Windenergie Kulturlandschaft
Innovative Windenergiekonzepte rund um Schloss Arenfels im Unteren Mittelrheintal prüfen
Unteres Mittelrheintal. September 2026 – Der Regionalverband Unteres Mittelrheintal von Stadtbild Deutschland e. V. begrüßt grundsätzlich den Ausbau erneuerbarer Energien. Gleichzeitig warnt der Verband davor, bei der Energiewende die besondere historische Kulturlandschaft des Mittelrheintals aus dem Blick zu verlieren.
Aktuelle Planungen für Windenergieanlagen im Wald oberhalb von Bad Hönningen werfen aus Sicht des Regionalverbandes insbesondere mit Blick auf Schloss Arenfels Fragen auf. Das Schloss gehört zu den prägenden Kulturdenkmälern des Rheintals und bestimmt mit seiner neugotischen Architektur, seiner Lage in den Weinbergen und seiner Einbettung in die Landschaft wesentlich das Erscheinungsbild Bad Hönningens. Die Stadt selbst bezeichnet Schloss Arenfels als ihr bedeutendstes Wahrzeichen.
Die Stadt Bad Hönningen hat in ihren Informationen zur Windenergie bereits auf die besondere Bedeutung des Denkmalschutzes hingewiesen. Schloss Arenfels wird dabei ausdrücklich als eines der Denkmäler genannt, deren Sichtbarkeit in einem Radius von zehn Kilometern nicht beeinträchtigt werden soll. Zur Beurteilung sind umfangreiche Visualisierungen von relevanten Aussichtspunkten vorgesehen.
„Die Frage darf deshalb nicht allein lauten, ob ein Windrad technisch und wirtschaftlich an einem Standort möglich ist. Wir müssen ebenso fragen, ob es mit der historischen Kulturlandschaft vereinbar ist“, erklärt der Regionalverband Unteres Mittelrheintal von Stadtbild Deutschland.
Gerade im Rheintal besitzen Sichtbeziehungen eine besondere Bedeutung. Burgen und Schlösser stehen nicht isoliert in der Landschaft, sondern sind Teil eines über Jahrhunderte gewachsenen Zusammenspiels aus Rhein, Weinbergen, Wäldern, Siedlungen und historischen Bauwerken. Schloss Arenfels ist hierfür ein besonders prägnantes Beispiel. Auch der Rheinsteig führt unmittelbar am Schloss vorbei und verbindet es mit den landschaftlichen und kulturellen Besonderheiten des Rheintals.
Alternative Technologien mitdenken
Der Regionalverband regt deshalb an, bei der weiteren Planung nicht ausschließlich auf die heute üblichen Windkraftanlagen mit hohen Türmen und großen Fundamenten zu setzen.
Eine mögliche Perspektive könnten langfristig sogenannte Airborne-Wind-Energy-Systeme sein – also Windenergieanlagen, bei denen die Energiegewinnung in größerer Höhe erfolgt und die technische Anlage nicht dauerhaft als großer Turm in der Landschaft steht. Denkbar wären beispielsweise schwebende oder über ein Halteseil gesicherte Systeme.
Der Verband versteht dies ausdrücklich nicht als Forderung, unmittelbar eine bestimmte Technologie einzusetzen. Vielmehr müsse untersucht werden, ob innovative Formen der Windenergienutzung künftig dazu beitragen können, erneuerbare Energie zu erzeugen und gleichzeitig besonders empfindliche Landschafts- und Denkmalsituationen zu schonen.
„Wir wollen keine Verhinderungspolitik betreiben. Wir wollen eine bessere Energiewende. Wenn eine historische Sichtbeziehung durch eine klassische Windenergieanlage erheblich beeinträchtigt wird, sollte die Planung nicht bei einem einfachen Ja oder Nein stehen bleiben. Dann müssen auch technische Alternativen geprüft werden“, so der Regionalverband.
Energiewende und Denkmalschutz sind kein Gegensatz
Nach Auffassung des Regionalverbandes darf der Schutz des Landschaftsbildes nicht als Argument gegen die Energiewende missverstanden werden. Gerade eine historische Kulturlandschaft wie das Mittelrheintal müsse jedoch mit besonderer Sorgfalt behandelt werden.
Der Verband fordert daher:
- eine transparente Visualisierung der geplanten Windenergieanlagen aus relevanten Sichtpunkten,
- eine besondere Untersuchung der Auswirkungen auf Schloss Arenfels und seine historische Umgebung,
- die Berücksichtigung wichtiger Sichtachsen im Rheintal,
- eine ernsthafte Prüfung alternativer Standorte,
- und perspektivisch die Untersuchung innovativer Windenergietechnologien für besonders sensible Landschaftsräume.
„Das Mittelrheintal ist kein Museum. Es muss sich weiterentwickeln und seinen Beitrag zur Energiewende leisten. Aber seine historische Identität darf dabei nicht leichtfertig aufgegeben werden. Die Herausforderung besteht darin, beides zusammenzubringen.“
Der Regionalverband Unteres Mittelrheintal von Stadtbild Deutschland e. V. spricht sich daher für einen offenen Dialog zwischen Kommunen, Projektentwicklern, Denkmalpflege, Naturschutz, Wissenschaft und Bürgerschaft aus.
Ziel müsse eine Energiepolitik sein, die nicht zwischen Klimaschutz und Denkmalschutz wählen muss, sondern technische Innovation nutzt, um beides miteinander zu verbinden.
Pressemitteilung Regionalverband Unteres Mittelrheintal
Stadtbild Deutschland e. V.
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Schwebende Windkraftturbine über dem Hönninger Stadtwald. Die Darstellung ist eine konzeptionelle Visualisierung und keine maßstabsgetreue Simulation. Foto: Thomas Napp/Ki