Bürgerinitiative gegen industrielles Güllelager und Massentierhaltung in Wohnortnähe in Gelsdorf
Fast 80 Güllegegner machten sich mit Plakaten auf zum Protestmarsch
Zwei Fernsehteams waren mit dabei - Landwirt Münch kann die ganze Aufregung nicht verstehen
Gelsdorf. Der wohl größte Protestmarsch, den der Grafschafter Ort Gelsdorf jemals gesehen hat, setzte sich am vergangenen Dienstag in Marsch. Fast 80 Personen gaben dabei ihrer Ablehnung des geplanten Güllelagers des alteingesessenen Landwirts Theo Münch Ausdruck, und das mit erstaunlicher Medienresonanz. Mit dabei waren nämlich auch gleich zwei Kamerateams, eines vom Südwestrundfunk und eines vom Westdeutschen Rundfunk, denn das Thema „Gülle und seine Folgen für die Umwelt“ gerät zusehends in den Fokus der Öffentlichkeit.
So hatten die Mitglieder der „Bürgerinitiative gegen industrielles Güllelager und Massentierhaltung in Wohnortnähe“ um den rührigen Vorsitzenden Reinhold Hermann Dutzende von Schildern und Transparenten vorbereitet, auf denen ihre Befürchtungen in kurzen Schlagworten wiedergegeben: „Gülle-Gestank macht alle Menschen krank“, war dort etwa zu lesen, „Genervte Bürger ziehen fort, und Gelsdorf wird zum Geisterort“ oder „Im Güllebrei ist Tierarznei“, „Gülle stinkt, Wohnwert sinkt“, „Nüchtern oder besoffen, alle sind betroffen“, „Bazillen in Fülle, morgen kommt Gülle“ und noch einiges mehr. Klar wurde: Keiner von den Protestierern möchte das 35 mal 40 Meter große Becken in der Gemarkung haben, das fünf Millionen Liter Gülle soll das fünf Meter tiefe Becken füllen.
Massive Geruchsbelästigung befürchtet
Die tierischen Abfallprodukte will Bauer Münch überwiegend aus dem Münsterland importieren, wo es eine starke Massentierhaltung gibt. Die BI fürchtet aber zudem Importe aus den Niederlanden und machten deshalb klar: „Nicht mit uns!“ Die Gegner gehen von einer massiven Geruchsbelästigung und daraus folgend einer Wertminderung für ihre Häuser und Grundstücke aus, vor allem treibt sie jedoch eine vermutete Gesundheitsgefährdung um.
Landwirt Theo Münch versteht die ganze Aufregung hingegen nicht, denn nach einem von ihm in Auftrag gegebenen Geruchsgutachten werde man in den umliegenden Ortschaften nichts von dem „Duft“ mitbekommen: „Von der Güllelaune wird die unterstellte Geruchsbelästigung nicht ausgehen, dafür haben wir den Standort fernab von der Wohnbebauung bewusst gewählt.“ Laut Gutachten sei im Abstand von 300 Metern nichts mehr vom Güllegeruch wahrzunehmen, und die drei nächsten Ortschaften lägen alle in einer Entfernung von mindestens 850 bis 1000 Metern. Zu diesem geplanten Standort führte der Protestmarsch, damit jeder sehen könne, wie nah dieser von den Ortschaften entfernt sei - die jedoch nur schemenhaft am Horizont zu erkennen waren.
Kein örtliches Problem
Wobei ohnehin nach der aktuellen Rechtslage im Außenbereich eine solche Anlage durchaus problemlos genehmigt werden kann, eventuell mit Auflagen wie einer Abdeckung. Doch das wollen die Güllegegner mit allen Mitteln verhindern. „Wir können und wollen das so nicht hinnehmen“, unterstreicht Reinhold Hermann, „wir wollen überhaupt kein Güllebecken in der Grafschaft“.
Zumal es sich nicht um ein örtliches Problem handele, denn bundesweit gebe es derzeit Bestrebungen, die Gefahren des „Gülletourismus“ und das Problem mit den schädlichen Inhaltsstoffen in den Griff zu bekommen. So befürchten Hermann und seine Mitstreiter eine permanente Überdüngung der heimischen Ackerflächen und somit eine Gefährdung des Bodens. Nach seiner Ansicht müsse die Politik nun endlich handeln und dafür sorgen, dass Agrarwirtschaft nur auf einwandfreien Böden stattfinden dürfe. Schließlich sei Gülle in solchen Millionen-Liter-Mengen stets ein Abfallprodukt aus der Massentierhaltung, und die dabei eingesetzte Chemie gelange über die tierischen Ausscheidungen direkt in die Gülle.
„Gülle-Gestank macht alle Menschen krank“, befürchten die Mitglieder der Bürgerinitiative gegen industrielles Güllelager und Massentierhaltung in Wohnortnähe.
