Historisches Weinfest in Heimersheim
Eva I. ist die neue Weinkönigin
Die Vorsitzende des Arbeitskreises Weinfest Heimersheim Theresa Czaya hört auf
Heimersheim. Am Freitag war der erste Höhepunkt des Heimersheimer Weinfestes: die feierliche Inthronisation von Weinkönigin Eva I. auf dem Marktplatz. Samstag ging es weiter mit dem Winzerfestumzug durch die Gassen und vorbei an den schönen Fachwerkgiebeln und Sonntag gab es eine Neuerung bei der traditionellen Messe, bevor der Handwerkermarkt seine Pforten öffnete. Blick Aktuell war an allen Tagen dabei. Und sie strahlte an allen drei Tagen: Eva I. (Hofmann) ist seit Freitagabend die neue Weinkönigin von Heimersheim. Und damit auch die erste Weinkönigin in dieser Weinfestsaison. Unter tosendem Beifall wurde sie dem gespannten Heimersheimer Volk vorgestellt. Doch Eva ist freilich keine Unbekannte im Dorf. Getreu der üblichen Prozedur wurde die neue Weinmajestät von den Mönchen verhüllt auf der Sänfte zur Bühne geleitet, ehe das große Geheimnis bei Kerzenschein gelüftet wurde. Ein Raunen ging durch die Menge, als sie in ihrem schmucken blauen Kleid zum ersten Mal zum Vorschein trat. Blitzlichtgewitter begleitete die Proklamation. Die Menge stand und wartete. Und als sie dort oben stand, war die Angespanntheit groß - das merkte man ihr an. Die neue Majestät grüßte die Menschen.
Ein lang ersehnter Traum ging in Erfüllung
Für die 20-Jährige geht mit der Regentschaft ein lang ersehnter Traum in Erfüllung: „Als Heimersheimer Mädchen lernte ich früh die Traubengetränke Wein und Traubensaft kennen. In der Grundschule haben wir dann auch über die Herstellung des Weines gesprochen. Mit den Jahren habe ich immer mehr Interesse an dem Gärungsprozess und auch an dem Geschmack des köstlichen Ahrweines gefunden. Und bei so vielen Rebsorten und verschiedenen Weinsorten erfährt man auch immer etwas Neues“, sagt sie über sich. Und Eva ließ auch gleich anklingen, was ihr in ihrer Amtszeit wichtig sein wird: „Anderen Menschen - vor allem Fremden - unseren Wein präsentieren und ihnen auch dessen Geschmack näher bringen, sei das eine. Viele neue Eindrücke sammeln und mit neuen Leuten Kontakte knüpfen, das andere. Und darauf freut sie sich besonders gemeinsam mit ihren Hofdamen Janina und Jenni Knips: „Viele schöne Momente erleben, an die ich noch jahrelang zurückdenken werde“, so die neue Weinkönigin. Ihr Weinspruch gerät zur Hommage an den Wein. Er lautet: Kein anderer Stand im deutschen Land werkt härter als der Winzerstand. Drum trinkst du edlen deutschen Wein, schließ in den Trunk den Winzer ein, dem Arbeit, Fleiß und Mühe war, was man Dir biet im Becher dar. Als Kind fand sie die Heimersheimer Weinkönigin und ihr Gefolge schon immer faszinierend. Jedes Jahr habe sie mit Spannung verfolgt, wer denn in diesem Jahr aus der Sänfte steige. „In meiner Straße haben wir dann immer mit allen Mädchen den Heimersheimer Weinfestzug nachgespielt. Jeder durfte einmal Weinkönigin sein, musste aber auch mal als Pferd vor dem Bollerwagen hergehen“, erzählt die neue Regentin. Mit den Jahren wuchs dann der Wunsch auch einmal selbst als Repräsentantin von Heimersheim auf dieser Bühne stehen zu dürfen und auch ein wundervolles Kleid tragen zu dürfen, die Krone von der Vorgängerin überreicht zu bekommen und ein einzigartiges Wochenende erleben zu dürfen. „Ich hatte immer wieder mitbekommen, welche weiteren Aufgaben eine Weinkönigin hat und diese machten mich noch neugieriger und ließen den Wunsch auch einmal Weinkönigin zu werden nur noch größer werden“, erklärt sie. Zu ihren Hobbys zählt sie das Tanzen bei der KG Närrische Landskroner - natürlich in ihrem Heimatort. Derzeit macht sie eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Stadtverwaltung in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Vertreter aus Politik und Gesellschaft wünschten ihr ein „erfolgreiches und sonnenreiches Jahr.“ Man könne Heimersheim nur gratulieren, solch eine tolle Majestät zu haben, so der Tenor. Das historische Weinfest in Heimersheim sei einmalig und gebe es so in keiner anderen Region, betonten die Gratulanten. Dankesworte richteten sie auch an die scheidende Weinkönigin Hannah Möhren.
Ein Hauch von Mittelalter
Neben der Proklamation ging es auch am Samstag und Sonntag hoch her in den Gassen des aufwendig hergerichteten Weindorfs, wo edle Winzer, Burgfräuleins, Adlige, Ritter, Gaukler und Mönche ein Hauch von Mittelalteratmosphäre verbreiteten. Während sich das Fußvolk beim traditionellen mittelalterlichen Winzerfestumzug tapfer den Weg durch den Weinort bahnte, genoss die neue Weinkönigin auf ihrem Wagen das Bad in der Menge, winkte ihren Untertanen fröhlich zu und strahlte von Anfang bis Ende. Die Zuschauer am Straßenrand streckten ihr die typisch Heimersheimer Tonbecher zum Wohle entgegen. Wer sie noch nicht gefüllt hatte, musste nicht lange warten. Die Heimersheimer Karnevalisten waren als Edelleute dabei und machten der Regentin aus eigenen Reihen den Hofstaat. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr, bei der Eva Hofmann aktiv ist, sorgten für einen reibungslosen Ablauf, während die Söldner von „De Milites Sentiacum“ wie jedes Jahr einen tollen Auftritt hinlegten. Dieses Jahr präsentierten Langspieß und Hellebarde mit Helm und Brustpanzer, wie man eine Majestät richtig verteidigt. Fahnenschwenker und Trommler der KG Landsknechte Wesseling machten der Regentin den Weg frei. Die Heimersheimer Möhnen gingen als Marktfrauen und brachten den Menschen am Straßenrand frische Äpfel. Ebenfalls dabei mit einer „Boureschar“: der Heimat- und Bürgerverein Bad Bodendorf. Die Kellerkinder glänzten wie bei jedem Umzug im Dorf mit ausgefallenen Kostümen. Unterwegs heizten sie den „Wurschtkessel“ bei loderndem Feuer und hatten in ihren Kiepen Kohl und Trauben. Alles getreu ihrem diesjährigen Motto „Das Leben auf dem Land in vier Jahreszeiten“, das sie auch an allen Tagen mit Imbiss und guter Musik am Westtor zelebrierten. Auch Heimersheimer Schützen und Junggesellen waren bei der 20. Auflage des Weinfests auf den Beinen. Überall im Dorf erklangen man Trommeln und Fanfaren, Dudelsackmusik und Geigensaiten kamen dazu und überall hörte und spürte man das Mittelalter. Applaus und „Gewinke“ gab es auch für Vorjahres-Weinkönigin Hannah Möhren sowie für die ehemaligen Ortsweinköniginnen, darunter Astrid Pollig, geborene Welter, die vor 40 Jahren das Amt der Weinkönigin inne hatte. Und in einer Kutsche genossen die anderen amtierenden Regentinnen des Ahrtals das Leben als Majestät. Den Nachwuchs präsentierte der TTV Ehlingen mit der erst zwölfjährigen Elena Füllmann als Ehlinger Weinprinzessin. Die Heimersheimer Cäcilienchöre gaben als Minnesänger auf dem Markt ein Ständchen. Und man hört auch die „Heimersheimer Nationale“, eine Hymne, bis sich der Platz am Abend füllte.
Jahr für Jahr tausende Besucher aus nah und fern
Fackeln und Kerzenschein, mittelalterlich verkleidete Menschen und ein stilvolles Ambiente ziehen Jahr für Jahr tausende Besucher aus nah und fern an. Nicht umsonst ist das Heimersheimer Weinfest eines der beliebtesten und einzigartigsten Winzerfeste der Region. Das zeigen nicht nur die vielen auswärtigen Kennzeichen in den Straßen von Heimersheim. Leider machte das Wetter am Sonntag den engagierten Heimersheimern einen Strich durch die Rechnung. Nur wenige Besucher fanden den Weg auf den Marktplatz, wo tapfere Gesangskünstler aber trotzdem nicht gänzlich die Laune verloren. Am Vormittag gab es eine Neuerung - und zwar eine Weinsegnung innerhalb des Festgottesdienstes. Alle Gläubigen konnten ihre Flasche Rebensaft mitbringen und auf den Altar stellen. In der Liturgie wurde dieser von Dechant Jörg Meyrer geweiht. „Wer diesen Wein trinkt, der kommt auch in den Himmel“, lautet die Idee dahinter. „Es ist schwer, bei der Qualität unseres Festes jedes Jahr etwas Neues zu bringen“, hatte die Vorsitzende des Arbeitskreises Weinfest Heimersheim, Theresa Czaya, im Interview mit Blick Aktuell erklärt. Aber trotzdem sei das Fest in jedem Jahr wieder anders, denn wechselnde Darsteller bringen auch immer wieder neue Ideen mit. Ob das auch in den kommenden Jahren gelingen wird, muss sich erst noch zeigen. Denn für Theresa Czaya war es das letzte Jahr als Verantwortliche. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge war die Arbeitskreisvorsitzende somit beim Fest dabei. Mit der letzten Rakete des großen Abschlussfeuerwerks am Sonntagabend gab sie ihren Posten dann auch ganz offiziell auf, um nach vielen Jahren die Verantwortung für das Fest in jüngere Hände zu legen.

Mit Feuerzauber erfolgte die Proklamation der neuen Weinkönigin.Fotos: Detlef Fix
