Dagernova Culinarium & Weinstube
Dernaus „gute Stube“ feierlich eröffnet
Bau seiner Bestimmung übergeben - 150 Gäste kamen in den Saal des Culinariums
Dernau. Die Feuertaufe hat das Dagernova Culinarium & Weinstube bereits mit der Generalversammlung des Bauern und Winzerverbands erlebt. Nun erfolgte nach weitgehender Fertigstellung der Umbauarbeiten die offizielle Eröffnung und Einweihung. Nicht weniger als rund 150 Gäste waren dazu in den Saal des Culinariums gekommen, darunter - allerdings rein privat - die Deutsche Weinkönigin Julia Bertram, Ahrweinkönigin Julia Migend, Ahrweinbaupräsident Hubert Pauly und auch die ehemalige Pächterfamilie Marlene und Hans Georg Hoffmann, die 33 Jahre lang erfolgreich das Haus geführt hatten. Hoffmann habe noch vor kurzem bei einer Baustellenbesichtigung zum Dagernova-Vorsitzenden Friedhelm Nelles gesagt, wie dieser nun berichtete: „Ich kenne minge Weinbau net wedde.“
Und tatsächlich: Das Culinarium mit Saal und umgestalteten Restaurant hat sein Bild - zum Positiven - verändert. „Nach über einem Jahr Bauzeit verfügen wir heute wieder über ein attraktives Restaurant mit Versammlungsstätte hier in Dernau“, freute sich Nelles.
Insgesamt seien gut 1,5 Mio. Euro investiert worden, rund 150.000 Euro mehr als ursprünglich geplant. Zusätzliche unvorhergesehene Maßnahmen hätten bei ihm, aber auch sicherlich bei Architekt Hans-Jürgen Mertens aus Bad Neuenahr „zu einigen Schlafstörungen“ geführt. Sein Dank und Respekt galt auch „den ausführenden Handwerksfirmen sowie deren Mitarbeitern für ihre ausgezeichnete Arbeit. Vor allem zolle ich ihnen meinen Respekt für die kollegiale und partnerschaftliche Zusammenarbeit untereinander.“
Daneben dankte der Vorsitzende den Dagernova-Mitarbeitern für ihre Mitarbeit beim Rückbau der Anlage. „Wenn der Architekt rief: ,Ich brauch noch mal ein paar Leute‘, dann wart ihr zur Stelle. Ihr habt ebenfalls einen hervorragenden Job gemacht. Ich sage einfach: danke, Jungs.“ Nelles vergaß aber auch nicht, den Behörden, vor allem der Bauabteilung der Kreisverwaltung, Dank zu sagen, die die Umsetzung der Brandschutz- und Lärmschutzvorschriften begleiteten.
Einzigartige Arbeit
Auch Architekt Hans-Jürgen Mertens lobte den Fortgang der Arbeiten. Trotz vieler Probleme, die erst nach dem Rückbau ersichtlich wurden, seien Zeit- und Kostenrahmen fast eingehalten worden. So sei an vielen Stellen die Substanz schlecht gewesen, hätten zusätzliche Stahlträger wie beispielsweise im Küchenbereich eingezogen werden müssen.
Mertens resümierte: „In 22 Jahren als Architekt habe ich selten eine so positive Baustelle mit so positiv eingestellten Handwerkern erlebt.“ So sei der unabgedeckte Parkettboden nach dem Umbau einfach abgeschliffen worden. „Eine super Arbeit des Handwerkers“, so der Architekt.
Die Zusammenarbeit mit der Dagernova mit Friedhelm Nelles an der Spitze sei bis zur letzten Schraube rund gelaufen. Herausgekommen sei beispielsweise eine ganz besondere Deckenkonstruktion mit integrierter Lüftungsanlage im Saal: „Da sind viele Rohre unter der Decke, davon sehen Sie nichts“, so Mertens. „Es ist eine tanzende Decke: Man nimmt nicht wahr, woher die Luft kommt, wohin sie geht. Hier passen Funktion und Gestaltung zusammen.“
Zu Recht könne man die neuen Räumlichkeiten nun als „gute Stube von Dernau“ bezeichnen. Das Gebäude sei nun so etwas wie „ein Musikinstrument, das jetzt vom Pächter bespielt werden müsse“.
Ebenjener Pächter nahm den Ball gerne auf: „Ich bin in Bonn aufgewachsen. Nach vielen Stationen in aller Welt bin ich froh, wieder hier im Rheinland zu sein“, berichtete Torsten Carll. „Als ich gesehen habe, was hier passiert, wusste ich: Das muss meins sein“, sagte er über seinen Wunsch, das künftige Culinarium zu führen. Man sei sich schnell mit der Dagernova handelseinig geworden. Er forderte auch die Einheimischen zum Dialog auf. „Davon lebt eine heutige Gaststätte. Um herauszufinden, was die Gäste wünschen, müssen wir uns unterhalten.“
Das Geschäft sei bereits hervorragend angelaufen. „Das macht Freude hier. Wow, was für ein tolles Haus“, brachte er es auf den Punkt. Und er dankt auch den Einheimischen: „Selten bin ich so herzlich aufgenommen worden. Das spricht für die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen an der Ahr. Ich hoffe, das zurückzahlen zu können.“
Culinarium als „Leuchtturmprojekt“
Auch für Landrat Dr. Jürgen Pföhler ist das Culinarium ein „Leuchtturmprojekt“ in der Region. „Wenn eine Weinmanufaktur in der Lage ist, 1,5 Mio. Euro aufzubringen, obwohl sie in den vergangenen Jahren schon mehrere Millionen in Eventhalle, Vinothek, moderne Kellertechnik und die Traubenannahme investiert hat, wäre das nicht möglich, wenn sie nicht gut am Markt positioniert ist.“ Die Investitionen in das Gebäude hätten zudem heimische Arbeitsplätze gesichert, denn vom Architekten über die finanzierenden Banken bis zu den Handwerkern wären fast alle Beteiligten aus dem Kreis Ahrweiler gekommen.
Auch Verbandsbürgermeister Achim Haag lobte die Genossenschaft dafür, den Umbau angegangen zu sein. „Genossen sind Menschen, die sich für ein gemeinsames Ziel einsetzen. Hier wurde etwas geschaffen und erhalten, was sonst unwiderruflich dem Verfall ausgesetzt gewesen wäre.“ Er wünschte dem neuen Pächter „viel Glück und ein stets volles Haus“. Ortsbürgermeister Alfred Sebastian bemühte sogar Schiller: „Der kluge Mann baut vor.“ Mit dieser Investition habe die Winzergenossenschaft bewiesen, „dass ihr Herz in Dernau schlägt“.
Den Abschluss der Eröffnung bildete natürlich die feierliche Einweihung des Hauses. Zuvor betonte Pastor Lothar Anhalt jedoch hinsichtlich der bereits hohen Tischreservierungszahlen im Culinarium: „Wir haben in der Kirche auch noch ein volles Haus. Und vergessen Sie nicht: Viele Veranstaltungen beginnen bei mir, bevor sie dann hier herüberkommen“, scherzte er.
BÜN
Blumen für Meike Carll gab es vom Dagernova-Vorstandvorsitzendem Friedhelm Nelles (r.). In der Mitte Pächter Torsten Carll.
Landrat Dr. Jürgen Pföhler (l.) übergab ein Glasbild mit Kreiswappen an den Dagernova-Vorstandsvorsitzenden Friedhelm Nelles und den neuen Pächter Torsten Carll.
