Patronatsfest der Niederhut
Der „Garten“ Ahrweiler will gepflegt sein
Tradition statt Nostalgie beschworen - Bürgermeister Orthen berichtete von neuen Projekten
Ahrweiler. Nicht selten ist auf den Patronatsfesten in Ahrweiler zu beobachten, dass die Beiträge der einzelnen Redner relativ zusammenhanglos nebeneinander stehen bleiben und eine rote Linie durch die Veranstaltung fehlt. Nicht so auf dem diesjährigen Katharinentag der Niederhut in der vergangenen Woche, der mit gut 100 Anwesenden bestens besucht war, obwohl der höchste Feiertag der Hut in diesem Jahr auf einen Wochentag fiel. Das Stichwort für seine Nachredner gab Hutenmeister Michael Geschier, indem er Papst Johannes XXIII. zitierte: „Wir sind nicht auf der Erde, um ein Museum zu hüten, sondern um einen Garten zu pflegen, der von blühendem Leben strotzt und für eine schönere Zukunft bestimmt ist.“ Es sei die Aufgabe der Menschen, und das gelte auch für die Bewohner Ahrweilers, das vorhandene Potenzial zu pflegen und wie gute Gärtner zu wirken. 2013 sei dies gut gelungen angesichts der vielen schönen Jubiläumsfeste von Schützen über Karnevalisten bis zum Spielmannszug und dem Kloster Calvarienberg. Die Jubiläen zeigten jedoch auch, dass „die Vorfahren unschätzbare Werte geschaffen“ hätten, „die wir behüten, erhalten und pflegen sollen“. Das sei schließlich auch eines der wichtigsten Ziele der Hutengemeinschaft. Es gelte zudem, Tugend zu bekennen und weiterzugeben. Dementsprechend sei eine der wichtigsten Aufgaben dieser Gemeinschaft, den Senioren und Altersjubilaren zu danken und ihnen Augenmerk zu schenken. Das geschehe beispielsweise bei der eine Woche zuvor veranstalteten Seniorenfeier bzw. -fahrt. „Ihnen kommt das Verdienst zu, einen durch Krieg ramponierten Garten wiederhergestellt zu haben“, betonte Geschier. Heute sei es an der Hutengemeinschaft, mit ihren Gesten Freude und Lebensmut an die alten Menschen weiterzugeben. Aber auch materielle Gaben könnten erfreuen: So dankte der Hutenmeister speziell dem Backesverein mit Vorsitzendem Heiko Graf für das frisch gebackene Backesbrot für die Seniorenfeier.
Weihnachtsbaumplantage wird angelegt
Bürgermeister Guido Orthen nahm das Bild des zu pflegenden Gartens gerne auf. „Wir wollen kein Museum hüten. Ahrweiler wird oft als museale Stadt bezeichnet, ist es aber nicht.“ Zwar zeichne sie sich darin aus, Ererbtes zu erhalten. „Das hat aber nichts mit Nostalgie zu tun nach dem Motto: Früher war alles besser“, erklärte Orthen. „Früher war vielleicht vieles ruhiger, gemütlicher, oft bewusster. Vor Nostalgie sollte man sich jedoch hüten, denn Tradition ist etwas ganz anderes. Diese zu behüten ist wichtig.“ Neben seinem Appell für Tradition und gegen falsche Nostalgie hatte er aber auch die Ankündigung eines ganz konkreten Projekts mitgebracht. So plant die Stadt voraussichtlich ab 2014 eine Weihnachtsbaumplantage einzurichten, um die nötigen rund 30 großen Weihnachtsbäume im Stadtgebiet künftig selber bereitstellen zu können. Bis es soweit ist und die Bäume groß genug sind, werden allerdings noch einige Jahre ins Land ziehen. Bis dahin sei man weiterhin auf die Mithilfe der Bürger angewiesen, große Tannen zum Fest kostenfrei beizusteuern. Denn alleine Transport und Aufstellen schlügen mit „mehreren 10.000 Euro pro Jahr“ zu Buche. Der Garten in Ahrweiler sei dagegen gut bestellt, betonte auch der scheidende Ortsvorsteher Horst Gies. Dennoch gäbe es weiterhin „viele Dinge, vor dem wir unseren gut bestellten Garten schützen müssen“ und wies damit auf Auseinandersetzungen im Stadtrat bezüglich Arbeiten am neuen Kreisverkehr vor dem Niedertor und der neuen Bruchsteinmauer am Teich auf der Schützbahn hin. Allerdings wäre hier sein Nachfolger im Amt des Ortsvorstehers gefragt, da er nach 15 Jahren nicht mehr antreten wolle, berichtete der Landtagsabgeordnete. Bereits angeschafft sei dagegen eine neue Plane für den Weinbrunnen am Marktplatz, die aber erst nach dem Winter installiert werden solle, damit sie im Frühjahr im frischen Glanz erstrahle.
Bericht von der Pilgerreise
Pastor Jörg Meyrer berichtete von den Anstrengungen des Verwaltungsrats, „der sich schon seit Längerem darum kümmert, dass die Kirche nicht zum Museum verkommt“. Das beträfe aktuell vor allem die mit großem Einsatz und finanziellem Aufwand betriebene Erneuerung der in die Jahre gekommenen Beleuchtungsanlage in der Laurentiuskirche samt Ersetzen der bisherigen Elektrik. Er bat diesbezüglich weiterhin um finanzielle Unterstützung für das Großprojekt. Wenig zu machen sei dagegen in Sachen neues Gebetbuch für das gesamte Bistum. Dieses sei erst nächstes Jahr zu erwarten, da es in der zuständigen Druckerei zu einem Fehldruck gekommen sei. Anschließend erzählte er den gebannt lauschenden Anwesenden von seiner sechswöchigen Pilgerreise auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. „Es war gigantisch“, fasste er kurz und bündig zusammen.
Lob und stolze Zahlen
Chronist Elmar Schmitz erinnerte an die Frühlingsfahrt, traditionell als „Fahrt ins Blaue“ gestaltet. Sie habe in diesem Jahr in die ehemalige Bundesgartenschaustadt Koblenz geführt, wo man das Deutsche Eck besucht und die kühne Seilbahn hinauf zur Feste Ehrenbreitstein bewundert habe. Anschließend ging die Busfahrt weiter vorbei an den zahlreichen Burgen des Mittelrheintals bis zur Loreley, wo es Kaffee und Kuchen gegeben habe. Den Abschluss bildete der Abend im VdK-Hotel in Oberwinter. Lobende Worte fand Schmitz für die Handwerker und „Niddehöde“ Jürgen Maur und Guido Ott. Diese hätten unentgeltlich den Glaskasten mit schmiedeeiserner Umfassung wieder in Schuss gebracht, in dem die Figur der Heiligen Katharina am Niedertor untergebracht ist. Während Maur das gerissene Glas ersetzte, sorgte Ott dafür, dass das bislang schwergängige Türchen wieder leicht schließt. Der Vorsitzende des Heimatvereins Alt-Ahrweiler, Dr. Wilbert Herschbach, berichtete über das anhaltende Interesse an der Dokumentationsstätte Regierungsbunker: „Im April 2014 erwarten wir den 500.000. Besucher“, betonte er nicht ohne Stolz.
