Bürgerzentrum war fest in Möhnenhand
An Weiberdonnerstag gab’s kein Pardon: Zutritt für Männer strengstens verboten
Ahrweiler. Fest in Weiberhand war das Ahrweiler Bürgerzentrum am Donnerstagnachmittag. An Weiberdonnerstag haben die Herren der Schöpfung bekanntlich nicht viel zu sagen. Für sie hieß es „Zutritt verboten!“ - auch in Ahrweiler. Nur zum Bedienen wurde ihnen Einlass gewährt. Ortsvorsteher Horst Gies stellte eine weitere Ausnahme dar.
Pünktlich um 14.33 Uhr hieß es Einmarsch für die Ahrweiler Möhnen. Unter dem Jubel der bunt kostümierten jecken Gästen zogen die neun Damen - angeführt von ihrer Obermöhn Uschi Stark - in den Saal ein. Wie jedes Jahr seit 2006 hatte Frank Heinen an der Orgel die Besucherinnen schon musikalisch eingestimmt und begleitete die Nachmittagssitzung gekonnt. Gleich zu Beginn begeisterte die große Schar der Minifunken alle Mamas, Omas und Tanten im Saal. Die kleinen Tänzerinnen wurden auch gleich mit der ersten Rakete des Nachmittages belohnt. Wie man in Ahrweiler „Late-Night-Shopping“ betreibt und alle Angebote und Häppchen abräumt, erklärte auf lustige und charmante Weise Resi Weber. Sie war nach eigenem Bekunden bei der Schnäppchenjagd jenseits aller normalen Öffnungszeiten „nicht mehr aufzuhalten“. Amüsant auch der Auftritt von Gaby Fabritius und Renate Fischer. „Figaro Alfredo“ ließ seine Chefin selbst im Urlaub beim Cocktailgenießen und Entspannen nicht in Ruhe und versorgte sie genüsslich mit den neusten Entwicklungen über den Niedergang ihres Friseursalons. Viel Beifall erhielt auch Doris Schwertel, die als „Frieda Braun“ die Möhnensitzung besuchte. Urkomisch waren ihre Notizen zum englischen Königshaus und der Erfahrungsbericht mit einem neuen Wasserbett sowie ihres Mannes, der mal wieder zu viel Federweißen getrunken hatte. Im darauf folgenden Sketch wurde Maria Neuhausen-Scheitinger als Verkäuferin am Drive-In-Schalter von Renate Fischer als Autofahrerin schier zur Verzweiflung gebracht. Die wollte partout die Speisekarte nicht verstehen. Eine besondere „tragende“ Rolle hatte dabei Neumöhnin Christine Gottlieb-Leifeld inne. Sie war die Fritten-Tüte. Der zweite Neuzugang der Möhnen war dann gleich im Anschluss als Mitglied der Gesangsgruppe „De jecke Höhner“ zu sehen und zu hören: Iris Söller-Münch, deren Mutter schon aktiv zu den Möhnen gehört hatte, sorgte zusammen mit Maria Neuhausen-Scheitinger, Gaby Fabritius und Doris Schwertel für Bombenstimmung im Saal. Zusammen mit den Zuschauerinnen schmetterten die jecken Höhner lauthals ihre Lieder, das Publikum klatschte, schunkelte und tanzte begeistert mit. Was auf keiner Möhnensitzung fehlen darf, ist das Thema Männer und Frauen. Im Vortrag von Obermöhn Uschi Stark beschrieben Mann und Frau in ihrem jeweiligen Tagebuch die gleiche Situation. Sie wort- und gefühlsbetont, er in zwei kurzen Statements, was zu einer Lachsalve beim Publikum führte. Zu wahren Kreisch-Anfällen kam es beim Programmpunkt „Männer und Frauen beim Duschen“, bei dem das männliche Geschlecht abermals nicht gut wegkam, aber ein paar Körnchen Wahrheit wohl dabei waren. Nach der Pause zogen die Möhnen samt Neuzugang ein: Es war Ahrweilers Ortsvorsteher Horst Gies, der es sich in keinem Jahr nehmen lässt, „seine“ Möhnen am Weiberdonnerstag zum Frühstück zu bewirten und den ganzen Tag zu begleiten. Er verstärkte das Damengespann als adrette „Sitzmöhn“ am Elferratstisch. Was in diesem Moment zwar nur als Scherz gedacht war, hat in Wirklichkeit Symbolcharakter. Denn die Ahrweiler Möhnen suchen aktive Verstärkung. „Solch eine Sitzung, wie wir sie in jedem Jahr bieten, ist mit gerade einmal neun Mitgliedern kaum zu stemmen“, berichtet Obermöhn Uschi Stark. „Keine neue Möhn muss auf die Bühne, aber auch viele kleine Dinge im Hintergrund müssen erledigt werden“, versichert sie.
Schlag auf Schlag ging’s weiter im Programm. Die Akteure konnten sich zur ansprechenden Tanzdarbietung der Gruppe „Rio Palace“ entspannt zurücklehnen. Mit ihrem Tanz in Anlehnung an den Kinohit „Avatar“ wirbelte die Showtanzgruppe unter Leitung von Marc Dombrowski ganz in Blau über die Bühne. Das Publikum geizte nicht mit Applaus. Zum sich anschließenden „Intelligenztest für Klein-Uwe“ kann man nur sagen: „Schlecht ist, wer Schlechtes dabei denkt.“ Schließlich beantwortete der Kleine in Person von Doris Schwertel doch alle Fragen seiner Lehrerin (Anja Gansewig) ganz harmlos, während der Rektor (Gaby Fabritius) - dem Herzanfall nahe - eben etwas Anderes dachte. Was wohl das Publikum geantwortet hätte? Jedenfalls amüsierte es sich prächtig. Eine Art Neuauflage von Loriots „Auf der Rennbahn“ erlebten die rund 220 Zuschauer auf dem „Interimsfußballplatz“ auf der Bühne. Renate Fischer musste als Ehemann und Fußball-Fachmann die köstlichen Kommentare und Fragen seiner Frau ertragen. Der sich daraus entwickelnde Dialog mit vielen Verwechslungen erntete viel Beifall. Danach war die Bühne wieder rein in Tänzerhand. Die Showtanzgruppe „Bachemer Merle“ servierte als Kölner Köbes verkleidet ihr „Merle Kölsch“ in gewohnt professioneller Manier. Und dann ließ Uschi Stark verlauten: „Erheben Sie sich von Ihren Plätzen!“ Einzug hielt das Ahrweiler Dreigestirn mit seinem Gefolge und dem Ahrweiler Spielmannszug. Prinz Andy I. (Andreas Behrens), Bauer Alex I. (Alexander Klein) und Jungfrau Steffi I. (Stefan Heinzen) hatten neben den großen Funken auch das AKG-Solomariechen Irena Schmitz und die Stadtgarde Weiß-Rot mitgebracht. Auch Jugendtollität Thilo I. zog unter viel Beifall mit den mittleren Funken und dem Kinderelferrat auf die Bühne, die jetzt aus allen Nähten zu platzen drohte. Schmissige Tänze sorgten für Begeisterungsstürme bei den jungen und älteren Gästen.
Den Abschluss der Sitzung gestalteten die Ahrweiler Möhnen wie stets gemeinsam. Mit dem afrikanischen Tanz „Helele“ brachten sie ein letztes Mal ihr Publikum auf die Beine, bevor sie unter tosendem Applaus aus dem Saal zogen, um sich an der Tür von ihren Zuschauerinnen mit Handschlag zu verabschieden. Ortsvorsteher Horst Gies hatte recht behalten. „Das, was Ihr Ahrweiler Möhnen hier Jahr für Jahr auf die Beine stellt, ist einfach fantastisch.“ RERE
