Sascha Korf gastierte mit seinem Programm in Waldbreitbach
„Wer zuletzt lacht, denkt zu langsam“
Waldbreitbach. „Das war ein toller Abend!“ - Da waren sich alle am Ende einig. Dabei hatte der Künstler Sascha Korf mit seinem Programm „Wer zuletzt lacht, denkt zu langsam“ selbst im Vorfeld keine Ahnung wie sich der Abend entwickeln würde, denn das Meiste war reinste und feinste Improvisation und das Publikum war maßgeblich am Verlauf der Veranstaltung beteiligt. Ganz begeistert von ihm war auch noch das Hotelier-Ehepaar Juliane und Jürgen Grünwald vom Waldbreitbacher Traditionshaus „Zur Post“, welche ihn wenige Tage zuvor noch einmal (nach der Verpflichtung in 2013) auf der Freiburger Kulturbörse erleben durften. „2013 gewann er die Freiburger Leiter, eine Auszeichnung, die von den Einkäufern aus ganz Deutschland vergeben wird“, so Jürgen Grünwald, der bereitwillig durchblicken ließ, dass es auch für die Saison 2014/15 wieder ein sehr ansprechendes Programm geben wird. Wenn sich alle dabei so wohlfühlen wie Sascha Korf, dann wird es allemal sehr lustig. Sein erster Eindruck - und dieser zählt bekanntlich - „Wahnsinn!“ - minutenlanger Applaus in gemütlicher Atmosphäre „was ganz anderes als in den großen Städten - auch die Betreuung seit meiner Ankunft, hier kriegste einen Grauburgunder nach dem anderen, da musst du ja hier schlafen“, so der Kölner. Zunächst einmal sortiert er das Publikum und begrüßt mit einem Spickzettel die erste Reihe persönlich „ganz schön mutig“ - er teilt den restlos ausverkauften Ritter-Saal in zwei Bereiche, ein Bereich, in dem gelacht wird, und ein Bereich, über den gelacht wird. „Ich bin seit elf Jahren alleinstehend, bei meinem letzten Sex gab es noch Deutsche Mark und das weiß ich auch nur, weil ich damit gezahlt habe“, zeigt er erste Vorstellversuche. „Ich bin in einem Alter, wo der Körper der Kleidung entgegen wächst“. Nach ausführlichen Erlebnissen über eine Kreuzfahrt mit der Aida - „die Rosamunde-Pilcher-Tour“ ruft er sich seinen ersten Gast aus dem Publikum auf die Bühne. Zufällig ein Lehrer, der unter dem Motto „Ich bin ein Lehrer, holt mich hier raus“ mit Korf eine Griechenland-Reise improvisiert. Als Nächstes fühlt der Protagonist des Abends sich berufen, ein Drehbuch für das Fernsehen zu schreiben „deutsches Fernsehen kannste nicht mehr gucken, ich vermute RTL hat ein Labor, wo Assis gezüchtet werden - ich verstehe `Frauentausch´ nicht, wenn der eigene Mann sie nicht will, warum soll sie jemand anderes wollen“. Vom Publikum aufgegriffene Wörter reihen die Geschichte zusammen und wird in verschiedenen Genres - von einer jungen Dame aus dem Publikum assistiert - improvisiert. „Bei Euch geht mir das Herz auf, das ist für mich der schönste Sonntag in dieser Woche“. Nach der Pause, in dem sowohl Korf ein Gedicht, als aber auch die Zuschauer kräftig weitere Begriffe für eine Improvisation geschrieben haben, steht Edeltraud vom Hagen im Mittelpunkt, ihr widmet der Künstler, der selbst an diesem Abend unheimlichen Spaß auf der Bühne hat, liebevoll gereimte Zeilen, was die Stammkundin bei den Kleinkunstveranstaltungen im Hotel „Zur Post“ gerne mit nach Hause nehmen darf. Korf ist ständig in Bewegung - er sammelt Weight-Watchers-Punkte und ernährt sich täglich ausschließlich von sechs Gläsern Wein und einer Gurke, darüber hinaus lebt er im Kalorien-Dispo. Bevor er weiter improvisiert, outet er sich als großer Fußballfan. „Wenn Ronaldo nach Athen wechselt, ist er mehr wert als das ganze Land!“ Weiter geht es mit den Zetteln des Publikums, die er in einem Gedicht in der Rolle von Dr. Martin Joch aus Linz zusammenfasst, das Publikum muss nun höllisch aufpassen, dass es sich nicht gänzlich kaputt lacht - es wird keine Rücksicht genommen. Spätestens, als in dem Arztgedicht auch noch der Zettel „An apple a day keeps the doctor away“ vorgelesen wird, ist für viele (inklusive Korf) scheinbar alles zu spät. Mit diesem Gedicht besteht Korf übrigens seine Zwischenprüfung, die er nachholt, da er auf der Schauspielschule damit durchgefallen ist. Zum Schluss macht er sich als Hubert Durst aus Köln (eine Person aus verschiedenen Publikumseigenschaften zusammengesetzt) auf die Suche nach dem Bernsteinzimmer in Waldbreitbach. Jörg Hühner aus Hausen begleitet ihn dabei und übernimmt scheinbar professionell sämtliche Geräusche und alle anderen Personen -ein toller Abschluss. Live ist Comedy immer besser, als das, was uns von RTL glaubhaft gemacht wird, was lustig ist - da waren sich zum Ende alle einig. Und mit der Zugabe „Seht nun, wie ein Sascha an die Bar läuft, um Wodka zu trinken“, wobei auch hier die Worte aus dem Publikum stammten, wurde ein toller Abend beendet.
