Eindringliche Klänge in meditativer Atmosphäre
Cantamus spielte Neue Geistliche Lieder in der ehemaligen Synagoge Ahrweiler
Ahrweiler. So unterschiedlich kann die Resonanz auf ein und dasselbe Konzertangebot sein: Während die Atmosphäre beim ersten Konzert von Cantamus am Vortag eher als familiär zu bezeichnen war - schuld daran war der gleichzeitig stattfindende mitternächtliche Weihnachtsmarkt in Ahrweiler -, so platzte die ehemalige Synagoge in der Kreisstadt an diesem Sonntag Mitte Dezember aus allen Nähten. Im kleinen Hauptraum und auf der Empore hatten sich mehr als 100 gespannte Zuhörer versammelt.
Denn das Grafschafter Sextett hat sich mit seiner attraktiven Mischung aus Neuen Geistlichen Liedern (NGL) sowie Pop-, Rock- und Jazzmusik seit mehr als 15 Jahren einen Namen im Ahrkreis gemacht. So spielten Alice Großgarten (Gesang), Gerd Jung (Gitarren, Gesang, Trompete), Frank Luxem (Gesang, Saxophone, Querflöte), Frank Uhland (Schlagzeug, Percussion), Johannes Schüller (Bass, Gesang, Keyboard) und Horst-Peter Kujath (Gesang, Keyboard) nicht nur bereits schon früher in der Synagoge, sondern gaben auch Auftritte in vielen Gemeinden, bei Gottesdiensten, bei vielen musikalisch begleiteten Festen, ökumenischen Feiern und Benefizkonzerten. Weiterhin gestalteten die Musiker beispielsweise die Bikermesse mit Vorprogramm „Anlassen“ auf dem Nürburgring, den zentralen Abschlussgottesdienst auf dem Marktplatz in Ahrweiler im Rahmen des Weltjugendtags 2005 oder Konzerte während der Uferlichter-Konzertreihe in Bad Neuenahr.
Für ihr „Hautnah-Konzert“ in der besonderen Atmosphäre der Synagoge hatte Cantamus eine Anleihe an das Motto des 29. Evangelischen Kirchentags 2001 in Frankfurt am Main „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ (Psalm 31,9) gemacht. Zur Overtüre zogen Trompeter Gerd Jung und Saxophonist Frank Luxem von der Empore in den Hauptraum ein. Es folgten im ersten Teil vor der Pause Stücke wie „Allein“ von Reinhard Mey und nicht weniger als drei Lieder des baden-württembergischen Ensembles „Entzücklika“, das mit Kirchenmusik und eben Neuen Geistlichen Liedern weithin bekannt ist.
Dessen Repertoire deckt sich nämlich bestens mit der Stilrichtung der sechs Grafschafter. Instrumentalmusik verbindet sich dabei mit meist mehrstimmigem Gesang. Die Musik will zum Singen und Mitsingen auffordern, ihre meist deutschen Texte sind alltagstauglich und konkret, sie sprechen inhaltlich wie melodisch an und gehen unter die Haut. Fragen wie Frieden und Gerechtigkeit, Reichtum und Armut, aber auch Ohnmacht, Gedankenlosigkeit und Ignoranz werden musikalisch und textlich thematisiert. Die Lieder rütteln wach, laden zum Nachdenken und zum engagierten Handeln auf.
Von eigenen Liedern bis zu Filmmusik
Ein eindrucksvolles Erlebnis für die vielen Zuschauer beim sonntäglichen Konzert war vor allem der zweite Teil des Konzerts. Für sehr eindringliche Momente sorgte dabei ein eigenes Lied der Gruppe mit dem Titel „Mein Engel“ und Text von Alice Großgarten sowie Musik von Johannes Schüller - für viele Zuhörer sicherlich der Höhepunkt des Abends. Den Gottesboten textlich gewidmet war auch das Lied „Sende aus Engel“ nach einem Gedicht des katholischen Theologen und Schriftstellers Lothar Zenetti. Sehr beeindruckend geriet auch die Darbietung von „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“. Es folgte der Titel „Peace Planet“ der niederländischen Symphonic-Rock-Formation Ekseption.
Wichtig ist Cantamus, ihr Publikum aktiv ins Konzert einzubeziehen. Denn nicht umsonst bedeutet die Übersetzung des lateinischen Bandnamens im Deutschen „Wir singen“ oder „Lasst uns singen“. Gerade beim Titel „Wo Menschen sich vergessen“ waren die Anwesenden daher zum Mitsingen aufgefordert. Abgerundet wurde der „offizielle“ Teil mit dem insgesamt 18. Lied „Nie mehr“. Ohne mehrere, vom begeisterten Publikum durch anhaltendes Klatschen geforderte Zugaben kam das Sextett am Sonntag aber natürlich nicht von der Bühne.
Bei der Zuhörerschaft hat das nachdenkliche und meditative Konzert mit inhaltlich tiefen Texten und stimmungsvoller Musik offensichtlich nachhaltige Wirkung hinterlassen. Dafür sorgten auch die auf den Himmel der Synagoge projizierten Bilder und kurzen Texte sowie die untermalenden Lichteffekte der Beleuchtungsanlage, die schon früher bei Konzerten in der Pius- oder Laurentiuskirche für besondere Effekte gesorgt haben - wie auch an diesem besonderen Abend in der Ahrweiler Synagoge.
CBÜ
