehen. „Ich bin sehr dankbar, dass beim Kita-Ausbau alle Verantwortlichen, angefangen bei den Kita-Leitungen und Teams, über die Ortsbürgermeister und Trägervertreter bis hin zu den Fachberatungen sehr engagiert mitgearbeitet und sich eingesetzt haben“, brachte Achim Hallerbach in der Sitzung zum Ausdruck. Und die Bilanz kann sich sehen lassen: Schon heute können kreisweit fast 40 Prozent aller Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz in einer Kindertagesstätte bekommen - und das weitgehend wohnortnah. Genau so, wie es schon bei dem „Zugangsverhalten“ zu den Kitas bei den Dreijährigen teils große regionale Unterschiede gab, setzt sich das zur Zeit noch für die unter Dreijährigen fort. In der Verbandsgemeinde Puderbach scheint das Angebot eines U3-Platzes für jedes dritte Kind ausreichend zu sein - genauso in Dierdorf. Je näher die Gemeinden allerdings im „Dunstkreis“ der größeren Städte in NRW oder dem „Speckgürtel“ entlang der A3 liegen - also z.B. im Asbacher und Unkeler Raum - umso größer scheint auch die Nachfrage nach Kita-Plätzen für Kinder unter drei Jahren zu werden. Und in Waldbreitbach kann sogar statistisch gesehen schon jedes zweite Kind einen sog. U3-Platz belegen.
Frühkindliche Förderung ist gewährleistet
Auch der seit August bestehende Rechtsanspruch der Einjährigen auf frühkindliche Förderung in einer Kindertageseinrichtung oder in Kindertagespflege nahm in der Sitzung einen breiten Raum ein. „In vielen Monaten, vielen Gesprächen mit Kita-Trägern, Leitungen, Teams, Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern wurde darauf hingearbeitet und seit August gibt es ihn - den sogenannten U2-Rechtsanspruch und wir sind im Kreisgebiet auch hier gut aufgestellt“, so Hallerbach. Einen besonderen Dank spricht Hallerbach den Trägern und insbesondere den Kommunen für die Investitionskostenübernahme aus. „Hier werden erhebliche Lasten geschultert, die teils langjährige Verpflichtungen darstellen. Und ohne die umfangreichen Bundesmittel wäre der heutige Ausbaustand nicht erreicht worden“, ist sich Hallerbach sicher. Insofern hofft der Landkreis, dass auch das Land in die künftigen Finanzverpflichtungen einsteigt. „Ursprünglich wurde auf dem Krippengipfel eine Drittelfinanzierung von Bund, Länder und Kommunen diskutiert. Überwiegend wurde es jedoch vom Bund und den Kommunen getragen.“ „Im Moment gehen wir davon aus, dass die Aufgaben gemacht sind und alle anspruchsberechtigten Kinder den ihnen zustehenden Platz auch zeitnah bekommen können. Verzögerungen kann es lediglich einmal geben, wenn die Eingewöhnungsphasen länger dauern, als erwartet. Wartelisten im eigentlichen Sinne gibt es aber nach unserer Kenntnis nur dort, wo Eltern auf einen freien Platz in einer Kita ihrer Wahl warten“, bringt Hallerbach die Einschätzung zur Bedarfssituation auf den Punkt. In der Aussprache mahnte Helmut Hellwig von den Grünen an, dass es im Kreis Neuwied auch noch Gemeinden gibt, die unter dem Durchschnitt liegen. Er forderte mehr Ganztagsplätze und mahnte die weitere Ausbildung des Personals an, denn die Kitas entwickeln sich nach seiner Meinung in Richtung „Familienhilfe-Zentrum“. Dem FWG-Mann Ulrich Neitzert fehlt in dem Bericht der Blick auf die Betreuerinnen. „Was fehlt ist die Wertschätzung und eine angemessene finanzielle Entlohnung des Kindergartenpersonals. Die Kinderbetreuung muss weiter verbessert werden, um die Karrierewünsche der Frauen zu ermöglichen“, tat Ulrich Neitzert kund.
Schulentwicklungsplan
Der letzte Schulentwicklungsplan für den Landkreis Neuwied wurde in 2008 verabschiedet. Dieser Plan wurde jetzt unter Einbeziehung des Institutes Bildung und Region Bonn (biregio) fortgeschrieben. Das Institut lieferte Eckdaten zu Geburten, Einschulungszahlen und Zahlen zu Übergängen in weiterführende und berufsbildende Schulen. Das Institut prognostizierte stabile Schülerzahlen bei den Gymnasien, abnehmende Zahlen bei den Realschulen und einen verstärkten Trend Richtung Gesamtschule. Bei den Förderschulen sahen die Fachleute ebenfalls einen Rückgang, der durch die Inklusion spürbar verstärkt wird. Eine weitere Empfehlung war, „dass im Hilblick auf zu erwartende Bestrebungen in Richtung Gesamtschule und mit Blick auf den negativen Pendlersaldo weitere Gesamtschulen im überregionlaen Konsens geplant werden sollten“. An dem Punkt Gesamtschule gab es in der Vergangenheit heiße Diskussionen und sehr konträre Meinungen. Insgesamt fanden zu dem Thema Schulentwicklung sieben Sitzungen des Schulträgerausschusses und fünf Sitzungen des gebildeten Arbeitskreises statt. In der Aussprache schlug Elisabeth Bröskamp vor, die nach ihren Worten schon vor zwei Jahren den Antrag auf Einrichtung einer weiteren IGS gestellt hatte, die Eltern zu diesem Punkt zu befragen. „Die Eltern wurden im Ausschuss außen vor gelassen“, bemängelte die Landtagsabgeordnete. Der Kreistag beschloss letztlich einstimmig, die Verwaltung zu beauftragen mit dem Bildungsministerium in Mainz und der ADD Trier Gespräche zu führen mit dem Ziel, unter intensiver Beteiligung des Schulträgerausschusses und der Schulen praktikable, zukunftsorientierte und demografiefeste Vorschläge zur Weiterentwicklung des Schulsystems im Landkreis Neuwied zu erarbeiten. Alle Realschule Plus-Standorte sollen erhalten bleiben. Bei den berufsbildenden Schulen sieht der Kreistag zur Zeit keinen akuten Handlungsbedarf zur Fusion. Die drei Berufsschulen sollen zunächst selbst ein zukunftsorientiertes Konzept erarbeiten. Bei den Förderschulen sollen zunächst die von Land in Erarbeitung befindlichen Leitlinien der Umsetzung der Inklusion abgewartet werden. Bei dem strittigsten Punkt, der Integrierten Gesamtschule, gab es einen Minimalkonsens. Die Verwaltung wurde beauftragt die Möglichkeiten zur Errichtung von einer oder mehreren weiteren Integrierten Gesamtschulen in der Region zu eruieren. Die Standortsuche soll ergebnisoffen unter Einbeziehung des Instituts biregio, der ADD und des Bildungsministeriums folgen.
