Allgemeine Berichte | 07.05.2013

Dokumentationsstätte Regierungsbunker

Ein Zeugnis des Kalten Kriegs

Fünftes Jubiläum des Museums mit Feierstunde im Berg gewürdig

Guido Orthen übergab Dr. Willbert Herschbach (2. v.li.) ein Glaswappen der Stadt, mit anwesend Dr. Jürgen Pföhler (li.), Heike Holunder und MdL Horst Gies (2. v.re.). -FIX-

Ahrweiler. Die meisten der Protagonisten, die diese unglaubliche Geschichte geschrieben haben, versammeln sich zur - leicht verspäteten - Feierstunde des fünften Jahrestags der Eröffnung der Dokumentationsstätte Regierungsbunker am Ende jener 203 m im Berg, die von der einst 17,5km langen Anlage heute der Öffentlichkeit noch zugänglich sind. Es ist kühl in diesem Stollen, an einem ansonsten eigentlich warmen Maitag. Vielleicht ist es auch der Schauer, der einem immer noch den Rücken herunterläuft, wenn man in die leere Tunnelröhre schaut, die weiter in den Berg verläuft.

„Was hat man sich dabei gedacht“, fragt Landrat Dr. Jürgen Pföhler am Ende seines historischen Abrisses über den Bunker und die Entstehungsgeschichte der Dokumentationsstätte.

„Wollte man nach einem Angriff der Sowjetunion, nach dem Atomkrieg hier sechs Wochen später einfach herauskriechen und über den Rotweinwanderweg ins Tal spazieren? Das ist ein Gedanke mit heute hoher Absurdität.“

Absurd war auch Vieles, was nach der Stilllegung des Regierungsbunkers ab 1997, im Zuge seines Rückbaus ab 2001 und der Einrichtung der Dokumentationsstätte passierte. „Es hat eigentlich harmlos und einfach angefangen“, startet Pföhler. „Der Bund kündigte an, die Anlage für die Summe von 40 Mio. DM zurückzubauen. Anschließend gab es viele Ideen, was man mit der Röhre anfangen sollte.

Ein Vorschlag war, mit Einführung des Euros zerschredderte DM-Stücke hier zu lagern. Ein niederländischer Investor hatte die brilliante Idee, 16 km tief im Berg eine Disco einzurichten. Er war auch zu Gesprächen vor Ort, was er sagte, hörte sich interessant und plausibel an. Dann jedoch kam der Bauleiter und sagte, das könnte schon klappen, wenn der Investor einen zweiten Tunnel, einen Rettungstunnel graben würde. Mit diesem einen Satz war das Projekt gestorben“, lacht der Landrat noch heute.

Briefwechsel mit Scharping

„Mir selber schwebte so etwas wie die Gedenkstätte von Verdun vor, wo die originalen Hinterlassenschaften für sich sprechen, ergänzt um einen kleinen Ort der Stille“, berichtet Pföhler. Er habe diesbezüglich einen Brief an den damaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping geschrieben, den er aufgrund des militärischen Charakters der Anlage als besten Ansprechpartner wähnte, worauf er ein „wüstes Rückschreiben“ erhielt.

Offenbar fürchtete man bei der Bundeswehr um den Bedeutungsverlust der eigenen Gedenkstätten und Museen.

Den entscheidenden Anstoß für die künftige Dokumentationsstätte habe schlussendlich Florian Mausbach gegeben, zu der Zeit Präsident des Bundesamts für Bauordnung und Raumwesen. Er traf sich mit Pföhler und dem damaligen Bürgermeister der Kreisstadt, Edmund Flohe, zu einem fast legendären Gespräch im nahen Hotel Hohenzollern. Zusammen suchten sie an diesem Tag einen öffentlichen-rechtlichen Träger, der das Projekt einer Gedenkstätte vorantreiben könne. Der Gedanke fiel bald auf den Zweckverband Römervilla. Pföhler und seinen Mitstreitern schwebte in diesem Zusammenhang ein kombiniertes Museum „Von den Römern bis ins Atomzeitalter“ vor.

Mit dem Wechsel des Bürgermeisteramts von Flohe zu Dr. Hans-Ulrich Tappe sei es zunächst zu einem Bruch gekommen, da dieser aus dem Projekt ausgestiegen sei.

Erneut sei es der große Verdienst von Mausbach gewesen, den Prozess wieder ins Rollen zu bringen. So liefen die Planungen in diesem „fachlich unglaublich schwierigen Projekt“ (Pföhler) weiter.

Ein weiteres wegweisendes Gespräch sei jenes im Juli 2004 mit dem damaligen und heutigen Vorsitzendes des Heimatvereins Alt-Ahrweiler, Dr. Wilbert Herschbach, gewesen. Als der Landrat ihn fragte, ob er sich vorstellen könne, mit seinem Verein ein Bunkermuseum zu organisieren, sei Herschbach zuerst die Kinnlade heruntergfallen.

„Diesen Gesichtsausdruck werde ich nie vergessen“, freut sich Pföhler noch heute diebisch. Der Heimatvereinvorsitzende bat sich zunächst ein bis zwei Tage Bedenkzeit aus, sagte dann aber zu. Als Betreiber einer Dokumentationsstätte sollte künftig der Bund fungieren, gemanaged von einem privaten Verein - eine schon etwas „schwierige“ Konstruktion, wie auch Pföhler heute zugibt.

Ehrenurkunde vom Kreis

„Erfreulich aufgeschlossen“ habe sich in den vergangenen Jahren auch der amtierende Bürgermeister von Ahrweiler, Guido Orthen, gezeigt und habe die Dokumentationsstätte mit hohen Investitionen etwa für den Parkplatzbau, die Zufahrt sowie Wasser- und Abwasserleitungen unterstützt. „Heute ist das Museum eine unglaubliche Erfolgsgeschichte“, resümiert Pföhler.

„Es zeigt, was Ehrenamtliche leisten können.“ Sein Dank gilt vor allem dem Heimatverein und dem internen Vorstand mit Wilbert Herschbach an der Spitze: „Sie können stolz sein für das, was Sie hier geschaffen haben.“

Vom Kreis überreicht er daher eine Ehrenurkunde an den Heimatverein „für herausragendes kulturelles Engagement und beispielhafte museumspädagogische Arbeit.“

Herschbach nennt in seiner Rede den Regierungsbunker „ein Zeugnis des Kalten Kriegs, das keiner haben wollte“. Auch er erinnert an den Prozess der Entstehungsgeschichte der Dokumentationsstätte. Nach dem Gespräch mit dem Landrat habe es intensive Beratungen innerhalb des Heimatvereins gegeben.

Ein weiterer entscheidender Tag sei der 20. Oktober 2005 gewesen, als es zum Gespräch zwischen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) und dem Heimatverein gekommen sei. „Damals war uns jedoch in keiner Weise klar, welch besondere und komplexe Aufgabe uns bevorstand“, erzählt Herschbach. Im Bauplan vom März 2006 seien 2,5 Mio. Euro für den Bau des Museums veranschlagt worden.

Mit der Eröffnung am 28. Februar 2008 habe man das nun folgende „Publikumsinteresse nicht ermessen“ können. „Die Dokumentationsstätte wurde zu einer echten Vollzeitaufgabe.“ Schon ein halbes Jahr nach dem Start sei die Mitarbeiterzahl schon von anfänglich 15 auf 60 angeschwollen. Bereits 75.000 Besucher hätten die Röhre bis dahin schon in Augenschein genommen. Noch im Mai 2013 soll übrigens die Zahl von 400.000 Gästen erreicht werden. Darunter waren und sind auch viele Schülergruppen aus aller Welt, z.B. aus den USA.

Für die Arbeit rund um die Dokumentationsstätte hat der Heimatverein 2009 auf Sizilien den Europäischen Denkmalschutzpreis „Europa Nostra“ erhalten - aus 180 Bewerbungen, als erster Preisträger für Deutschland und erster ehemaliger Atomschutzbunker. Besonders bewegend sei für ihn jedoch der Eintrag ins Gästebuch des Museum vom 30. Juli 2009 gewesen, sagt Herschbach. Da habe ein Deutscher seine Gedanken hinterlassen, der 1945 in Japan den Atombombenabwurf von Hiroshima er- und überlebt hat.

Der Dank Herschbachs gilt vor allem dem Landrat „als dem Mann der ersten Stunde“ und Museumsleiterin Heike Hollunder: „Ohne Sie würde der Museumsbetrieb nicht in diesem Umfang geleistet werden können.“

„Mr. Bunkermuseum“ ist für Ahrweilers Ortsvorsteher und MdL Horst Gies der Vorsitzende des Heimatvereins.

Es sei ein Kompliment für die Qualität der Dokumentationsstätte, das sie von der Ahrweiler Bevölkerung getragen und selbst auch besucht würde. „Angesichts der vielen dreistelligen Jubiläen in der Stadt im letzten und diesem Jahr erscheint sie eigentlich wie ein Baby. Mit 400.000 Besuchern ist sie aber bereits ein echter Wonneproppen geworden“, schmunzelt Gies.

Bürgermeister Orthen lobt den „Mut, die Kühnheit und Energie“ des Heimatvereins. „Er hat das Potenzial der Anlage erkannt und ist das Projekt kühn angegangen. Ansonsten wäre der geheimste Ort der alten Bundesrepublik wohl für immer geheim geblieben.“ Heute bedeute der ehemalige Regierungsbunker einen Schatz, auch in touristischer Hinsicht. Viele Gäste dort besuchten auch die Stadt, was ihr einen enormen wirtschaftlichen Schub gegeben habe. Deshalb würde sie den Heimatverein weiterhin unterstützen, versprach Orthen. Als Dank überreicht er Herschbach ein Glaswappen der Stadt, das heute nur noch maximal dreimal im Jahr vergeben wird.

Guido Orthen übergab Dr. Willbert Herschbach (2. v.li.) ein Glaswappen der Stadt, mit anwesend Dr. Jürgen Pföhler (li.), Heike Holunder und MdL Horst Gies (2. v.re.). Foto: -FIX-

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