Politik | 11.01.2016

FDP Kreisverband geht zuversichtlich in das wichtige "Jahr der Landtagswahlen"

Weniger Staat im täglichen Leben

Sven Störmer, Kreisvorsitzender Alexander Buda und die Referenten des FDP Neujahrsempfangs. FF

Neuwied. Zum Neujahrsempfang hatte der FDP Kreisverband in den Amalie-Raiffeisen-Saal der VHS eingeladen. „Wir wollen im Frühjahr in alle drei Landtage einziehen“, zeigte sich Sven Störmer kämpferisch. Links- und Rechtsaußen sagte der Direktkandidat für den WK 4 Neuwied/Dierdorf den Kampf an. Mit den Extremen seien die aktuellen Herausforderungen, vielleicht die größten der letzten Jahrzehnte, nicht zu bewältigen.

Drei Monate vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz wurden dieses Mal keine Wahlversprechen abgegeben. Vielleicht eine Lehre aus der Koalition mit der CDU, in der das große Versprechen „Mehr Netto vom Brutto“ nicht umgesetzt wurde und die Partei in der darauf folgenden Bundestagswahl vom Wähler in die Bedeutungslosigkeit geschickt wurde.

Heute fordert die FDP weniger Staat im täglichen Leben - vor allem aber den Schutz des Eigentums. „Wir stehen für die Freiheit und Freiheit bedeutet gleichzeitig Eigentum“, sagte Sven Störmer, und weiter: „Wir tragen weder die Telefondatenvorratsspeicherung, die Erbschaftssteuer oder andere linke Enteignungsphantasien mit“. Zunächst aber müsste man aber wieder in den Landtag kommen. In diesem Zusammenhang dankte er den Parteimitgliedern für das fleißige Unterschriftensammeln. Nur auf diese Weise konnte erreicht werden, dass die FDP in allen Wahlkreisen Direktkandidaten aufstellen kann.

„Eigentum schützen“ als Thema des Abends

Zum Thema des Abends hatte die Partei Heribert Metternich (Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz), Dr. Karl Tack (Inhaber Rhodius und Mitglied des Bundesverbands der Familienunternehmer) sowie Ulrich Schreiber (Vorsitzender des Kreisbauern- und Winzerverbands Neuwied) eingeladen. Alle drei brachten praktische Beispiele zum Thema „Enteignung“ zur Sprache und warnten vor den negativen Folgen für die Gesellschaft. „Das ist eine der gefährlichsten Vorgänge. Wo Eigentum abgeschafft wird, geht die Freiheit verloren“, erinnerte Heribert Metternich und verwies darauf, dass vor allem instabile Länder Probleme mit der Eigentumsstruktur hätten.

Der Vertreter von 84 Prozent der Fläche von Rheinland-Pfalz bedauerte, dass die Politik die Bedeutung seines Berufsstands unterschätzt. Tagtäglich werde das Eigentum in Frage gestellt, vor allem für die Sozialbindung. Die sei ins Grundgesetzt geschrieben worden, um den Wiederaufbau nach dem Krieg zu schaffen. Es bedurfte Land für Straßen oder für Militärbasen der Schutzmächte. Heute würden findige Juristen die Sozialbindung für ganz andere Gesetze nutzen. Die Verfügungsbeschränkungen landwirtschaftlicher Flächen seien nichts anderes als eine kalte Enteignung. Weiter zählte Heribert Metternich die Wasserschutzverordnung, das Grünlandumnutzungsverbot, die Gülleverordnung oder das Beseitigungsverbot auf. „Die Einschränkung unternehmerischen Handelns und das Misstrauen der Politik in die Eigenverantwortung der bäuerlichen Familien gefährdet die Zukunft der Betriebe“, kritisierte er.

Der Bürgermeister wetterte auch gegen die Erhöhung der Grunderwerbssteuer, die immer mehr zu Kapitalertragssteuer wird, und die vom Land geforderte Erhöhung der Grundsteuer. „Die sozial deklarierte Umverteilung von Vermögen hat schon in der DDR nicht funktioniert. Statt dass alle gleich reich, wurden alle Menschen gleich arm“, so Heribert Metternich.

Wer glaubt, dass die Industrie weniger als die Landwirtschaft zu klagen hat, belehrte Dr. Karl Tack, Inhaber der Firma Rhodius Mineralwasser und Schleifscheiben in siebter Generation, eines Besseren. „Ich bin enttäuscht von der großen Koalition. Die freie Marktwirtschaft ist gefährdet“. Als erstes Beispiel nannte er den Mindestlohn. Wenn der Arbeitnehmer seinen Lohn nicht mehr erwirtschaften kann, sei der Arbeitsplatz in Gefahr. „Die zweite Giftpille ist die Rente mit 63 Jahren. Wie kann der Staat vor dem Hintergrund der Demografie mir diese Arbeitskräfte einfach wegrationalisieren?“, fragte Dr. Karl Tack. Fassungslos zeigte er sich über das Vorgehen der EZB. Der Ankauf von Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro/Monat führe zur Null Zins Politik. Für den Sparer komme das einer Enteignung gleich. Als Unternehmer müsse er deshalb die Rückstellungen für die Betriebsrenten erhöhen.

Weiter kritisierte Dr. Karl Tack die Erbschaftssteuer und die Mietpreisbremse. Die Frauenquote bezeichnete er als „völligen Irrsinn“. Als Unternehmer stelle man qualifizierte Leute ein - da spiele weder die Konfession noch das Geschlecht eine Rolle. Da mittlerweile mehr Frauen studieren und dabei in der Regel auch noch fleißiger als Männer seien, werde sich deren Anteil an Führungspositionen in Zukunft automatisch erhöhen. Über den „Fürsorgeanspruch“ des Staats, beispielsweise Lebensmittel mit einer Gesundheitsampel auszustatten, schüttelte der Unternehmer den Kopf.

Gemeinsam Poltik betreiben

Mit Ulrich Schreiber kam zum Abschluss noch einmal ein Landwirt zu Wort. Er ergänzte die Ausführungen von Heribert Metternich um weitere Beispiele und schlussfolgerte: „Nicht der Staat, sondern der Eigentümer weiß am besten mit seinem Eigentum umzugehen“. Bäuerliches Unternehmertum bedeute generationsübergreifendes Wirtschaften. Ohne die Landwirtschaft sieht er keine Zukunft für den ländlichen Raum. Ulrich Schreiber forderte die Regierung auf, mit den Landwirten Politik zu betreiben und nicht über deren Köpfe hinweg. Am Beispiel des Engerser Felds zeigte er den Erfolg auf. Wegen des Trinkwassers wollte die Politik die Bewirtschaftung der Felder verbieten. Die Bauern gingen auf die Barrikaden und hatten die Ornithologen auf ihrer Seite. Denn ohne die Felder wäre der Vogelbestand zurückgegangen. Man verständigte sich auf eine Landwirtschaft mit Auflagen. „Das zeigt, mit uns ist viel zu machen“, so Ulrich Schreiber.

Nur von Wölfen wollen die heimischen Landwirte nichts wissen. Die gehörten nach Sibirien oder Alaska. „Wir haben viel Nutztierhaltung in kleinen Koppeln, sollen wir die rund um die Uhr persönlich bewachen?“, fragte Ulrich Schreiber.

Rhodius Inhaber Dr. Karl Tack ist mit der Regierung unzufrieden.

Rhodius Inhaber Dr. Karl Tack ist mit der Regierung unzufrieden.

Zum Thema „Eigentum schützen“ referierten Ulrich Schreiber (v.l.), Dr. Karl Tack und Heribert Metternich.

Zum Thema „Eigentum schützen“ referierten Ulrich Schreiber (v.l.), Dr. Karl Tack und Heribert Metternich.

Sven Störmer, Kreisvorsitzender Alexander Buda und die Referenten des FDP Neujahrsempfangs. Fotos: FF

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • K. Schmidt: Die nächste Demo, gerade wenn sie sich an Familien richtet, sollte dann mal unter dem Motto stehen: "Fahrradhelme für alle!"

Kruft: Zwischen Dauerkritik und Tatendrang

  • Rolf Stern : Der Text wirkt weniger wie eine Einordnung, sondern eher wie der Versuch, berechtigte Kritik abzuwürgen. Gerade bei öffentlichen Geldern ist Nachfragen keine Dauerschleife, sondern demokratische Pflicht.
  • Andreas Lung: Liebe Frau Schumacher, Sie haben offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worum es geht.
  • Thomas Sebastian Napp: Ich kann der Gemeinde zu dieser Aktion nur gratulieren. Vor allem den Bauhofmitarbeitern muss ich hier ein Lob aussprecheb. Gleichzeitig kann ich es nicht verstehen, dass eine große Naturfläche auf dem...
Dauerauftrag
Daueranzeige
Kreishandwerkerschaft
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026
Anzeige KW 14
Dauerauftrag 2026
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Titelanzeige
Imageanzeige - Ostern
Empfohlene Artikel
Besuch der Leubsdorfer Schützen im Bundestag.
36

Leubsdorf. Auf Einladung der heimischen Bundestagsabgeordneten Ellen Demuth unternahm die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Leubsdorf eine viertägige politische Bildungsreise in die Bundeshauptstadt Berlin. Die Teilnehmer erhielten dabei spannende Einblicke in die Arbeit der Bundespolitik und besuchten zentrale Orte des politischen Geschehens.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel.  Foto:privat
5

Allgemeine Berichte

EIN-Spruch: Fest(e) der Befreiung

Vom 01.-09. April wird die jüdische Pessach Woche begangen, die nahezu zeitgleich zusammenfällt mit der von den Christen begangene Kar- und Osterwoche. Durch Jesus bedingt hängen beide Festtraditionen, auch inhaltlich, miteinander zusammen.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
145

Leserbrief zu „HeimatCheck: Bad Neuenahr: Zu viele unangeleinte Hunde im Stadtgebiet?“

Leserbrief: „Das ist keine Tierliebe, das ist Egoismus!“

Ich bin fast 75 Jahre alt. Seit meinem 17. Lebensjahr habe ich Hunde. Zwei dieser Hunde wurden von unangeleinten Hunden angefallen, und so schwer verletzt, dass sie nur durch hohe tierärztliche Kunst gerettet werden konnten. Beide hatten ihr Leben lang mit den Folgen zu kämpfen.

Weiterlesen

Andreas Bohn hat das Ehrenamt im Blut.  Foto: privat
19

Seit vielen Jahren engagiert sich Andreas mit Herzblut für seine Heimat.

HeimatHelden: Andreas Bohn ist die gute Seele von Reifferscheid

Reifferscheid. In jeder Gemeinde gibt es Menschen, die im Hintergrund wirken, anpacken, zuhören und einfach da sind, wenn man sie braucht. In der Gemeinde Reifferscheid ist so ein Mensch Andreas Bohn. Seit vielen Jahren engagiert sich Andreas mit Herzblut für seine Heimat. Als stellvertretender Ortsbürgermeister und langjähriges Mitglied im Gemeinderat hat er Verantwortung übernommen und die Entwicklung des Dorfes aktiv mitgestaltet.

Weiterlesen

Monatliche Anzeige
Rund um´s Haus
Dauerauftrag Imageanzeige
Alles rund ums Haus
Anzeige "Rund ums Haus"
Innovatives rund um Andernach
Hasenhoppeln & Heimatshoppen
fit für`s Alter?
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Kreishandwerkerschaft
Innovatives rund um Andernach
Stellenanzeige
PR-Anzeige
Ostergrußanzeige
Osteraktion
Stellenanzeige Personalreferent/in
Stellenanzeige
Stellenanzeige Kita