Begegnungsstätten im Ahrtal stärken
Bedarfsanalyse zu Begegnungsstätten im Ahrtal zeigt Verbesserungsbedarf bei Räumen und Finanzierung
aus Bonn
Ahrtal. Das Bonner Forschungsprojekt SOZIAHR legt eine Bestands- und Bedarfsanalyse der 52 Begegnungsstätten im Ahrtal vor. In den fünf untersuchten Kommunen VG Adenau, VG Altenahr, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Sinzig und Grafschaft konnten insgesamt 21 zentrale Einrichtungen und 31 Einzelangebote identifiziert werden. Die Bandbreite der Angebote reicht von den klassischen Seniorencafés über ganz offene Begegnungsräume bis hin zu kreativen oder naturbasierten Angeboten speziell für Kinder und Jugendliche.
Die große soziale und präventive Bedeutsamkeit von Begegnungsstätten wird von einer der Einrichtungen in einem Kommentar zur Studie auf den Punkt gebracht: „Wir erleben täglich, wie wichtig es ist, Menschen nicht nur in akuten Krisen zu begleiten, sondern auch langfristig Orte zu schaffen, an denen sie wieder Vertrauen, Gemeinschaft und emotionale Stabilität erfahren können.“
Die zentralen Ergebnisse der SOZIAHR-Studie sind:
1.) Die beste Versorgungsdichte erreicht die Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, in der 2.174 EinwohnerInnen auf eine zentrale Einrichtung kommen. In der VG Altenahr ist das Verhältnis mit 2.599 EinwohnerInnen pro Einrichtung ebenfalls noch relativ gut, während es in ganz Sinzig für 17.374 EinwohnerInnen gerade einmal zwei zentrale Einrichtungen gibt. Mehr noch: In der VG Adenau mit seinen 12.855 EinwohnerInnen findet sich keine einzige (dem Forschungsteam bekannte) zentrale Einrichtung. Für die Grafschaft wurden nur punktuelle Daten erhoben, deswegen kann hier keine gesicherte Quote angegeben werden.
2.) Die meisten Angebote haben eine katholische Trägerschaft, finden tagsüber unter der Woche statt, sind gesprächsorientiert und richten sich primär an Seniorinnen und Senioren. Für diese Zielgruppe wird übergreifend auch der größte Ausbaubedarf gesehen, wobei der Mehrbedarf für Kinder und Jugendliche ebenfalls von einigen Expertinnen und Experten besonders betont wird.
3.) Mindestens 15 der Begegnungsstätten sind im Kontext der Fluthilfe entstanden und werden weiterhin von viel ehrenamtlichem Engagement aufrechterhalten. Im Schnitt engagieren sich 14 Ehrenamtliche pro befragter Begegnungsstätte, unabhängig davon, ob die Gründung im Zusammenhang mit der Flut stand oder nicht.
Bei der Abfrage von Problemen und Unterstützungsbedarfen wird deutlich: Viele Einrichtungen haben derzeit keine sichere Langzeitperspektive und könnten sehr von öffentlicher Unterstützung profitieren. Dazu gehören vor allem finanzielle Zuschüsse und die Bereitstellung passender Räumlichkeiten. Außerdem drücken mehrere Einrichtungen in einem freien Kommentarfeld den Wunsch nach mehr Vernetzung aller relevanter Akteure (inkl. Kommunen und Kreisverwaltung), um die Bedarfsplanung und -sicherung gemeinsam voranzutreiben.
Die Idee für diese Analyse geht auf einen partizipativen Workshop mit Expertinnen und Experten von Hilfsorganisationen und Vereinen aus der Region zurück, welchen das Projektteam am 03.11.2025 durchführte. In einer darauffolgenden Online-Umfrage unter den bekannten Begegnungsstätten konnten die Workshop- und Rechercheergebnisse vertieft und für die Bandbreite der verschiedenen Einrichtungen im Ahrtal validiert werden. 16 der 21 zentralen Einrichtungen (ca. 76%) haben ihre Experten-Einschätzung zu der Studie beigetragen.
Eine kartenbasierte Übersicht aller Angebote sowie weitere Detailergebnisse und Hinweise zur Methodik können auf der Website von SOZIAHR eingesehen werden: https://www.soziahr.uni-bonn.de/begegnung
Expertinnen und Experten regionaler Hilfsorganisationen und Vereine gaben wichtige Hinweise auf weitere Angebote. Foto: Julia Noppeney / Uni Bonn
Räumliche Verteilung der 52 Begegnungsstätten (zentrale Einrichtungen schwarz, Einzelangebote blau) Foto: Susanne Bell / Uni Bonn
Weitere Themen
Ergebnis der Kartierung beim partizipativen Workshop am 03.11.2025 in Remagen Foto: Julia Noppeney / Uni Bonn