Elisabeth Bröskamp (MdL) fragte bei der Landesregierung zu Depressionen bei Kindergartenkindern im Kreis Neuwied nach
Rechtzeitige Früherkennung ist wichtig
Neuwied. Laut einer Studie der Universität Leipzig weisen immer mehr Kindergartenkinder Angst- und Depressionssymptome auf und sind ohne fachliche Hilfe dem erhöhten Risiko ausgesetzt, im späteren Erwachsenenalter eine Depression zu entwickeln. Bei zwölf Prozent der 1740 einbezogenen Kinder wurden Symptome festgestellt.
Vor allem sind Kinder von Angststörungen und Depressionen betroffen, deren Eltern selbst unter einer Depression leiden. Eine rechtzeitige Früherkennung ist wichtig, da allein in Deutschland die Kosten infolge von depressionsbedingter Frühberentungen bei etwa 1,5 Milliarden Euro jährlich liegen. Erwachsene depressive Menschen berichten häufig, dass ihre Krankheit schon im Kindesalter begann.
Vor diesem Hintergrund fragte Elisabeth Bröskamp die Landesregierung: 1. Wie hoch ist die Anzahl der Kindergartenkinder mit Depressionen in Stadt und Kreis Neuwied? 2. Wie hoch ist die Anzahl der Kinder insgesamt mit Depressionen in Stadt und Kreis Neuwied? 3. Welche Maßnahmen gibt es zur Früherkennung von Depressionen von Kindergartenkindern in Stadt und Kreis Neuwied? 4. Welche präventiven Maßnahmen gegen Depressionen im Kindesalter werden in Stadt und Kreis Neuwied gefördert und umgesetzt? 5. Wenn ja, in welcher Höhe und für welchen Zeitraum werden diese Maßnahmen gegen Depressionen im Kindesalter in Stadt und Kreis Neuwied gefördert?
Keine Info über den Wohnort
Die Antworten der Landesregierung zu den Fragen eins und zwei: Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz stellt sich die Anzahl der Kinder aus dem Kreis Neuwied mit einer gesicherten Diagnose aus dem ICD-Spektrum F32-F33 (depressive Episode/rezidivierende depressive Störung) wie folgt dar: Kinder drei bis sechs Jahre, Behandlungsjahr 2011 sechs, Behandlungsjahr 2014 vier, Kinder drei bis elf Jahre, 38 im Behandlungsjahr 2011, 32 im Behandlungsjahr 2014 (Kind im Sinne der Gebührenordnung EBM bis elf Jahre), Kinder drei bis 13 Jahre, 71 im Behandlungsjahr 2011, 68 im Behandlungsjahr 2014 (Kind im Sinne des BGB bis 13 Jahre). Die Quelle ist die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz.
Jeder Patient wird pro Behandlungsjahr nur einmal mit dem höchsten Alter im Jahr gezählt - unabhängig von der Zahl der Ärzte und Diagnosen. Aus datenschutzrechtlichen Gründen ist in den zugrunde liegenden Diagnose- und Verordnungsdaten keine Information über den Wohnort der Patienten enthalten.
Antworten des Ministeriums zu den Fragen drei, vier und fünf: Bereits im Jahr 2001 lud die Kreisverwaltung Neuwied Dienste und Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu einem Informationsgespräch ein, um über die Versorgungssituation sowie Versorgungsdefizite zu sprechen. Als ein Ergebnis wurde der Arbeitskreis Kinder- und Jugendpsychiatrie gegründet, der seitdem regelmäßig unter der Geschäftsführung der Kreisverwaltung tagt.
Im Arbeitskreis sind neben der Stadt- und Kreisverwaltung ambulante und (teil)stationäre Angebote und Dienste aus dem Landkreis Neuwied vertreten. Hierzu zählen auch die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte (KJPP). Als weitere Maßnahme wurden die Neuwieder Gesundheitskonferenzen zum Thema Kinder- und Jugendpsychiatrie initiiert. Die dritte Gesundheitskonferenz zu diesem Thema beschäftigte sich explizit mit depressiven Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen.
Depressive Symptome im Vorschulalter zeigen sich oft in maskierter Form, zum Beispiel Kopf-und Bauchschmerzen, Einnässen, Einkoten, Schlaf- oder Fütterstörungen, vermehrtes Schreien oder apathisches Verhalten. Ziel im Bereich der depressiven Erkrankungen ist immer frühzeitiges Erkennen auch der internalisierenden Störung, kurzfristige Vorstellung beim Kinderarzt, KJPP (ambulant oder stationär), sozialpädagogische Zentren sowie frühzeitige Hilfen.
Elf neue Bündnisse
Im Mai 2009 hat das Ministerium für Soziales, Arbeit und Demografie bei der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz (LZG) die Initiative „Bündnisse gegen Depression“ in Auftrag gegeben. In diesem Rahmen wurden bis heute elf neue, landkreisübergreifende Bündnisse gegründet. Zu den Mitgliedern des Bündnisses gegen Depression Rhein-Ahr-Wied zählen neben erwachsenenpsychiatrischen Einrichtungen auch das Johanniter-Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Neuwied, vertreten durch Dr. Brigitte Politt, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, sowie die DRK-Fachklinik Bad Neuenahr für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie/Psychosomatik. Beide Institutionen sind bei den vierteljährlich stattfindenden Sitzungen des Bündnisses gegen Depression Rhein-Ahr-Wied regelmäßig vertreten.
Mit Unterstützung des Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie hat die Initiative die LZG-Publikationsreihe „Elterninfo“ im Jahr 2012 unter anderem um die Elterninfo 21 („kinderdepression“) ergänzt. Das Informationsblatt geht darauf ein, wie die unterschiedlichen Symptome einer depressiven Erkrankung bei Kindern erkannt werden können und gibt Auskunft über Beratungs- und Behandlungsstellen.
Zur Bekanntmachung der Elterninfo „kinderdepression“ wurde ein breiter Adressatenkreis angeschrieben. Neben den Mitgliedern der regionalen Bündnisse gegen Depression und den rheinland-pfälzischen Psychiatriekoordinatoren erhielten alle Kinderärzte, alle Schulen und psychiatrischen Kliniken in Rheinland-Pfalz Ansichtsexemplare beider Elterninfos.
Pressemitteilung
Elisabeth Bröskamp (MdL)
