Winzerfest in Ahrweiler
Ahrweiler war Feuer und Flamme
Vereine zeigten sich zufrieden mit Besuch und Umsatz
Ahrweiler. Schon 1834 berichtete der langjährige Oberbürgermeister von Bonn, Leopold Kaufmann, von seiner Weinlese in Ahrweiler, dass aufgrund der „herrlichen Lage“ und der „vorzüglichen Gasthöfe“ zahlreiche fremde Gäste hier Halt machten.
Noch heute, rund 180 Jahre später, liegt der damalige Bonner Oberbürgermeister mit seiner weitblickenden Einschätzung goldrichtig. Das bestätigte erneut der Auftakt der Ahrweiler Weinwochen, die in diesem Jahr unter dem Motto „Feuer und Flamme für Ahrweiler Wein“ stehen, mit dem Winzerfest. Dieses wird vor allem durch die teilnehmenden Ortsvereine - von den Junggesellenvereinen der Stadt bis zur Ahrweiler Karnevalsgesellschaft (AKG) - geprägt, die ihre Weinstände auf dem Marktplatz aufschlagen und den Gästen aus nah und fern die edlen Tropfen von der Ahr kredenzen.
Weniger Zugnummern
Für die Organisation sorgte wie immer der Arbeitskreis „Ahrweiler“ des Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler mit seinem Vorsitzenden Rudi Wolber jun. an der Spitze, der erneut eine beeindruckende Arbeit geleistet hat. Einziger Schönheitsfehler in diesem Jahr: Statt der üblichen 50 Zugnummern im Winzerfestzug am Samstag- und Sonntagnachmittag konnten in diesem Jahr nur 33 Motivwagen, Musikkapellen und Fußgruppen aufgeboten werden.
Grund ist die reduzierte Zahl von Mitstreitern im Arbeitskreis, denen zudem immer weniger Zeit bleibt für die Vorbereitungen. Vor allem das langjährige fünf- bis sechsköpfige Wagenbauteam ist in den vergangenen Jahren aus Altersgründen doch deutlich geschrumpft.
Deshalb waren in diesem Jahr die Vereine aufgerufen, sich mehr für den Festumzug zu engagieren.
„Hoffentlich zieht das Interesse und Mitwirken im nächsten Jahr noch mehr an“, wünscht sich Zugkommentator Dieter Franke. Franke ist selber seit 25 Jahren beim Arbeitskreis dabei, hat selber einige Jahre Wagen im Zug gefahren und ist Helfer beim Wagenbau. Seit nunmehr 17 Jahren moderiert er den Zug in gewohnt kundiger Art.
Letzterer wurde nicht nur durch das Festzugmotto „Feuer und Flamme für Ahrweiler Wein“ geprägt, sondern auch durch mehrere Zehntausend Dahlienblüten, die vor allem die Festwagen prächtig-bunt in Szene setzten. Viele schöne Wagen waren erneut zu sehen, beispielsweise der von den „Walporzheimer Mönchen“ eskortierte Motivwagen von Weindorf und Weinmanufaktur Walporzheim, gebaut von Mitgliedern des Sportvereins, wie man hörte.
Er bildete in wunderschöner, aufwendiger Darstellung die verschiedenen Terrassenlagen - Domlay, Alte Lay und Kräuterberg - rund um den Weinort ab.
Ihre Jubiläen feierten gleich drei Zugbeiträge: die 60 Jahre alte Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz mit ihrer „Godeneltern-Auslese“, die Katholische Frauengemeinschaft Sankt Laurentius mit Wagen und Rotweinkuchen zum 60-Jährigen und natürlich die 150 Jahre alte AKG.
Das waren allerdings nicht die einzigen Mitwirkenden mit rundem Geburtstag.
Denn seit bereits 20 Jahren bereichert die niederländische Musikgruppe „De Krukskes“ mit ihrer stimmungsvollen Blasmusik den Zug in Ahrweiler, die für gute Laune sorgt, sobald die lustigen Holländer gesichtet werden. So gaben sie beispielsweise spontan nach Auflösung des Zugs ein Blaskonzert auf dem Marktplatz - umgeben von schunkelnden oder klatschenden Menschen.
Burgundia mit Herz
Noch länger dabei ist die Musikvereinigung Niederheckenbach, nämlich seit genau 30 Jahren, die wie das Fanfarencorps Grün Weiß Spay oder der Fanfarenzug Brohltalklänge Niederzissen für prächtige Stimmung sorgte. Jubilare waren auch im Fond schicker Cabrios zu entdecken, nämlich Burgundia-Goldjubilarin Margarete Ketz und Silberjubilarin Manuela Schumacher. Eine angenehme Autofahrt durch das Menschenmeer konnten auch die amtierende Ahrweinkönigin Jennifer Knieps aus Walporzheim und die nun ehemalige Burgundia Carolin Groß unternehmen. Mit weniger Pferdestärken, nämlich genau zwei, unterwegs waren die Weinköniginnen aus Bachem, Heimersheim und Walporzheim, Laura Hein, Vanessa Sion und Victoria Kugel, letztere begleitet von Prinzessin Katrin Harz.
Höhepunkt des Zugs war natürlich der Wagen mit der neuen Burgundia Carina Mombauer. Strahlend stand die 22-jährige Ergotherapeutin auf ihrem in den Ahrweiler Stadtfarben über und über mit Blüten geschmückten, von zwei Pagen begleiteten und von zwei Schimmeln gezogenen Festwagen. Stilvoll das Blumenmotiv mit der Flasche, aus der Wein in den Blütenkelch floss, originell auch die aus Dahlien gesteckten Initialen „CM“. Per Mikro auf dem Wagen ließ sie die vielen Zuschauer auf dem Marktplatz an ihrer Gefühlswelt teilhaben.
Begleitet wurde ihr Wagen von Familienmitgliedern und Freunden, alle im T-Shirt mit der Aufschrift „Wir kredenzen mit Herz“ und einem selbigem auf dem Rücken mit dem Vornamen der Burgundia und ihrer Amtszeit.
Apropos Freundeskreis: Jener der „Namenlose“ war als Weinteufel mit dabei. Die kleinsten Teufelchen waren dabei noch im Kindergartenalter und wurden im süßen Wägelchen, dem wohl kleinsten Motivwagen des Zugs, kutschiert.
Angehobene Maut
Gar nicht teuflisch, dafür wie bei Petrus bestellt, zeigte sich das Wetter zum meteorologischen Herbstanfang - wie so oft beim Ahrweiler Winzerfest. Wie immer wurde die Stadt am Sonntag auch von den Schützen an den vier Stadttoren und den Mauerdurchbrüchen „bewacht“, die eine von 2,50 Euro auf nunmehr 3 Euro Maut erhoben. Dafür gab es ein Festgläschen und Einlass durch die riesigen hölzernen Tore.
Völlig neu war das Flaschenpfand von drei Euro, um die Sauberkeit und Sicherheit auf dem Marktplatz und in der gesamten Stadt zu erhöhen, die in den letzten Jahren zu den Festtagen doch zu wünschen übrig ließ.
Das Pfandsystem mit Bonmarken wurde „gut von den Leuten angenommen“, hörte man am Winzerfestbüdchen des Junggesellenvereins „Ahrhöde Jonge“. Allerdings sei dies natürlich ein zusätzlicher Aufwand und Stress für die Vereine, die genauestens die Ausgabe kontrollieren müssten.
Größere Probleme habe es dabei allerdings nichtgegeben, bestätigten auch Kassierer Fabian und 2. Vorsitzender Lukas Knieps von den „Niddehöde Jonge“. Insgesamt seien rund um den Markt deutlich weniger umherliegende Flaschen und Scherben zu sehen gewesen.
Zufrieden vom Festverlauf zeigte man sich bei den „Ovvehöde Jonge“. Besonders der Samstagabend sei hervorragend gelaufen, berichtete Schultes Christian Gemke.
Vier bis fünf Junggesellen in der Bude und drei im Nachschub hätten den Ansturm kaum bewältigt. Bei einigen Weinen war man gar ausverkauft und musste bei anderen Ständen um Ersatz nachfragen.
AKG-Sitzungspräsident Udo Groß war erfreut über das große Engagement der Mitglieder, nicht nur im Weinstand, sondern auch beim Beitrag für den Zug.
Besonders gut habe ihm gerade am Samstagabend „das Flair auf dem Marktplatz“ und die „prächtige Musik“ durch die Stimmungsband Skybagg gefallen.
Mit dem abendlichen Feuerwerk am Montag schloss der gelungene erste Teil der Ahrweiler Weinwochen, bevor sie am Freitag mit Beginn des Weinmarkts in die zweite Runde geht. Dann kredenzen die Weingüter selber ihre edlen Tropfen.
Die süßesten Teufelchen, die man sich vorstellen kann, waren auch im Winzerfestzug dabei.
Bacchus Rudi Wolber sen. thronte wie immer hoch auf seinem Fass.
