Bürgerverein Synagoge Bad Neuenahr-Ahrweiler e. V.
Begegnungen mit Zeitzeugen
Fast 1.100 Besucher bewunderten die Kunstausstellung „Leben“ in Ahrweiler
Ahrweiler. Die Besucherbilanz der Sommer-Kunstausstellung „Leben“ in der ehemaligen Synagoge in Ahrweiler übertraf bei Weitem die Erwartungen der Veranstalter. An insgesamt sechs Ausstellungstagen bewunderten stolze 1.085 Kunstinteressierten die vielschichtigen Werke der sechs Künstler Caro Caspers, Monika Dresen, Michael Grade, Monika Schneider, Maria Sowietzki und Maria Zalfen-Lenz. Über diese bisher noch nicht erlebte Größenordnung des Besucherstromes zu einer Kunstschau freute sich insbesondere der Vorsitzende des Bürgervereines Synagoge Bad Neuenahr-Ahrweiler e. V. Klaus Liewald.
Zu einem kleinen Highlight kam es am letzten Tag der Ausstellung. Gegen 13:25 Uhr näherte sich der Moment, an dem der 1000. Besucher die Synagoge in der Altenbaustraße betrat. Der sichtlich überraschte Sergei Daniel Feldshtein aus Tel Aviv, Israel wurde v0n den Künstlern Monika Dresen und Michael Grade begrüßt. Der Ehrengast wusste gar nicht, wie ihm geschah, als Michael Grade ihn mit den Worten empfing: “Herzlichen Glückwunsch, sie sind unser 1.000. Besucher und ich darf Ihnen als kleines Präsent diese Flache Wein aus dem Ahrtal überreichen, als Erinnerung an unsere Ausstellung“. Eine fast symbolische Duplizität der Ereignisse: Die Herkunft des „Jubiläumsbesuchers“ aus seinem jüdisch geprägten Heimatland Israel und sein Besuch in der heute leider gemeindelosen Synagoge im fernen Ahrweiler. Unter den zahlreichen, unterschiedlichsten Besuchern befanden sich auch eine Gruppe älterer jüdischer Menschen russischer Herkunft, mehrere Überlebende der NS-Zeit sowie langjährige Einwohner von Ahrweiler, die die Namen von früheren jüdischen Mitbürgern und Nachbarn auf den Gedenksäulen im Eingangsbereich der Synagoge wiedererkannten und den Künstlern ausführlich von deren Familien erzählten. So konnte das Medium Kunst nicht nur durch den Eindruck der gezeigten Werke zum Thema „Leben“ , sondern auch durch die Gespräche und Begegnungen mit Zeitzeugen einen kleinen Beitrag dazu leisten, Erinnerungen an verstorbene oder ausgewanderte jüdische Menschen aus Ahrweiler wieder ins „Leben“ zu rufen.
