Themenabend im Rathaus
Einzelhandel in den Innenstädten stärken
AK Masterplan Einzelhandel stellte seine Arbeit vor - 100 Geschäftsleute waren gekommen
Kreisstadt. Rund 100 Einzelhändler und Vertreter von produzierenden Betrieben in der Kreisstadt waren vergangene Woche zum Infoabend des Arbeitskreises „Masterplan Einzelhandel für Bad Neuenahr-Ahrweiler“ in den großen Sitzungssaal des Rathauses gekommen. Zentrale Themen waren die Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts, ein Masterplan Einzelhandel und die Einrichtung eines Web-Stadtportals.
„Nicht zuletzt durch die FOC-Diskussion auf der Grafschaft ist der Einzelhandel noch einmal mehr in das Blickfeld aller Akteure gerückt“, sprach Bürgermeister Guido Orthen die mögliche Einrichtung eines mit dem Einzelhandel der Stadt konkurrienden Factory-Outlet-Centers auf der Grafschaft an. Unabhängig von der weiteren Entwicklung - allgemeiner Tenor ist, dass das FOC auf der Grafschaft wohl eher nicht kommt - solle der städtische Einzelhandel gestärkt werden. „Eine Innenstadt ohne funktionierenden Einzelhandel stirbt langsam aber sicher“, ist der Bürgermeister überzeugt und ergänzte: „Eine Innenstadt ohne Einzelhandel ist für Besucher, Gäste und Patienten nicht interessant. Damit möchte ich die Interdependenz zwischen Einzelhandel und Tourismusbranche deutlich hervorheben.“
Die Doppelstadt habe in den letzten Jahrzehnten viel in die Innenstadtbereiche investiert Orthen warnte aber: „Die Konkurrenz schläft nicht: Heute gibt es neben den mit uns um Gäste und Kunden konkurrierenden Städten den Onlinehandel, der dem stationären Einzelhandel zu schaffen macht. Bestellen, anprobieren, zurücksenden. Im Zweifel auch anders: im stationären Einzelhandel anprobieren, im Internet bestellen und kaufen. Das kennen viele von Ihnen.“ Deshalb habe sich die Stadt mit Schaffung des Arbeitskreises auf den Weg gemacht, einen Masterplan Einzelhandel zu entwickeln. Dabei ginge es nicht um die Interessen einzelner Einzelhändler oder um Konkurrenzschutz, sondern es sollten die rechtlichen und tatsächlichen Rahmenbedingungen für den Einzelhandel beleuchtet und gemeinsam mit dem Einzelhandel Maßnahmen ergriffen werden, die eine Attraktivierung des Einzelhandelsstandorts Bad Neuenahr-Ahrweiler ermöglichten.
Der Arbeitskreis besteht seit Dezember letztes Jahr. Er setzt sich zusammen aus Mitgliedern der Werbegemeinschaften, der Kundenbindungssysteme AW, des Ahrtal-Tourismus, der Initiative Qualitäts-Stadt, des Beratungsunternehmens Junker und Kruse (Dortmund) sowie aus Vertretern der Stadtverwaltung. Auch die Industrie- und Handelskammer steht dem Prozess als Beratungsorganisation zur Seite.
„Gerade im Zusammenschluss von wesentlichen Akteuren der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler liegt der Vorteil dieses Arbeitskreises“, sagte Guido Orthen. Der Bürgermeister weiter: „Durch diese Zusammenarbeit haben sich bereits erste positive Impulse ergeben. So wird künftig ein Web-Portal für die Stadt präsentiert, das zukunftsweisend für die Kommunikation mit unseren Gästen und Bürgern sein kann.“
Kennzahlen vorgestellt
Zunächst jedoch stellte Dipl.-Geograf Stefan Kruse das überarbeitete Einzelhandels- und Zentrenkonzept (EZK) vor. Das EZK ist eine textliche und schematische Darstellung der Einzelhandelslagen einer Stadt. Dabei wird festgelegt, was, wie und wo verkauft werden darf. In Bad Neuenahr-Ahrweiler dient das EZK dem Schutz der zentralen Einzelhandelslagen. Es soll die Basis für den Masterplan Einzelhandel bilden. Aus diesem lassen sich später konkrete Maßnahmen ableiten - wie etwa das Web-Portal.
Kruse stellte die Entwicklung einzelhandelsrelevante Kennziffern in Bad Neuenahr-Ahrweiler vor. So ist hier die Kaufkraftkennziffer von 2005 bis 20011 von 107,4 auf 104,0 gesunken. Das Kaufkraftvolumen stieg dennoch von 149,6 Mio. Euro oder 5.250 Euro pro Kopf auf 153,9 Mio. bzw. 5.496 Euro pro Kopf. Siedlungs- und Bevölkerungsstruktur sowie Einzugsgebiet des Einzelhandels hätten sich dabei kaum verändert, sodass der Kaufkraftverlust auf ungünstigere Einkommensverhältnisse zurückzuführen ist. Positiv sei aber, dass nur 65 Prozent der Kundschaft aus der Stadt selber komme, sie also ein vergleichsweise großes Einzugsgebiet besitze, und die Nahversorgung gut ausgeprägt sei.
Das Gros der Kaufkraft geht in der Kreisstadt in den kurzfristigen Bedarf, vor allem Nahrungs- und Genussmittel (62,2 Mio. Euro). Andere relevante Bereiche sind Bekleidung/Textilien (13,4 Mio. Euro), Elektronik/Multimedia (11,3 Mio. Euro) und Bau- und Gartenmarktsortimente (15,4 Mio. Euro).
Im Vergleich mit anderen deutschen Kommunen gibt es deutlich mehr Einzelhandelsbetriebe (382 zu 270), allerdings eine geringere Gesamtverkaufsfläche (67.000 zu 72.000 Quadratmeter) und eine erheblich geringere durchschnittliche Verkaufsfläche pro Betrieb (183 zu 264 Quadratmeter) - wenn auch die letzteren beiden Kennzahlen gegenüber 2005 in der Kreisstadt ansteigend sind.
Kruse empfiehlt gemäß der EZK-Ergebnisse für die Zukunft einen qualitativen, nicht quantitativen Ausbau des Einzelhandels in der Stadt. Die meisten Angebote sollten fußläufig zu erreichen sein - eine Abkehr von der noch vor Jahrzehnten propagierten Grüne-Wiesen-Standorte vor allem für Märkte oder Gartenbaucenter. Eine Ausnahme bilde das „derzeit gut aufgestellte Mittelzentrum“. Ein Ergänzungsstandort könne die Heerstraße künftig bilden. „Lebensmittelmärkte haben künftig in Gewerbegebieten nichts mehr verloren“, so Kruse.
Kunden in der Stadt halten
Stadtwirtschaftsförderer Thomas Spitz stellte anschließend den Masterplan Einzelhandel vor. Im Rahmen der Befragung von Kunden und Gästen seien bislang 848 Fragebögen abgegeben worden. Sie gäben schon einige wichtige Hinweise auf das Einkaufsverhalten. So lägen die bevorzugten Kernöffnungszeiten wochentags von 9 bis 19 Uhr und am Samstag von 10 bis 16 Uhr. 64 Prozent gaben an, den Einkauf mit einem Besuch gastronomischer Einrichtungen verbinden zu wollen. Wichtig ist den Kunden Qualität , Nähe und Service . Ziel müsse es sein, den „Kunden in der Stadt zu halten“, sagte Spitz. „Seien Sie kreativ, holen Sie im übertragenen Sinn Ihre Kunden mit entsprechenden Marketingmaßnahme ab, wo sie sind: beispielsweise bei Veranstaltungen wie dem Seniorentennisturnier in Bad Neuenahr oder beim Weinfest in Ahrweiler.“
Spitz regte die Einrichtung eines „City-Managers“ an - eine Idee aus dem Arbeitskreis.
Dieser soll Maßnahmen wie die Erstellung von Branchenprofilen, Identifikation von Entwicklungsflächen, Einbindung der Immobilieneigentümer, Leerstandsmanagement und Nachbesetzung sowie Existenzgründungshilfe koordinieren. Die Frage von dessen Finanzierung war ein zentraler Bestand der anschließenden Diskussion. Womöglich könne er unter Mithilfe der Stadt von den Werbegemeinschaften finanziert werden, so ein Vorschlag.
Dass etwas getan werden muss, scheint klar.
Denn einige Betroffene und ein Schüler des Peter-Joerres-Gymnasiums, das im Rahmen eines Schulprojekts an der Analyse des Einzelhandels in der Stadt mitgewirkt hat, beklagten fehlende Spielwarenläden und Familienangebote in Bad Neuenahr oder allgemein geringe Angebote für Schüler. Ihre Kritik, aber auch Anregungen konnten sie am Ende der Veranstaltung auf Karten aufgeschrieben an eine Pinnwand anbringen.
Gebündelte Website
Der dritte Vortrag kam von Frank Mies, Vorstand der in Bad Neuenahr ansässigen Shapefruit AG. Er stellte den vorläufigen Entwurf eines Web-Stadtportals vor. Dafür stellt die Stadt ihre Webadresse www.bad-neuenahr-ahrweiler.de zur Verfügung, wo bisherige Plattformen wie die Internetseiten von Ahrtal-Tourismus, Aktiengesellschaft Bad Neuenahr, der Werbegemeinschaften oder Grün-Card künftig gebündelt werden sollen. Ziel ist ein gemeinsamer Auftritt von Verwaltung, Handel, Gastronomie und Tourismus, eine Informations- und Imageplattform für Bürger, Touristen, Interessierte, eine Vermarktungsplattform und ein zentrales Medium des Stadtmarketings.
Hier soll man künftig einen gemeinsamen Veranstaltungskalender finden, Informationen zu Parkmöglichkeiten, Apotheken inklusive Notdiensten, Hotels, ÖPNV und vieles mehr - aufbereitet auch für die mobile Nutzung mit Smartphones. Der Einzelhandel soll sich als Premium- oder Basispartner einbringen können - bei entsprechendem finanziellen Beitrag erscheint ein Eintrag hervorgehoben. Interessenten können ihr Unternehmen schon jetzt unter http://stadtportal.shapefruit.de eintragen.
Der Entwurf zur Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts kann übrigens von 15. Oktober bis 15. November bei der Stadtverwaltung, Abteilung Stadtplanung sowie auf der Homepage der Stadt unter www.bad-neuenahr-ahrweiler.de/aktuelles eingesehen werden. Während dieser Zeit werden Stellungnahmen oder Anregungen zum Konzept entgegengenommen.
Ihr Weg ins Stadtportal
Alle Bürger der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler sind aufgerufen, sich auf der neuen Internetseite unter http://stadtportal.shapefruit.de eintragen zu lassen. Dieser Eintrag ist natürlich kostenlos.
Vorschläge für eine bessere Entwicklung des Einzelhandels in der Kreisstadt konnten auf Karten aufgeschrieben an eine Pinnwand angebracht werden.Foto: BÜN
