Bedarf an Deponieraum für mineralische Abfälle steigt
Heimische Bauwirtschaft entlasten
Kreis NR. Weiteren Bedarf an Deponieraum für mineralische Abfälle sieht mittelfristig der erste Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach: „Verwertung darf kein Selbstzweck sein. Es müssen sowohl die Ökologie als auch die Ökonomie betrachtet werden. Wenn beispielsweise kein ortsnaher Markt für Bodenaushub vorhanden ist, kann die Ablagerung sinnvoller sein als weite Transporte, die wertvolle Ressourcen verbrauchen und klimaschädliche Gase freisetzen.“
Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie haben mitgeteilt, dass von der deutschen Bauwirtschaft im Auftrag der Bauherren jährlich über 190 Millionen Tonnen mineralischer Abfälle zur Wiederverwendung aufbereitet, transportiert, wiederverwertet oder entsorgt werden. Zwar wurden 2012 schon mehr als 91 Prozent der mineralischen Bauabfälle wiederverwertet, dennoch erwartet die Bauwirtschaft für die Zukunft größere Belastungen durch die Entsorgung von mineralischen Abfällen. Zurückgehende Verfüllungskapazitäten in Steinbrüchen und Abgrabungen, aber auch steigende gesetzliche Anforderungen an die Schadstoffeinstufung verteuern zunehmend private und öffentliche Baumaßnahmen.
Eine Umfrage unter Mitgliedsunternehmen hat aufgezeigt, dass sich der finanzielle und bürokratische Aufwand beim Umgang mit mineralischen Abfällen in den letzten Jahren besorgniserregend erhöht hat. Bei knapp 70 Prozent der befragten Unternehmen hat der betriebliche Aufwand für das Abfallmanagement seit 2009 zugenommen, und zwar im Mittel um circa 70 Prozent.
Der erste Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach, gleichzeitig Dezernent für die Umwelt und Abfallwirtschaft, möchte die heimische Bauwirtschaft unterstützen und befürwortet daher die Schaffung neuer Ablagerungsmöglichkeiten. "Selbstverständlich gehen Abfallvermeidung und Abfallverwertung vor Abfallbeseitigung“, betont Hallerbach: „Dabei belegt die bisher erreichte Verwertungsquote von über 90 Prozent den verantwortungsvollen Umgang der Bauwirtschaft mit den von ihr erzeugten Abfällen.“ Hallerbach hat dabei auch die zusätzliche finanzielle Belastung im Blick, die private und öffentliche Bauherren bei längeren Transportwegen und knappen Entsorgungskapazitäten zu tragen haben. „Der Zustand unserer Infrastruktur ist in Folge knapper Mittel schon heute teils in besorgniserregendem Zustand. Wir sollten nicht zulassen, dass sich die Sanierung von maroden Straßen und Brücken unnötig verteuert, und auch der Bau privaten Wohnraums muss bezahlbar bleiben“, gibt er zu bedenken.
Im Landkreis Neuwied besteht nach der Verfüllung des ehemaligen Tontagebaus in Oberdreis und mit den nur noch begrenzten Verwertungsmöglichkeiten auf den beiden Deponien in Fernthal und Linkenbach ein Mangel an Entsorgungsmöglichkeiten - insbesondere für Bodenaushub. Denn bis zur Deponie Eiterköpfe bei Ochtendung beträgt die Transportentfernung aus dem Kreis Neuwied teils mehr als 60 Kilometer. Hallerbach sieht daher in der Forderung der Bauwirtschaft nach zügiger Genehmigung geplanter Deponiekapazitäten ein durchaus berechtigtes Anliegen. Eine Verwertungsmöglichkeit für Bodenaushub im Landkreis Neuwied hält er durchaus für denkbar. „Eine enge Kooperation mit der Bauwirtschaft müsste die Grundlage sein“, betont er.
Einen bereits ausgebauten, aber erst zur späteren Verfüllung vorgesehen Deponieabschnitt in Linkenbach sieht Achim Hallerbach nicht als Alternative: „Wir wollen auf jeden Fall vermeiden, dass es zu einem akuten Entsorgungs-notstand kommt, der die vorzeitige Wiederinbetriebnahme der Deponie Linkenbach erfordern könnte. Der hier für die Ablagerung des vorbehandelten Restmülls vorgesehene und bereits entsprechend ausgebaute Deponieraum wäre dazu viel zu wertvoll und wohl auch zu teuer.“
Pressemitteilung
Pressestelle Kreis Neuwied
