Landrat Dr. Jürgen Pföhler und Bürgermeister Achim Juchem nahmen Liste entgegen
1111 Unterschriften gegen geplanten Güllesee
Kreisverwaltung will Gegenargumente in kommende Entscheidungen einbeziehen
Gelsdorf. Es war eine Schnapszahl, doch niemandem war nach Feiern zumute: Etwa 50 Mitglieder der „Bürgerinitiative gegen industrielles Güllelager und Massentierhaltung in Wohnortnähe“ um ihren Vorsitzenden Reinhold Hermann überreichten jetzt im Foyer der Kreisverwaltung eine Liste mit genau 1111 Unterschriften an Landrat Dr. Jürgen Pföhler. Damit protestieren sie gegen den geplanten Bau eines fünf Millionen Liter fassenden Güllelagers in der Gemarkung des Grafschafter Ortsteils Gelsdorf. Nicht nur die befürchtete Geruchsbelästigung bringe sie zu diesem Schritt, sondern viel mehr eine angenommene Gesundheitsgefährdung durch die Inhaltsstoffe der dort zur Lagerung bestimmten tierischen Hinterlassenschaften. Vor allem sorgt sich die Initiative wegen der in der Massentierhaltung eingesetzten Medikamente. Insbesondere Antibiotika würden dort in großem Stil eingesetzt, 70 Prozent wird von den Tieren wieder ausgeschieden und landet dann in der Gülle, erklärte Hermann. In der offenen Grube sehe er zudem einen Widerspruch zur Gülleverordnung, die besage, dass Gülle innerhalb von vier Stunden versickert sein müsse.
Informationsgespräch mit Bürgerinitiative
Landrat Dr. Jürgen Pföhler nahm in Anwesenheit des Grafschafter Bürgermeisters Achim Juchem die Unterschriften entgegen, machte jedoch zugleich deutlich, die Kreisverwaltung Ahrweiler könne derzeit noch keine Aussage darüber machen, ob die beantragte Errichtung eines Erdbeckens zur Güllelagerung in Gelsdorf baurechtlich zulässig sei.
Landrat, Bürgermeister und die Mitarbeiter des Bauamts der Kreisverwaltung führten ein Informationsgespräch mit der Bürgerinitiative und sagten zu, deren vorgebrachte Argumente sorgfältig zu prüfen und in den Entscheidungsprozess des laufenden Genehmigungsverfahrens einfließen zu lassen. Zum Stand des Antragsverfahrens erklärt Pföhler, der Landwirt Theo Münch habe den Bauantrag eingereicht. Neben der Gemeinde Grafschaft seien mittlerweile mehrere externe Fachstellen eingeschaltet, um die Sache zu beurteilen.
Dazu zählten die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz und die Gewerbeaufsicht der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Koblenz. Deren Stellungnahmen lägen noch nicht vollständig vor. Die Belange des Gesundheits-, Umwelt- und Immissionsschutzes seien jedenfalls zu berücksichtigen. Der geplante Standort der Anlage ist nahe der Autobahn 61 zwischen den Grafschafter Ortschaften Gelsdorf und Vettelhoven.
