Köchemarkt in Bad Neuenahr
Erlesene Genüsse im Kurpark
Mehr als 4000 Freunde hoher Kochkunst genossen die Kreationen der Ahrtaler Meisterköche
Bad Neuenahr. Kalbstafelspitzscheiben rosé mit Ahrtaler Kräutersauce, gebratene Jakobsmuscheln auf Erbsenschaum oder Joghurt-Limonenschnitte mit Kirsch-Krokanteis - beim inzwischen 18. Köchemarkt im Bad Neuenahrer Kurpark kam nur das auf den Tisch, was Freunde der Haute Cuisine in Beststimmung versetzt. Mehr als 4000 Genießer des guten Essens waren über den Tag hinweg gekommen, um den Cuisiniers am Herd über die Schulter zu schauen und deren kulinarische Ergebnisse gebührend zu testen.
Sieben Spitzenrestaurants aus dem Ahrtal zeigten, was Küche und Keller zu bieten haben. Ob die Küchenchefs des „Prümer Gangs“, des Restaurants Freudenreich, des Vieux Sinzig, des Jagdhauses Rech, „Steinheuers Heppingen“, des Köhlerhofs oder Metzlers Restaurant - sie alle servierten hochwertigste Gerichte zu moderaten Probierpreisen, sodass auch diejenigen, die sonst eher auf kulinarische Extravaganzen verzichten müssen, voll auf ihre Kosten kamen. An sämtlichen Ständen wurde der Kochlöffel geschwungen und die edelsten Tropfen von der Ahr kredenzt. In den Küchenzelten hatten die einzelnen Anbieter regelrechte Profiküchenzeilen aufgestellt, um den teilweise vorbereiteten Gerichten vor aller Augen die letzten Geschmacksnuancen hinzuzufügen. Die Chefköche persönlich brutzelten, garnierten und verfeinerten. Und weil das Auge stets mitisst, schimmerten nicht nur die Rot- und Weißweine, sondern auch die gefüllten Teller waren zur Augenweide hergerichtet. Die Besucher konnten zwischen Carpaccio-Variationen, Fleisch- und Fischkreationen und Dessertinnovationen lustwandeln.
Zum Probieren war auch Stadtbürgermeister Guido Orthen gekommen und lobte das einzigartige „Freiluftrestaurant“ in höchsten Tönen. Ferner wies er auf die vielen renommierten Spitzenköche im Ahrkreis hin. Und der Nachwuchs? „Steht schon in den Startlöchern“, frohlockte Hans-Stefan Steinheuer und stellte einen Nachwuchskoch, den 17-jährigen Auszubildenden Daniel Langen vom Restaurant Metzler, auf der Bühne vor. Er stand schon mächtig unter Strom und servierte halbe Hummer, Jakobsmuscheln und Scampi am laufenden Band. Den Köchemarkt sieht man als „wichtige Veranstaltung“ wie Juniorchef Hauke Metzler erklärte, „um sich zu präsentieren, aber auch, um Gerichte zu testen und dann mitunter im Restaurant anzubieten.“ Schon des Öfteren haben sich Gerichte zum Hit entwickelt, nachdem sie auf dem Köchemarkt erstmals angeboten wurden. Neu servierte er auch eine Crème Brûlée, erstmals vom Blech und in Würfel geschnitten, mit Waldmeistereis auf Erdbeercoulis. „An guten Tagen gehen hier 1200 Gerichte über den Tisch“, so Hauke Metzler, und gut war der Tag für ihn auf alle Fälle.
Auf saisonale Produkte und frische Kräuter setzte Hans-Stefan Steinheuer. „Aber nicht zu exzeptionell“, gehe es doch darum, ein breites Publikum zu erreichen. Der Renner war an seinem Stand das Eifler Reh, aber auch die Käsegenüsse von Maître Bernard Antony aus dem Elsass. Verlass war auf seine Stammgäste: „Manche kommen jedes Jahr und probieren von der Vor- bis zur Hauptspeise alles.“
Jean-Marie Dumaine vom Restaurant Vieux Sinzig konnte mit Lottebäckchen und Safrancreme glänzen, während seine Lammschultern eher zum Ladenhüter avancierten. „Wahrscheinlich zu warm für Lamm“, glaubt der Chefkoch. Bei der Auswahl seiner Produkte setzt er auf die passende Mischung: „Wir haben Fisch, Fleisch und Gemüse im Angebot - ein bunter Fächer“, so Dumaine. Bei seinem Wildkräuterpesto sind zehn Kräuter verarbeitet - darunter auch Exotisches wie der orientalische Rucola. Den Köchemarkt sieht er als „Leistungsschau“, bei der angehende Köche und Servicekräfte den „Alten Hasen“ einmal über die Schultern schauen können. „Bei dem einen oder anderen weckt das vielleicht auch das Interesse am Beruf“, meint der Chefkoch mit französischen Wurzeln. Zum Wetter äußerte er sich: „Wenn es so heiß gewesen wäre wie teils in den vergangenen Wochen, hätten wir wohl nur Wasser verkauft.“ So aber genossen die zahlreichen Besucher zu den Speisen auch ausgiebig die Weine der Prädikatsweingüter der Region.
Währenddessen präsentierten 13 Aussteller aus der Region das, was im Kreis Ahrweiler an kulinarischen Raffinessen verarbeitet oder in den Obstgärten geerntet wird.
Essig-Kompositionen, Olivenöle oder Käsespezialitäten - die Reise von Stand zu Stand beim zweiten Jahrmarkt der Genüsse wurde zur spannenden Entdeckungsreise. Wer auch noch etwas als Mitbringsel für daheim als Erinnerung an das Genuss-Wochenende mitnehmen wollte, sah sich beim Jahrmarkt der Genüsse in der Konzerthalle ebenfalls um, wo Birnen-Balsamico und Feigen-Obstessig ebenso zu kosten und kaufen waren wie Eifler Trüffel, spritzige Säfte und süße wie pikante Aufstriche. „Alles ist Manufaktur, regional und überregional, und da wollen wir hin“, erklärte Hans-Stefan Steinheuer: Handwerkskunst aus der Küche eben.
Am Vorabend bestimmten heiße latinische Rhythmen und venezolanisches Temperament das Bild bei der ersten Latino-Nacht im Kurpark. Die Gruppe Kimbiza hatte nach der musikalischen Einstimmung durch Menino leichtes Spiel, und die Tanzfläche füllte sich bei Salsa und Cha-Cha wie von selbst (siehe separaten Bericht).
