Erhaltungssatzung wird immer dringlicher
Kreisstadt. Als alter Bad Neuenahrer kann man bald nur noch mit Zynismus reagieren: Wahrscheinlich wird sich bald ein Heimatkundler finden, der auch das Anwesen Ecke West- und Telegraphenstraße als keinesfalls erhaltungswürdig deklariert, nicht ohne es zuvor noch für zukünftige Vorträge zu archivieren. So ist es Brauch in Bad Neuenahr. Das Altgebäude des traditionsreichen Modegeschäftes mit der noch stehenden großen Kastanie haben diesmal aber Die Grünen gerade noch rechtzeitig für die im Heilbad besonders beliebten Postkartenarchive fotografiert.
Angesichts der fortgesetzten Abrisswut im Kurort wiederholen wir trotzdem mit Nachdruck die Forderung nach Erarbeitung einer Erhaltungssatzung für Bad Neuenahr.
Über den Erhalt von Stadtbäumen und den markanten Fassaden des Stadtbildes hinaus geht es uns hier auch um den Schutz der Zusammensetzung der Wohnbevölkerung. Noch zeichnet sich gerade der Stadtteil Bad Neuenahr in seinem Kern noch durch eine gemischte Bevölkerungsstruktur aus. Dies zeigt eindrücklich die dem neuesten Abrissobjekt benachbarte Grundschule, die als eine der wenigen Grundschulen im ganzen Land noch auf stabile, sogar leicht steigende Kinderzahlen stolz sein kann.
Mit der fortschreitenden Umwandlung des bisherigen Wohnungsangebotes in Eigentumswohnungen befürchten wir immer mehr einen schleichenden Verdrängungsprozess der bisherigen Wohnbevölkerung mit beschleunigter Überalterung der Kernstadt und entsprechenden Folgen für die gesamte Infrastruktur.
Daher hatte die Ratsfraktion der Grünen schon Anfang des Jahres mit einem Antrag die notwendigen Voruntersuchungen auf den Weg gebracht, die für eine Erhaltungssatzung notwendig sind. Jetzt wird es hohe Zeit, die Beratung einer Satzung voran zu treiben.
Doch während sich im Stadtkern das Tempo der Abrisse beschleunigt, hat zwischenzeitlich auf Antrag der CDU eine große Ratsmehrheit gegen die Stimmen der Grünen entschieden, in den Außenbereichen der Stadt große Baulandflächen zu entwickeln.
Nun ist zu fürchten, dass die Verwaltungskapazität für die neuen Baulandausweisungen auf der grünen Wiese gebunden und das Thema Erhaltungssatzung auf die lange Bank geschoben wird. Der Abrissbagger wird die Angelegenheit dann erledigen.
Wolfgang Schlagwein
Fraktionssprecher
der Grünen im Stadtrat
