„Eine Investition in die Zukunft“
Land richtet Beratungsstelle für barrierefreies Bauen in Bad Neuenahr ein
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Es kann jeden treffen, direkt oder indirekt. Schnell kann ein Unfall, eine schwere Krankheit aus einem gesunden Menschen einen behinderten machen, der auf Rollstuhl, Pflege oder eben eine barrierefreie Wohnung angewiesen ist. Der demografische Wandel sorgt dafür, dass immer mehr Menschen Hilfe brauchen oder mit starken Einschränkungen leben. Damit sie das möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden können, will die Landesberatungsstelle „Barrierefreie Bauen und Wohnen“ Rheinland-Pfalz helfen und hat eine neue Dependance in Bad Neuenahr eingerichtet. An jedem ersten Dienstag im Monat beantwortet Architektin Ute Möseler im Mehrgenerationenhaus, Weststraße 6 in Bad Neuenahr, Fragen der Interessenten und gibt Tipps der Zuschussmöglichkeiten. Wer zum Beispiel wissen möchte, wie er sein Wohnumfeld den Notwendigkeiten anpassen und entsprechende Umbauten durchführen kann, meldet sich unter Tel. (0 61 31) 22 30 78 an, dort gibt es auch weitere Informationen.
Demografischer Wandel erfordert barrierefreies Bauen
„Wir stellen uns dem demografischen Wandel und haben schon viel in der Stadt erreicht, sie möglichst barrierefrei für Bewohner und Gäste zu gestalten. Das Mehrgenerationenhaus, in dem Sie sich hier befinden, ist eine Begegnungsstätte für Jung und Alt, Arm und Reich. Und wir haben das alte Gebäude niederschwellig umgebaut, wie möglichst viele Häuser im öffentlichen Raum. Bad Neuenahr-Ahrweiler ist hier vorbildlich, aber wir arbeiten ständig daran. Dabei sind wir auch auf die Mithilfe der Bürger und Gäste angewiesen, denen Probleme bei der Barrierefreiheit auffallen. Nur wenn wir davon erfahren, können wir Abhilfe schaffen“, begrüßte Bürgermeister Guido Orten die Gäste bei der Vorstellung der neuen Beratungsstelle und rief gleichzeitig alle auf mitzumachen, um weitere Verbesserungen für behinderte Bürger durchzuführen.
Kreisbeigeordneter Friedhelm Münch betonte, „Barrierefreiheit ist Lebensqualität für alle Menschen“, schließlich profitierten davon nicht nur ältere und behinderte Menschen. Auch werdende Mütter, kleine Kinder, Personen mit Kinderwagen und „jeder von uns, der mal ein Handicap hat“, habe viel von einem gut durchdachten Wohnkonzept. Münch erzählte aus persönlicher Erfahrung nach einer schweren Erkrankung seines Vaters. Erst da habe er hautnah erfahren, dass „viele mögliche Stolperfallen lauern“, das fange im häuslichen Umfeld an, zum Beispiel bei Treppen oder im Sanitärbereich, und es höre im öffentlichen Raum bei Bordsteinen oder fehlenden Fahrstühlen auf. Münch: „Im Jahr 2050 wird jeder dritte Bundesbürger älter als 60 Jahre alt sein. Deshalb müssen wir, und das gilt auch für den Kreis Ahrweiler, bereits jetzt vorhandene Stärken nutzen und ausbauen. So hat der Kreis 2005 als erster im Land den Teilhabeplan für Menschen mit Behinderung beschlossen. Nur so können wir unseren behinderten Mitbürgern ein weitgehend selbstbestimmtes Leben in der Gesellschaft ermöglichen.“
Beratungsstelle bietet auch Service vor Ort an
Wie umfangreich die Beratungen für Betroffene sein können, erläuterte Heide Marie Galle, die Leiterin der Landesberatungsstelle. Sie freute sich, dass Rheinland-Pfalz mit Bad Neuenahr-Ahrweiler bereits die elfte Anlaufstelle eröffnet habe. Nicht nur im Mehrgenerationenhaus werde informiert, auch vor Ort biete man den kostenlosen Service an. Zum Beispiel bei Fragen zu Umbauten oder Anpassungen der Wohnungen. „Es kann jeden morgen treffen“, erklärte Galle, in vielen Fällen sei schnelle Hilfe nötig. „Ein Unfall, eine schwere Krankheit - und schon ist ein bis dahin kerngesunder und mobiler Mensch auf Hilfe von außen angewiesen, kann sich nur im Rollstuhl bewegen oder muss gepflegt werden. Dazu sind oft kurzfristige Umbauten notwendig. Hier setzt unsere Hilfe ein. Aber auch schon bei Planungen zuvor. Denn wer energetisch saniert, sollte überlegen, ob er nicht parallel dazu barrierefrei umbaut. Das kostet dann kaum mehr. Es ist aber eine Investition in die Zukunft. Wie gesagt: Es kann jeden jederzeit treffen.“ Natürlich sollten alle Häuslebauer sofort barrierefrei planen, rät Heide Marie Galle. Das schlage sich kaum in den Kosten nieder, erhöhe aber den Wert der Immobilie. Mannigfache Zuschussmöglichkeiten gebe es, auch hier helfe die Beratungsstelle. Hier sollten alle Interessenten unbedingt vor der Maßnahme Kontakt aufnehmen, um diese Möglichkeiten der Zuschüsse und günstigen Kredite auszuschöpfen. Galle bedauerte, dass in der Vergangenheit so viele Wohnungen nicht barrierefrei errichtet wurden. Enge Türen, verplante Sanitärbereiche, für Behinderte fast unerreichbare Eingänge seien nur einige der Fehler. Das Bewusstsein habe sich in jüngster Zeit geändert. „Wir wollen Betroffene informieren und ihnen bei Umbauten helfen. Wir wollen aber auch junge Leute davon überzeugen, dass sich eine vorausschauende Planung in der Zukunft auszahlt und in allen Lebenslagen einen höheren Komfort bietet.“
Wie wichtig diese frühzeitige Planung sei, hob auch die freie Architektin Ute Möseler aus Barweiler hervor: „Wer sofort mit Barrierefreiheit plant, spart viel Geld, denn nachträgliche Umbauten sind sehr teuer. Wir helfen also präventiv und akut. Oft muss sehr schnell gehandelt werden, wenn nach einem Unfall oder einer Erkrankung ein Angehöriger im Krankenhaus liegt und mit Behinderung bald in seine eigenen vier Wände zurückkehrt. Oder jemand will eine Wohnung, ein Haus kaufen oder bauen, dann geben wir Tipps, was für die Zukunft bedacht werden sollte.“
