Allgemeine Berichte | 29.08.2013

37. Isetta Club Jahrestreffen in Mayschoß

140 Knutschkugeln in Ahrweiler

Rund um den Ahrweiler Marktbrunnen verteilten sich die 162 Fahrzeuge. BÜN

Mayschoß/Ahrweiler. So einen Anblick hat der Ahrweiler Marktplatz wohl noch nie geboten. Kurz nach 12 Uhr ging es am Samstag los, dann fuhr eine BMW Isetta nach der anderen vom Ahrtor kommend auf dem Marktplatz ein, bestaunt und fotografiert von unzähligen Zuschauern, Fahrzeugbegeisterten und echten Isetta-Fans. 140 Isetten waren es schließlich, die sich auf dem Marktplatz „knubbelten“, dazu 22 BMW 600 und 700, die technisch teilweise auf der Isetta basieren. Insgesamt 320 Teilnehmer hatte der 1977 gegründete Isetta Club mit Sitz im Marsberg (Hochsauerlandkreis) zum 37. Jahrestreffen - erstmals im Ahrtal - nach Mayschoß und Ahrweiler mitgebracht. Da hatte der Club-Schatzmeister und Mitorganisator Ernst Jesper alle Hände voll zu tun, um als Chefeinweiser die vielen im Volksmund auch „Knutschkugeln“ genannten Isetten an die richtigen Plätze zu bringen. Nachmittags mussten Jesper und sein Ordnerteam das „ganze Spiel“ dann noch einmal bewältigen, denn dann stand um 15 Uhr die Präsentation am eigentlichen Veranstaltungsort Mayschoß an. Auf dem großen Parkplatz neben dem Bahnhof war allerdings mehr Platz zum Rangieren da. Eingeladen zum 37. Treffen hatte Clubmitglied Willi Bregulla aus dem nahen Swisttal.

1.250 Mitglieder

Die 1.250 Mitglieder sind über die ganze Welt verteilt, von Deutschland über Italien bis Japan. In Mayschoß waren Clubmitglieder aus Österreich, der Schweiz und Polen dabei. Angesichts der Enge in einer Isetta mag sich der Laie kaum vorstellen wollen, mit dem 2,28 m langen und nur 1,38 m breiten „Dreirad“ mehr als 1.000 Kilometer zurücklegen zu wollen bei einem Maximaltempo von 85 km/h. Die Clubmitglieder lieben ihre Isetta, kuscheln sich auf der Sitzbank aneinander und genießen die Fahrt mit dem zwischen 1955 bis 1962 gebauten Rollermobil. So beispielsweise Jutta Beyer-Vollprecht aus Bonn. Sie ist seit den Anfangstagen des Clubs bei den Jahrestreffen dabei, hat ihre 1957 gebaute Isetta, Typ Export, mit den aufgemalten Haifischzähnen - „wer klein ist, muss beißen“, so ihr Kommentar - bereits 1965 gekauft. Natürlich gebraucht, für unglaubliche 150 Deutsche Mark. „Neu hätte ich mir die nicht leisten können, ich verdiente damals nur 280 DM im Monat.“ Mit ihr ist sie bislang sagenhafte 488.000 Kilometer durch ganz Europa gefahren, nach Irland, Skandinavien und bis nach Sizilien. Doch nicht nur in den Urlaub, auch für die tägliche Fahrt hat die heutige Rentnerin das von BMW selber „Motocoupé“ getaufte Gefährt, sozusagen als Mischung von Auto und Motorrad, genutzt. Zum Mayschoßer Treffen war sie allerdings mit der Isetta ihres Mannes angereist, mit dem zusammen sie bereits weitere 120.000 Knutschkugel-Kilometer zurückgelegt hat - insgesamt also mehr als 600.000 Kilometer mit der Isetta. Das alles weitestgehend unbeschadet und sogar ohne Gurt, denn vor 1970 gebaute Fahrzeuge benötigen einen solchen nicht. Damit die Isetten stets gut in Fahrt bleiben, unterhält der Club einen eigenen Ersatzteildienst inklusive speziellem Ersatzteilwart. Die Teile mit über 1.500 Positionen für die vom Club betreuten Fahrzeuge sind in der clubeigenen Ersatzteilliste aufgelistet. Sie werden in der Regel nachgefertigt, denn an Originalstücke heranzukommen ist sehr schwierig. Mehrere Händler haben sich auf dieses Geschäft spezialisiert. Ein großer Ersatzteilmarkt inklusive Technikseminar am Samstagnachmittag in Mayschoß war folgerichtig auch ein wesentlicher Bestandteil des Jahrestreffens. Natürlich gehörten auch typische Ahrtaler Sehenswürdigkeiten zum Rahmenprogramm des Treffens. Offiziell eröffnet wurde das Treffen am Abend durch die Mayschoßer Weinkönigin Romana Schreiner und Ortsbürgermeister Hans-Ulrich Jonas in der Mayschoßer Winzergenossenschaft. Am Samstagabend stärkten sich die Clubmitglieder nach dem morgendlichen Fototermin mit den Fahrzeugen im Weinberg oberhalb von Mayschoß und der Fahrt zwischen Ahrweiler und Altenahr.

Zwölf oder 13 PS

Die Isetta erinnert mit ihrem Antrieb, einer Einheit von Motor, Getriebe - ein Rückwärts- und vier Vorwärtsgänge - an einen Roller. Hinten hat das Fahrzeug eine Spurbreite von 50 cm, vorne ist der Wagen deutlich breiter, so dass zwei Personen nebeneinander darin Platz finden. BMW baute zwei Einzylinder-Viertakt-Motoren ein: 250 ccm mit 12 PS, 300 ccm mit 13 PS. Am 5. März 1955 wurde sie der Öffentlichkeit zu einem Preis von 2.580 DM vorgestellt. Die Isetta wurde zum Erfolg. Zwischen 1955 und 1962 wurden 161.728 Motocoupés verkauft. Sie entwickelte sich in der Nachkriegszeit zu einem echten Sympathieträger des Herstellers. Wegen ihrer eigenwilligen, platzsparenden Konzeption mit Fronttür und nur einer Seitentür für die rückwärtigen Plätze und dem relativ hohen Preis von 3.985 DM fand die „große Isetta“ jedoch verhältnismäßig wenige Käufer.

Isetta-Fan Jutta Beyer-Vollprecht aus Bonn und Isetta-Club-Schatzmeister, Mitorganisator und Fahrzeugchefeinweiser Ernst Jesper vor dem „Zweitauto“ der Bonnerin.

Die Polizei ist schon da. Allerdings handelt es sich bei solchen Fahrzeugen um Umbauten. Eine Polizei-Isetta hat es im echten Einsatz nie gegeben.

140 Knutschkugeln in Ahrweiler

140 Knutschkugeln in Ahrweiler

Rund um den Ahrweiler Marktbrunnen verteilten sich die 162 Fahrzeuge. Fotos: BÜN

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