Dr. Johanna Mertins hört bei den „Spickern“ auf
Die große alte Dame tritt jetzt kürzer
Theatergruppe des Seniorennetzwerkes verliert wertvolle Schauspielerin
Bad Neuenahr. Sie spielte edle Damen, die „beste Ehefrau von allen“, war kumpelhafte Freundin, beherrschte die leichte Rolle wie das ernste Fach. Dr. Johanna Mertins war nun sieben Jahre lang die „große alte Dame“ der Theatergruppe „Die Spicker“ und brillierte dabei auch als sichere und einfühlsame Sprecherin. Die Laienspielschar des Seniorennetzwerkes in der Kreisstadt muss nun weitestgehend auf die beliebte und respektierte Darstellerin verzichten. Denn die Gynäkologin hat inzwischen das stolze Alter von 92 Jahren erreicht, das Laufen fällt ihr nicht mehr so leicht, und den Stress des Textlernens will sie auch lieber den Jüngeren der Gruppe überlassen. Die sind auch nicht mehr die Allerjüngsten, denn bei den „Spickern“ spielen Senioren für Senioren, da ist der Jüngste auch schon über 50, die meisten deutlich älter.
Kleine Überraschungsparty
Mit einer kleinen Überraschungsparty dankten die Schauspieler um Regisseur Günter Krause der 92-Jährigen und hatten kleine Geschenke dabei, ob Blumen, etwas Leckeres zum Trinken oder eine liebevolle direkte Ansprache. Und da die Theatergruppe ihre regelmäßigen Proben im Wohnstift Augustinum abhalten, kam auch Leiterin Caroline Hillesheim gerne dazu und reihte sich ein. Günter Krause lobte seine Kollegin. Die strahlte übers ganze Gesicht und war sichtlich gerührt wegen der herzlichen Worte der Schauspieler, die jetzt wohl auf die „große alte Dame“ verzichten müssen. Wenn Dr. Johanna Mertins auch immer willkommen ist.
Im Augustinum ist die Ärztin und Mitbewohnerin sehr bekannt, leitete sie doch über Jahre die Konversationskurse in Englisch und Französisch. Die Gynäkologin engagierte sich während ihrer Berufszeit ehrenamtlich im sozialen Bereich vor allem für Behinderte, war außerdem Gesundheitsreferentin bei der Arbeiterwohlfahrt. Als ihre Schwester Adelheid Thomsen mehr und mehr ihr Augenlicht verlor, brachte sie die Erkrankte ebenfalls im Augustinum Bad Neuenahr unter und kümmerte sich rührend um sie. Bei den „Spickern“ spielten beide Schwestern eine Saison sogar zusammen. Heute beschränkt sich Dr. Johanna Mertins auf das Mitmachen bei den Seniorentreffen des Stifts. Die überzeugte evangelische Christin setzte sich stets intensiv für das ungeborene Leben ein, geleitet von ihrem christlich-ethischen Denken. „Hier fühle ich mich sehr wohl. Mir konnte nichts Besseres passieren als das Augustinum“, sagte sie bei der kleinen Abschiedsfeier. Wenn ihr Lebensmittelpunkt wegen des Standortes ihrer Praxis auch in Siegburg lag, ist Dr. Johanna Mertins inzwischen in Bad Neuenahr heimisch geworden und schaut gerne bei „ihren“ Schauspielkollegen vorbei. Denn so ganz ohne die „Spicker“ geht es für sie wohl doch nicht. Regisseur Günter Krause hat bestimmt eine kleine Sprechrolle immer noch in Petto. Dann spielt sie vielleicht doch noch ein bisschen mit, wenn Rosel Mahler, Filiz Buldu, Annemarie Kanowski, Werner Frahm, Jochen Hörstensmeyer, Beatrix Schumacher, Mike Tappe, Helga Palm, Walter Klemm und Illa Manzius auf die Bühne kommen.
Aufmerksam verfolgte Dr. Johanna Mertins die kleinen Ansprachen der Kolleginnen und Kollegen.
