Burgunderfest in Bad Neuenahr gefeiert
Erst mal ein Wasser, bitte!
Bei der 17. Auflage des Fests waren Schattenplätze und Wasserflaschen gefragt
Bad Neuenahr. Rot- oder Weißwein? Trocken, feinherb oder doch mild? Die Auswahl an erlesenen Weinen der Weingüter Sonnenberg, Burggarten und Lingen war wieder einmal groß zur nunmehr 17. Auflage des Burgunderfestes inmitten der Bad Neuenahrer Weinberge. Weiße und Rote hielten sich zwar die Waage, aber der wirkliche Verkaufsschlager war am Samstag gänzlich alkoholfrei: „Erst mal ein Wasser“, bestellten viele Gäste an den Ständen der Weingüter, denn mächtig heiß war es. Schattenplätze waren bei Temperaturen weit über 30 Grad „heiß begehrt“.
Sengende Hitze konnte am Samstag rund 4000 Menschen, so resümierte Michaela Wolff vom Weingut Sonnenberg am nächsten Morgen, nicht davon abhalten, durch die Weinberge oberhalb der Kreisstadt zu wandern und schließlich auf dem Sonnenbalkon der Kurstadt einzukehren. Bereits kurz vor dem Ziel schallte ihnen Musik und Stimmengewirr entgegen. Die veranstaltenden Weingüter hatten wieder 4000 Strohballen auf die Festwiese in den Neuenahrer Weinbergen gebracht. Anfangs noch zu hohen Türmen aufgebaut, von denen sich jeder Besucher seinen Ballen holen konnte, war schon bald die ganze Wiese bedeckt. Sehr zum Unmut der Spätankömmlinge, die sich als Ersatz aber mit Picknickdecken arrangieren konnten.
Viele platzierten mehrere Schirme umeinander und schufen so kleine Schattenoasen. „Die kommen so gut an, dass wir eigens jemanden für den Schirmverleih abstellen mussten“, erklärte Michaela Wolff, die neben dem vermutlich aufgestellten Hitzerekord beim Burgunderfest 2013 auch auf einen Gästerekord hoffte. Sogar eigens mitgebrachte Teppiche und Campingstühle wurden gesichtet. Lediglich kleine Pfade waren zwischendrin noch frei.
Die Mitarbeiter der Weingüter an den Ständen hatten alle Hände voll zu tun. „Das Wetter ist perfekt. Die Rotweine sind nicht so beliebt. Die Leute trinken lieber kühle Weißweine“, meinte Tessa Griep vom Weingut Lingen. Mit 15 Mitarbeitern war das Team an diesem Tag aktiv, und selbst die Jüngsten packten schon mit an: Junior-Chef Jan Lingen hatte mit seinen elf Jahren schon den perfekten Überblick: „Für Rotweine ist es so früh am Abend einfach noch zu warm.“ Am Mittag und frühen Nachmittag hat er zudem weitaus weniger Wanderer gesehen, als die Jahre zuvor.
„Bei uns greifen die Gäste am liebsten zu Grauburgunder und Blanc de Noir. Die kommen bei der Hitze in Kombination mit Wasser am besten an“, sagte Heiko Schäfer vom Heppinger Weingut Burggarten und hatte trotzdem noch viele Fans des roten Tropfens zu bedienen. Beim Weingut Sonnenberg standen ebenfalls die Weißen hoch in der Gästegunst. Und: Wasser, ob still oder sprudelnd - Hauptsache kalt. Flasche für Flasche ging über die Theke. Aber schon auf dem Weg zum Burgunderfest konnten die Besucher die Weine der drei Weingüter genießen. Mit dem Erwerb des Burgunderfest-Arrangements am Neuenahrer Bahnhof konnten die Wanderer gratis den ganzen Tag über im gesamten Bereich des VRM Busse und Bahn kostenlos nutzen. So machten sich viele Wanderer, ausgerüstet mit (Sonnen-)Schirm, ab dem Bahnhof Ahrweiler auf den Weg, um über die Hemmessener Hütte und eine Service-Station auf dem weiteren Weg den Festplatz zu erreichen. Es gab aber auch einen kürzeren Aufstieg ab dem Bahnhof Bad Neuenahr.
Und wie immer kamen die Gäste nicht nur aus dem Ahrtal: Das Burgunderfest erfreut sich inzwischen schon weit über das Tal hinaus großer Beliebtheit. Aus Bonn und Köln, aber auch dem Rest Nordrhein-Westfalens und sogar aus Niedersachsen kommen die Besucher. Das Ausland war mit Holländern, Belgiern und sogar Gästen aus Norwegen ebenfalls breit vertreten. Burgunderfest für den Gast aus Bergen? „Seit Jahren ein Anlass für mich, nach Deutschland zu kommen.“ Zum ersten Mal dabei war hingegen ein Paar aus Köln-Pesch und ist gleich zu Fans geworden: „Das Burgunderfest hat so ein bisschen was von Woodstock mit den Strohballen und an sich der Atmosphäre - wir kommen auf jeden Fall wieder.“ Das Ehepaar Beißel aus Bad Neuenahr schätzt am Fest besonders, „mit anderen in Kontakt zu kommen.“ Seit dem ersten Mal sind sie immer wieder dabei. Zu den Altbekannten gehörten aber auch die Musiker der PGM-Big-Band aus Mechernich, die dafür sorgten, dass die große Tanzfläche so gut wie nie leer war. Stimmungskanonen waren auch die Tänzer der „Bachemer Merle“. An zünftigen Speisen fehlte es ebenfalls nicht beim Burgunderfest. Die wurden zunächst in gemütlicher Runde eingenommen und dabei dem Auftritt der Bachemer Merle bei ihrer Nummer „Hüttengaudi“ zugeschaut.
Um Ordnung und Ruhe zu garantieren, war ein Sicherheitsunternehmen engagiert worden. Und das hatte nach Angaben von Security-Frau Sara Dartmalchi einen eher ruhigen Abend: Die Gäste seien über die Rucksackkontrollen „sehr gut informiert“ gewesen. „Insgesamt sind die meisten Festgäste sehr verantwortungsvoll gewesen“, und hätten trotz der Hitze einen „kühlen Kopf“ behalten. Beim DRK zog man ebenfalls ein positives Fazit: Freilich hatten viele Einsätze mit Hitze zu tun („hitzebedingte Ausfallerscheinungen“), doch im Großen und Ganzen habe es weniger Vorfälle trotz mehr Besuchern gegeben, lauteten die Angaben des Ortsverbands Ahrweiler. Und um der Feuergefahr bei den extremen Temperaturen zu begegnen, standen wassergefüllte Kübelspritzen zum Einsatz bereit.
Für die Veranstalter war es ein ziemlich anstrengender Abend. Eine ganze Woche lang waren sie schon mit den Vorbereitungen beschäftigt und haben darüber hinaus einmal mehr einen logistischen Kraftakt geleistet. Noch zu später Stunde gab es kaum eine Verschnaufpause. Erst als in den späten Nachstunden ein Gewitter und damit ein heftiger Sturm aufkam, leerte sich der Festplatz. Da viele Gäste in der Stadt übernachteten, waren auch am Sonntag noch fröhliche Gruppen im Ort unterwegs. Und für die 4000 Strohballen haben die Winzer auch schon eine gute Verwendung: Sie kommen zu einem Teil als Strohabdeckung und Humuszufuhr in die Weinberge und werden zum anderen wieder beim Walporzheimer Weinfest - frisch gepresst - zu finden sein.
