Hans Dieter Kutscher wurde erneut zum Ortsbürgermeister gewählt
39 Jahre in der Kommunalpolitik
Rech. Ungestört durchs Dorf gehen kann er nicht. Überall wird er angesprochen. Meist fangen die Sätze mit „Kannst Du mal…“ an. Hans Dieter Kutscher ist in Rech bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“. Und er ist es gerne. Seit 39 Jahren arbeitet er ehrenamtlich für den Weinort, setzt sich für die Belange der Bürger ein. Die honorierten nun zum vierten Mal das außergewöhnliche Engagement des mittlerweile 68-Jährigen und wählten ihn direkt zu ihrem Ortsbürgermeister. Dass er eigentlich SPD-Politiker ist, will er in diesem Zusammenhang gar nicht erwähnen. „Ich bin als Ortsbürgermeister parteilos. Schließlich kann jeder Recher zu mir kommen, und ich helfe jedem, wenn ich kann. Im Laufe der Jahre trug ich als Erster Beigeordneter der Gemeinde Verantwortung, arbeitete im Verbandsgemeinderat mit. Immer habe ich versucht, meine Politik an Themen festzumachen und im Interesse der Bürger zu entscheiden“, sagte der alte und neue Ortsbürgermeister.
Vor 15 Jahren übernahm Hans Dieter Kutscher das arbeitsintensive Amt von Hans Kozisek, damals stand vor allem die Dorfgestaltung ganz oben auf der Liste. Kanalbau und Straßenausbau waren wichtigste Themen. Kutscher bedauert, dass diese Maßnahmen bis heute nicht abgeschlossen sind. „Vordringliche Aufgaben kommen immer wieder dazwischen. Zum Beispiel Kindergartenausbau in Mayschoß oder die marode Eisenbahnbrücke am Herrenberg, die abgerissen werden muss. Um die Wanderer des Rotweinwanderwegs weiterhin nach Rech zu holen, ist die Anbindung mit einer neuen Fußgängerbrücke absolut notwendig. Die Gemeinde hat bei Starkregen das Problem der Wasserführung. Das läuft noch über die alte Brücke zur Bundesstraße und sorgt dort für Überschwemmungen. Die Fluten sollen langfristig über ein Regenrückhaltebecken und durch ein Überlaufrohr zur Ahr geleitet werden“, beschrieb Kutscher ein dringendes Anliegen der Gemeinde. Aber: Es fehlt das Geld, denn man müsse für Verbandsgemeinde- und Kreisumlage 85 Prozent der Einnahmen ausgeben, und mit den verbleibenden 15 könne man notwendige Finanzierungen nicht aufbringen. Da so wenig Geld bleibt, sieht der Bürgermeister auch keine Chance, den Schuldenberg von knapp zwei Millionen Euro abzubauen. „Wir haben uns Geld geliehen nur für unabdingbare Aufgaben wie Gehwege, Bachsanierung, Halle Bauhof, Buswartehäuschen und oder Renovierung der Nepomukbrücke. Als Weinort, der auch vom Tourismus lebt, müssen wir dem Gast ein ansprechendes Bild von Rech bieten, daran wollen wir alle arbeiten“, versprach Hans Dieter Kutscher. Stolz ist der darauf, dass inzwischen trotz knapper Kasse der Straßenausbau fast abgeschlossen ist und kommunale Einrichtungen erweitert wurden. Im Gemeinderat des 600 Einwohner starken Dorfes sind die Mehrheiten klar: Sieben CDU, drei SPD, zwei UBL, dazu der Gemeinderatsvorsitzende und Ortsbürgermeister in Personalunion.
In zwei Jahren feiern sie Goldhochzeit: Hans Dieter und Margret Kutscher. Wer die Beiden nebeneinander sieht, spürt ihren engen Zusammenhalt. Auch für Rech sind sie gemeinsam im Ehrenamt. Er als Ortsbürgermeister, sie als eine Art Ortsgärtnerin. Denn sie kümmert sich um die öffentlichen Plätze und Pflanzen. Der 68-Jährige ist prädestiniert für dieses Amt, denn er kennt die mannigfachen Facetten des Lebens. Wenn man ihn fragt, was er beruflich gemacht hat, muss man für die Antwort etwas Zeit mitbringen: Tankwart gelernt, Autoschlosser, Hausmeister, Eisenbieger, Postbote. „Bis auf Hängen hab ich schon alles gemacht“, lacht er. Heute versteht er sich als Anwalt der Recher. Wenn Probleme mit Behörden auftauchen, kann der Ortsbürgermeister zwar nicht direkt eingreifen, aber „ich kenne bestimmt einen, der einen kennt, der da weiterhelfen kann“, schmunzelt er. Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die ihm täglich in Gesprächen begegnen. Ist es etwas Handwerkliches, nimmt Hans Dieter Kutscher auch schon mal ein Werkzeug in die Hand, und Minuten später ist die Schraube los oder fest, funktioniert eine Maschine wieder. Gully verstopft, Unkraut auf Gemeindegrund, Straßenlampe kaputt? Kutscher hilft. „Da kommt mir zugute, dass ich lange Jahre in Verwaltung und Politik tätig war. Da hat man viele Kontakte und ein großes Wissen, um den Leuten nun bei Fragen die richtigen Antworten zu geben. Oder den Bürger an die richtige Stelle zu leiten“, nannte der Ortsbürgermeister eine wichtige Aufgabe seines Amtes. Er nimmt seine Pflichten sehr ernst von der Beglaubigung von Schriftstücken bis zur Eröffnung Recher Veranstaltungen. „Mein Mann wird häufig eingeladen, oft kann auch ich dabei sein. Er arbeitet viel, aber es macht ihm sehr viel Spaß. Uns beiden“, erläuterte Margret Kutscher für ihren bescheidenen Mann.
