Leuchtende Botschaften in den Weinbergen begeisterten Besucher – dieses Jahr nur drei Feuer
Ahrweiler leuchtet an St. Martin um die Wette
Ahrweiler. Mit seinen vier Martinsfeuern, ebenso vielen Schaubildern und dem Laternenumzug durch die romantische Altstadt ist der Martinsabend in Ahrweiler seit Jahrzehnten ein Anziehungspunkt für Besucher. Vier Martinsfeuer? Aufmerksamen Zuschauern mag es wohl direkt aufgefallen sein, denn ein Feuer fehlte: das der Adenbachhut. „Uns war es in diesem Jahr nicht möglich, ein Feuer aufzuschichten, da wir, aufgrund der geringen Größe des Junggesellenvereins, nicht genug Brennmaterial in der Vorbereitung sammeln konnten“, erklärte Markus Koll. Da half auch kein Aufruf über die Zeitung, Hilfegesuche bei ehemaligen Mitgliedern und Freunden. Markus Koll: „Im Nachgang wurde uns zwar von den anderen Junggesellenvereinen angeboten, uns mit Schanzen zu unterstützen, allerdings wäre ein Bau von Schrift und Feuer mit den geringen Mitgliedern nicht möglich gewesen, so dass wir in diesem Jahr nur eines von beiden realisieren konnten.“ Das Problem des Mitgliederschwundes besteht nun schon seit einigen Jahren in der Adenbachhut. Ob Feuer oder nicht – am Martinsabend in Ahrweiler wird Brauchtum gelebt. Da zeigen junge Kreisstädter, wie sehr sie sich ihrer Heimat verbunden fühlen.
Die Entscheidungen der Jury wurden auch diesmal wieder mit Spannung erwartet. Welche Hut stellt das beste Feuer, welches Schaubild erreichte die Besucher am meisten? Gemäß den Regeln muss das Schaubild mindestens zehn Minuten klar und deutlich zu erkennen sein. Und es muss kreativ sein.
Im Anschluss an den Martinsumzug hatten sich neben den Jugendlichen der vier Huten zahlreiche Menschen auf dem Marktplatz versammelt. Hier verkündete Klaus Mührel, der Rektor der Aloisiusgrundschule und Vorsitzender des Martinsausschusses, die Ergebnisse. Er hatte sich zuvor mit der Bewertungskommission auf den Kanonenturm nahe des Ahrtores zurückgezogen, um aus luftiger Höhe die Schaubilder und Feuer zu bewerten. Nachdem die Glocken von St. Laurentius das Fest eingeläutet hatten, ging es los. Zu sehen bekamen sie das: In Richtung AKNZ schrieben die Junggesellen der Ahrhut „Hochgenuss Ahr – seit vielen Jahren in Ahrweiler an der Ahr“ in den Weinberg und versahen das Bild mit einem Weinglas. Die Ademechshöde Junggesellen blieben ihrer Hut treu, zündeten ein flammendes Bild des Adenbachtores in den Wingert und schrieben da „60 Jahre Ademech“. „Overhood is Hätzass – Brauch verbindet und macht Spass“ leuchtete es neben einem großen Herzen über der Oberhut. Besonders kreativ präsentierte sich die Niederhut. Hier hatten sich die Junggesellen etwas ganz Besonderes einfallen lassen und ließen zwei für Ahrweiler prägenden Personen eine große Ehre zuteilkommen. „35 Jahre Hatzblood für oos Vaterstadt – Helmut Gies – Horst Gies“ stand es im Weinberg. Dazu zündeten die Junggesellen die Unterschriften von Helmut und Horst Gies. Beide sind ehemalige Ortsvorsteher von Ahrweiler. Doch konnte sich Horst Gies keinen Reim darauf machen, wie man seine Unterschrift derart originalgetreu darstellen kann – und das auch noch mit Feuer.
Um einen möglichst umfassenden Blick auf das Spektakel in den Bergen oberhalb von Ahrweiler zu bekommen, hatten sich mehrere hundert Schaulustige auf der Brücke vor dem Ahrtor eingefunden. Vom Hof der Aloisiusschule startete wenig später der Laternenzug der Kinder. Gespenster, Gestirne, Drachen oder Frösche – die Grundschüler hatten sich beim Basteln angestrengt und erfreuten die vielen Zuschauer mit ihren fantasievollen Lampions. Begleitet wurde der Umzug von zahlreichen Musikformationen, während an vorderster Front St. Martin höchstselbst die Marschroute vorgab. Die kleineren gingen an der Hand von mam und Papa, die größeren Kinder im Klassenverband. Nach dem Umzug gab es für jedes teilnehmende Kind einen süßen Wecken.
Rund 50 Schüler hatten eine traditionelle Knollekopp-Fackel gefertigt. Die Tradition des Laternenbaus aus Rüben wurde vor Jahren vom Heimatverein Alt-Ahrweiler in Kooperation mit der Aloisius Grundschule erfolgreich wieder belebt. Der Vorsitzende, Dr. Wilbert Herschbach, freute sich: „Die Beliebtheit der Tradition wächst wieder an. Dieses Jahr haben so viele Kinder wie nie mitgemacht, seitdem wir das Brauchtum wieder haben aufleben lassen. Da ist neuer Rekord in diesem Jahr.“
Die fantasievollsten und gelungensten „Knolleköpp“ wurden im Anschluss an den Umzug mit Pokalen ausgezeichnet. Diese gingen an Mahmud El Davon (Klasse 4d) für seinen Vampir, Alexander Rapisada (Klasse 4d) für Graf Dracula, Falk Prenzel (1d) für einen Fußballnationalspieler, Tom Sebastian (4a), Celine Klein (3c) für ihre Darstellung einer Burgundia, Valerie Iltis (2b) für ihr Funkemariechen sowie an Josefine Höltermann (4c, Grundschule Bad Neuenahr) für Harry Potter. Für alle Knolleköpp-Schnitzer gab es eine Medaille.
Dann kam es zu dem Moment, auf den alle gewartet hatten: die Siegerehrung für Feuer und Schaubild. Obwohl jedes einzelne von ihnen aller Ehren wert war, gewannen die Junggesellen der Niederhut mit Tobias Maur in der Kategorie Bestes Schaubild. Den zweiten Platz belegte die Ahrhut. Auf dem Balkon der Volksbank überreichte den siegreichen Niddehöde Dechant Jörg Meyrer die begehrte Kupferplatte. Wie man Tradition und Moderne verbindet, bewiesen die Junggesellen dann gleich beim Sieger-Selfie auf dem Balkon. Gewertet wurde aber auch das beste Martinsfeuer. Da hatten die Junggesellen der Oberhut mit Christian Gemke die Nase vorn. Zweite wurden die Junggesellen aus der Niederhut.
Sehen Sie in dieser Woche auf www.blick-aktuell.tv einen Beitrag über die St. Martinsfeier in Ahrweiler.
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Die Sieger freuen sich über ihre Pokale.
St. Martin ist immer ein Volksfest in Ahrweiler.
Sie freuen sich über ihren Sieg: Die Jungs von der Niederhut.
