Katholische Frauengemeinschaft Sankt Pius startet Solidaritäts- und Integrationsprojekt
Flüchtlingsschicksale hautnah erlebt
Hilfe für verfolgte syrische Christenfamilien
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Bilder aus Bürgerkriegsländern von verfolgten und verzweifelten Menschen, zerstörten Häusern und in Seenot geratenen Flüchtlingsbooten gehören leider mittlerweile zu unserem Nachrichtenalltag. Sie machen betroffen, hinterlassen aber auch ein Gefühl der Hilflosigkeit. Der Einzelne kann da nichts machen…Wirklich nicht ? Das wollte die katholische Frauengemeinschaft (kfd) Sankt Pius so nicht stehen lassen und nicht länger nur zuschauen, sondern handeln. Entstanden ist daraus ein Solidaritäts- und Integrationsprojekt für christliche syrische Flüchtlingsfamilien. Den Betroffenen soll Hilfe und Unterstützung zuteilwerden, sie sollen aber als Christen auch Glaubenshalt und offene Türen in unseren Kirchengemeinden finden. In der vergangenen Woche konnte das engagierte kfd-Pius-Team entscheidende erste Schritte umsetzen. Mit Unterstützung der ökumenischen Flüchtlingshilfe Rhein Ahr wurde der Kontakt zu syrischen Flüchtlingsfamilien hergestellt. Über eine Sonderregelung des Landes Rheinland Pfalz ist es möglich, dass syrische Kriegsflüchtlinge einreisen können und eine Aufenthaltserlaubnis erhalten, wenn hier lebende Verwandte in der Lage sind, den Lebensunterhalt zu sichern. Dies betrifft zur Zeit etwa 800 syrische Kriegsflüchtlinge in Rheinland-Pfalz, etliche davon auch im Ahrkreis. Um ein erstes persönliches Treffen in offener und gelockerter Atmosphäre zu ermöglichen, organisierten die kfd-Frauen ein erstes Solidaritätsfrühstück im Pfarrheim. Eingeladen waren neben den syrischen Gästen alle Frauen, die ein Zeichen der Solidarität setzen wollen. Seitens der Stadt konnte Frau Christina Oertel, stellvertretende Vorsitzende des Beirates für Migration und Integration, gewonnen werden. Nach einer Vorstellungsrunde war das Eis schnell gebrochen und man kam zwanglos miteinander ins Gespräch. Umso ergreifender wirkten die persönlichen Schilderungen der Torturen, die diese Familien aus dem Raum Aleppo durchgemacht haben. Lebten noch vor wenigen Jahren Menschen verschiedener Religionen als Nachbarn einträchtig zusammen, sind nun gerade die Christen als Minderheit der Verfolgung, Repressalien, Gewalt, Entführung, Vergewaltigung und gezielter Tötung ausgesetzt. Die Nachrichten der letzen Wochen über verschleppte Christen im Norden Syriens erhielten im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesicht, als die syrischen Frauen über eigene vermisste Eltern, Geschwister und Angehörige berichteten. Und selbst wenn sie der direkten Verfolgung entkommen sind, bestimmen Traumata durch erlittene Gewalt, Angst um Angehörige, die zurückbleiben mussten, und Trauer um verstorbene Familienmitglieder ihr Leben. Dazu gibt es auch im Alltag in Deutschland viele Hürden: Die deutsche Sprache ist nicht in wenigen Wochen Sprachkurs zu erlernen, sie will im täglichen Leben eingeübt sein. Auch mit Arbeitserlaubnis Jobs zu finden, ist eine weitere Schwierigkeit. Doch, „wenn alle an einem Strang ziehen, sind Lösungen möglich“ , so machte Christina Oertel den Beteiligten Mut. Das Leitungsteam der kfd Sankt Pius kann mit dem erfolgreichen Start sehr zufrieden sein: Die ersten persönlichen Kontakte sind hergestellt, Adressen ausgetauscht und Ansprechpartner benannt. Kontakthelfer begleiten die Gäste bei Gruppierungen und Veranstaltungen und erleichtern die Begegnung und Teilnahme am Gemeindeleben. Weitere Projektmeilensteine werden mit den syrischen Familien zusammen erarbeitet werden, um mit der Hilfe genau da anzusetzen, wo sie gebraucht wird.
Und für den Sommer ist schon klar: Das Pfarrfestteam Sankt Pius kann sich über weitere Mitstreiter aus dem Kreis der syrischen Familien freuen.
