Heimatverein „Alt-Ahrweiler“
Dokumentationsstätte Regierungsbunker: Wichtiger Wirtschaftsfaktor für Ahrweiler
Vorsitzender Dr. Wilbert Herschbach auf der Jahreshauptversammlung wiedergewählt
Ahrweiler. Mit der bewährten Mannschaft geht der Heimatverein „Alt-Ahrweiler“ ins neue Geschäftsjahr 2013/14, das entscheidend für die Klärung einiger zentraler Fragen des 1949 gegründeten Vereins werden könnte. In den Wahlen bestätigten die 67 anwesenden Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung den Vorsitzenden Dr. Wilbert Herschbach sowie Schatzmeister Bernd Schrading im Amt. Vor allem drei wichtige Weichenstellungen dürften auf den 13-köpfigen Vorstand in den nächsten Monaten zukommen.
Zwei davon betreffen die Dokumentationsstätte Regierungsbunker, für den der Heimatverein als Träger fungiert. „Man kann sagen, sie ist zu einem mittelständischen Unternehmen geworden und aus der Wirtschaft der Stadt nicht mehr wegzudenken“, betonte Herschbach. Auch für den Heimatverein ist die Betreuung des Museums seit 2008 ein Meilenstein und „eine der größten Aufgaben“ (Herschbach) in seiner Geschichte. Er setzt mehr als 60 Mitarbeiter im Betrieb und für Führungen ein, an denen in fünf Jahren bereits über 390.000 Gäste teilgenommen haben, davon rund 20.000 Schüler.
Durch das hohe Besucheraufkommen und die damit verbundenen Umsätze ist der Heimatverein dazu übergegangen, diese in einem eigenen, von den sonstigen Einnahmen und Ausgaben des Vereins getrennten Kassenbericht aufzunehmen. Einnahmen von 568.000 Euro standen im vergangenen Geschäftsjahr Ausgaben von 482.000 Euro gegenüber. Dies ergab einen Jahresüberschuss von 86.000 Euro.
Bei den Einnahmen schlugen vor allem die Eintrittsgelder mit 478.000 Euro zu Buche, außerdem Verkäufe (14.000 Euro) und die Überweisungen von Ahrtal-Tourismus (52.000 Euro). Das Marketing- und Vertriebsunternehmen hat in den vergangenen Jahren rund 11.500 Besuchergruppen mit mehr als 200.000 Personen an den Heimatverein vermittelt.
Auf der Ausgabenseite waren die Führungen mit 145.000 Euro der größte Posten. Hinzu kamen Löhne für die auf 400-Euro-Basis beschäftigten Mitarbeiter (86.000 Euro) und die entsprechenden Sozialbeiträge (25.000 Euro) wie auch ein Pauschalbetrag von 34.000 Euro an Ahrtal-Tourismus für die Besuchervermittlung. Ein großer Betrag von 90.000 Euro schließlich musste 2012 auch für Kanalarbeiten ausgegeben werden.
Gespräche laufen
Für 2013 stehen weitere Maßnahmen an, beispielsweise die gegenwärtige Asphaltierung des Zugangswegs. Die erste angesprochene Weichenstellung betrifft den Neubau einer Gastronomie in Form eines Imbisses und einer WC-Anlage mit u.a. sechs Damen- und drei Herren-WC. Bislang konnte man sich mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die Eigentümerin des Regierungsbunkers ist, noch nicht auf eine konkrete Realisierung verständigen, da die Vorstellungen des finanziellen Rahmens zu weit auseinanderlagen, berichtete Herschbach im Gespräch mit „Blick aktuell“. „Der Bau wird sich also noch verzögern, die Planung ist aber nicht vom Tisch“, äußerte sich der Heimatverein-Vorsitzende allerdings nicht allzu optimistisch hinsichtlich einer baldigen Umsetzung. „Es wäre aber zu wünschen, dass Dynamik in die Sache hineinkommt und sich im Laufe des Jahres etwas tut.“
Die zweite Weichenstellung betrifft das Gesamtguthaben des „gemeinnützigen Wirtschaftsbetriebs“ Dokumentationsstelle Regierungsbunker. Mit den Überschüssen von 86.000 Euro im vergangenen Jahr beträgt der Kassenstand nun bereits über 700.000 Euro. Nicht nur die beiden Kassenprüfer, Dieter Schäfer und Antonius Kohlhaas, sind daher der Meinung, dass dem Heimatverein für seine gemeinnützige Aufgaben Gelder aus diesem Topf zugesprochen werden sollten, da er schließlich die Hauptlast des Betriebs trägt.
Schäfer regte daher an, in weitere Verhandlungen mit der Bima einzutreten.
Allerdings haben solche bereits früher ohne bisheriges Ergebnis stattgefunden. Erst Anfang März wollte Bima-Chef Dr. Jürgen Gehb bei einem Pressegespräch in Ahrweiler dem Heimatverein diesbezüglich nicht wirklich Hoffnungen machen. „Das ist eine echte Quadratur des Kreises. Auf der einen Seite würden wir ja gerne den Versuch starten, verschiedene Interessen zu befriedigen. Auf der anderen Seite kann die Bima geltendes Recht nicht einfach beugen. Das Recht schreibt uns vor, dassalle Überschüsse in den Betrieb der Dokumentationsstätte fließen müssen“, so Gehb. Trotzdem sieht Herschbach den Dialog mit der Bima insgesamt auf einem guten Weg.
Viele anstehende Aufgaben
Geld könnte der Verein durchaus gut gebrauchen. Fiel doch sein eigenes Jahresergebnis mit einem ganz leichten Minus aus und stehen für 2013 viele Aufgaben an. 5.000 Euro sind bereits für die Restaurierung der Deo-Kapelle auf der Walporzheimer Straße vorgesehen, 2.500 Euro für die Aufarbeitung der Bronzetafeln an historischen Bauten in der Stadt, die dort seit den siebziger Jahren hängen. Den Anfang haben 2012 die Infotexttafeln an den Stadttoren, am Kanonenturm und der Laurentiuskirche gemacht, weitere Restaurierungen sollen folgen, um auch die anderen wieder gut lesbar zu machen. Die Bronzetafeln waren übrigens damals auf Initiative des Beisitzers für den Geschäftsbereich „Stadtgestaltung“, Franz Ulrich, angebracht wurden. Nach 42 Jahren auf diesem Posten trat Ulrich zur Jahreshauptversammlung aus gesundheitlichen Gründen zurück. Er wurde durch Erich Nagel ersetzt, der das einstimmige Votum des Plenums erhielt - die einzige Veränderung im Vorstand. Als Gartenbaumeister und Angestellter bei der Stadtverwaltung dürfte er das nötige Knowhow mitbringen, um in die großen Fußstapfen Ulrichs zu treten. Die dritte Weichenstellung betraf die Zukunft der Brauchtums- und Theatergruppe, die seit 2006 im Heimatverein integriert ist. Nach längerer, emotionaler Diskussion wurde per Abstimmung beschlossen, dass sich die Verantwortlichen der Brauchtums- und Theatergruppe demnächst mit dem Vorstand zusammensetzen sollen, um das weitere Vorgehen und den künftigen Status der Gruppe abzustimmen.
Da die Zeit nach dieser Konversation bereits fortgeschritten war, fiel die eigentlich geplante Diaschau mit der Bilderserie von Hildegund Bäumler aus. Ihr Vater, der bekannte Lehrer Käufer, hatte sie zwischen 1939 und 1944 erstellt, und seiner Tochter als Erinnerung an die Heimat nachgesandt, nachdem diese nach Brasilien ausgewandert war. Mittlerweile lebt Hildegund Bäumler wieder in Deutschland, in einem Seniorenstift in Nettetal. Die wertvollen Bilddokumente, die teilweise bereits in Fachbüchern über die Geschichte Ahrweilers abgedruckt sind, hat sie dem Heimatverein geschenkt. Die 120 Fotos befinden sich inzwischen im Stadtarchiv. Wer sie sehen will, kann dies im Internet tun: Auf www.alt-ahrweiler.de sind alle unter dem Pfad „Archiv“ und den Unterpfaden „Bäumler“ und „Album“ zu finden.
