Die „Addemechshöde Jonge“ haben Zukunftssorgen
Patronatsfest der Adenbachhut: Redner blickten auf Vergangenes und Zukünftiges
Ahrweiler. Die Hutengemeinschaft der Adenbachhut feierte ihr traditionelles Patronatsfest mit dem gemeinsamen Besuch des Gottesdienstes zu Ehren ihrer Schutzpatronin, der Muttergottes, in der St. Laurentius-Kirche und traf sich anschließend zum gemütlichen morgendlichen Beisammensein im „Hotel zum Stern“. Hier konnte Hutenmeister Bernd Koll die hutenangehörigen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Junggesellen der „Addemechshöde Jonge“ sowie zahlreiche Gäste aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens begrüßen. Darunter auch Bürgermeister Guido Orthen, Ahrweilers Ortsvorsteher und Mitglied des Landtages, Horst Gies, Dechant Jörg Meyrer, Burgundia Carolin Groß sowie das Ahrweiler Dreigestirn, an diesem Morgen jedoch ein Zweigestirn ohne seinen erkrankten Prinzen Andy I.. Sie alle blickten zurück auf vergangene Ereignisse und zukünftige Aufgaben in der Hut und nahmen betroffen zur Kenntnis, dass es ernst steht um den Fortbestand des Junggesellenvereins „Addemechshöde Jonge“. Dennoch gab es auch etwas zu feiern, denn das Hutenfest in der Adenbachhut wurde vor genau 60 Jahren wiederbelebt.
Grund genug für Hutenmeister Bernd Koll, einen Blick in die Chronik zu werfen. Er gedachte den Lebenden und Verstorbenen der Hut, erinnerte an besondere Ereignisse und Jubiläen in 60 Jahren Hutengeschichte und ehrte Rudi Jarre als noch letzten lebenden „Addemechshöde“ aus dem Vorstand 1953. Stolz ist man auf seine huteneigenen Junggesellenschützenkönige, Christoph Holzberger als aktuelle Junggesellenmajestät ist bereits der dritte in Folge. Ebenfalls in den Chroniken zu finden sind Aussagen, die die Adenbachhut als vornehmste aller Huten bezeichnen. In der Adenbachhut habe man nämlich das kleinste Tor, weil die Männer dort die kräftigsten und gefürchtesten seien, zitierte Bernd Koll gleichwohl wie die Herkunft des Namens: Er stamme vom lateinischen Wort „adin“ ab, was als „glückliches Land“ zu übersetzen sei.
Ein ereignisreiches Jahr
Den Blick auf die jüngsten Geschehnisse in den Gefilden der Adenbachhut richtete Chronist Karl Heinen in seinem Jahresbericht. Ein „ereignisreiches Jahr“ läge zurück, so sein Resümee, bevor er unter anderem das Maibaumaufstellen rein mit Muskelkraft, was reibungsloser als sonst üblich geschah, die Krönung der „Addemeche“ Junggellenmajestät Christoph Holzberger am Dreifaltigkeitssonntag, die Seniorenfahrt im August, den Martinsumzug und die Adventsfeier in Erinnerung rief. Heinen konnte jedoch auch verkünden, dass der neu geschaffene Platz am Adenbachtor Marienplatz heißen soll, zeitnah bepflanzt werde und ein dauerhaftes Hinweisschild geplant sei.
Den Blick in eine ungewisse Zukunft richtete Dechant Jörg Meyrer: Er ließ keinen Zweifel zu, dass die Pfarreiengemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler zeitnah mit zwei statt bisher drei Priestern auskommen müsse. „Veränderungen gibt es, sie sind da, man muss sich ihnen stellen“, betonte der Geistliche im Hinblick auf Veränderungen innerhalb der Gesellschaft im Hinblick auf den demografischen Wandel. Nicht nur angesichts der Halbierung von 60 auf gerade einmal noch knapp über 30 Kommunionkinder allein in den letzten zehn Jahren fragte sich Dechant Jörg Meyrer: „Wie stark sind diese Generationen noch? Wie viel Glaube wird noch an kommende Generationen weitergegeben? Und wo steht die Kirche in 20 Jahren?“ In sein Blickfeld gerieten darüber hinaus die geplanten Sanierungsarbeiten in und an der St. Laurentius-Kirche. Ein neuer Liedanzeiger gehe schon bald in Betrieb; eine „große Sache“ werde hingegen die Überprüfung der Kirchenbeleuchtungsanlage. Pünktlich zur 750-Jahrfeier soll dann auch der neue Außenanstrich fertig sein. Eine sechsstellige Summe müsse dafür veranschlagt werden.
Demografische Wandel sei die „größte Herausforderung“
Bürgermeister Guido Orthen wies nochmals auf das Projekt Historische Stadtbereiche hin. Bislang gebe es elf Förderungsprojekte, drei davon kämen aus der Adenbachhut, so das Stadtoberhaupt. Er verkündete aber auch die Erstellung eines Nutzungskonzepts für den Weißen Turm, der bisher das Stadtmuseum beherbergt und nur sehr wenig besucht wird. Breiten Raum in seiner Rede nahm der demografische Wandel ein. „Wir müssen jetzt darüber reden“, lautete sein Appell. Der demografische Wandel sei die „größte Herausforderung“ im Kreis Ahrweiler. Schon jetzt haben Themen wie altersgerechte Straßengestaltungen und Gehwegabsenkungen höchste Priorität. „Jetzt zu handeln ist wichtig“, gab der Bürgermeister den Anwesenden im Saal mit auf den Weg.
Ortsvorsteher Horst Gies stellte die schnelle Umsetzung neuer Straßenbeleuchtungen in der Bossard-, Alveradis-, Römer- und Kolpingstraße in Aussicht. Sehr gut angenommen wurden die neuen Fahrradständer an zentralen Stellen in Ahrweiler, stellte das Mitglied des Landtages erfreut fest. Und auch in Sachen Brunnenüberdachung am Marktplatz konnte er mit Neuigkeiten aufwarten: Noch in diesem Jahr soll es eine neue Zeltüberdachung geben, die Grundkonstruktion bliebe hingegen erhalten.
Für den Heimatverein Alt-Ahrweiler überbrachte Herbert Engel Grüße und eine Spende zur Unterstützung der Seniorenbetreuung durch die Hut. In seinem Grußwort berichtete er über die verschiedenen Aktivitäten des Heimatvereins, so auch die Betreuung des Regierungsbunker-Museums, das seit seiner Eröffnung bereits 380.000 Besucher von nah und fern angelockt habe.
Grußworte sprachen auch die Vertreter der Ahrweiler Schützengesellschaften, Edgar Flohe, König der Bürgerschützen, Christoph Holzberger, König der Junggesellenschützen, Marc Terporten, König der Aloisiusjugend, Bauer und Jungfrau der Ahrweiler Karnevalsgesellschaft Alex I. (Klein) und Steffi I. (Stefan Heinzen) ohne den erkrankten Prinz Andy I. (Behrens), Burgundia Carolin Groß sowie Jochen Ulrich stellvertretend für die anderen Huten.
„Wir kämpfen ums Überleben“
Das letzte Grußwort dieses Beisammenseins kam von Markus Koll, Schultes der „Addemechshöde Jonge“. Denen galt auch ein Dank des Hutenmeisters für die tatkräftige Unterstützung der Aktivitäten der Hutengemeinschaft und die Bemühungen um den Erhalt vaterstädtischen Brauchtums. Doch es gab auch kritische Worte: Der Junggesellenverein besteht nur noch aus sieben Mann, die Auflösung ist Jahr für Jahr allgegenwärtig. Auch wenn aktuell ein neuer Vorstand mit Ach und Krach gefunden werden konnte, sind Beteiligungen als selbstständiger Verein an den vielen Bräuchen in der Hut nicht mehr sicher, sagte Koll. „Wir kämpfen im Moment ums Überleben“, machte der Schultes unmissverständlich klar und appellierte an die Anwesenden, für seinen Verein Werbung zu machen. Bittere Realität könnte schon beim kommenden Schützenfest das Fehlen eines Zuges der Adenbachhut sein, sollte bis dahin kein Offizier gefunden werden. „Wenn der Verein derart schrumpft, wo ist da die gesunde Tradition?“, fragte Markus Koll mit Sorgenfalten im Gesicht. Es folgte ein Moment des Schweigens. Die Zukunft für die Junggesellen aus der Adenbachhut bleibt ungewiss. Nach den Reden ging das Hutenfest in seinen geselligen Teil über.
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