Heimersheimer Weinfest
Ein Umzug mit Verzögerung
Festzug startete fast eine Stunde später - Weinkönigin Vanessa grüßte vom Wagen
Heimersheim. Auch Pferde haben mal Angst: Mit fast einstündiger Verzögerung startete am Samstag der Festzug, der alljährliche Höhepunkt des Historischen Weinfests in Heimersheim. Ein Pferd am Gespann der Weinkönigin Vanessa I. (Sion) hatte gescheut. Ersatz war schnell gefunden, musste aber erst aus Bad Breisig Ersatz herbeigeschafft werden. Das gab es wohl auch noch nicht in der nunmehr 18-jährigen Geschichte des Weinspektakels im malerischen Weinort. Ausgefallene oder verspätete Züge sind derzeit ja nichts Besonderes - aber dieser fuhr, eben nur mit Verzögerung.
Am Straßenrand warteten sie schon, die Tausenden Besucher des traditionellen Umzuges durch den Ort. Bei manchen Gästen machte sich gar Verunsicherung breit: „Habe ich den Zug etwa verpasst?“, fürchtete eine ältere Dame schon. Es soll auch Besucher gegeben haben, die bereits den Heimweg angetreten haben. Umso größer dann der Jubel, als sich die 30 Gruppen ihren Weg durch Heimersheim bahnten. Angeführt von den Spielleuten der Gruppe „Dopo Domani“ brachten die Marktfrauen der Heimersheimer Möhnen frisch gepflückte Äpfel unters Volk, aber auch frische Schmalzbrote. So einen Dudelsack zu blasen, ist nicht so ganz einfach - die „Sauenscheucher“ aus Löhndorf hatten es aber perfekt drauf und marschierten durch den Ort. Traditionell als Mönche verkleidet sorgten die Alten Herren der SG Landskrone für den Weinausschank im Zug - sofern der Vorrat noch nicht aufgebraucht war. Als besonders bunte Truppe erwiesen sich die Heimersheimer Chöre in tollen Kostümen. An das alte Handwerk der Falknerei erinnerten die Damen der Falknerei Anderswelt mit ihren Greifvögeln. Auch Ex-Weinkönigin Alina (Monreal) und die Majestät von vor genau 25 Jahren, Bettina Lanzerath, geb. Müller, fuhren in einer schönen Kutsche durch den Ort, winkten und grüßten, während rot-schwarz gekleidete Fahnenschwenker Grüße aus Wesseling überbrachten. Eine feste Stütze im Heimersheimer Leben sind die Kellerkinder - natürlich auch beim Festumzug. Von weither angereist kamen drei Hexen, um im Weinort an der Landskron ihr Unwesen zu treiben. Das Geheimnis lüftete sich: Es sind die Artistinnen von „Luscinia Obscula“, die auch auf der Bühne am Markt einheizten. Und noch eine Majestät war dabei - übrigens erst zwei Wochen alt: der Hahnekönig aus Ehlingen, Marc Füllmann mit Gefolge. Und immer wieder erklang fröhliche Musik.
An der Spitze der Heimersheimer Schützen marschierte Schützenkaiser Dirk Weber. Mit Kettenhemden und Ritterhelmen hatte sich der Deutsche Orden dem Spektakel angeschlossen. Ebenfalls mit dabei: die Söldner der Milites Sentiacum. Es grüßten auch Burgundia Caroline Groß und die Ahrweinkönigin Jennifer Knieps in schmucken roten Kleidern aus der Kutsche.
Die größte Aufmerksamkeit erregte zum Abschluss aber die am Freitag proklamierte Weinkönigin Vanessa I. (Sion), die von ihrer rollenden, von danach unscheuen Pferden gezogenen Burg aus unermüdlich Handküsse an das ihr zujubelnde Volk verteilte. Wer Glück hatte, für den gab’s es auch noch einen kleinen Blumenstrauß.
Das einzige Manko: Der Zug teilte sich in immer mehr kleinere Teile auf, sodass die Besucher am Straßenrand mitunter lange Pausen hinnehmen mussten. Aber Theresa Czaya vom Arbeitskreis Heimersheim versprach: „Wir arbeiten daran. Beim nächsten Mal wird das besser.“ Im Anschluss an den Zug ging die Party in den Höfen weiter. Noch bis spät in die Nacht herrschte im Dorf gute Laune und ausgelassene Stimmung.
An das alte Handwerk der Falknerei erinnerten die Damen der Falknerei Anderswelt mit ihren Greifvögeln.
