vem.die arbeitgeber - M+E, Industrie- und Dienstleistungsverband Rheinland-Rheinhessen e.V.
„Für das Leben lernen“ ernst genommen
Peter-Joerres-Gymnasium in Bad Neuenahr-Ahrweiler legt Wert darauf, dass Schüler die Berufswelt kennenlernen
Bad Neuenahr-Ahrweiler.Der Auftrag, den Lars Masanneck von der Mineralbrunnen-Firma Apollinaris erhielt, war durchaus anspruchsvoll. Er sollte das angewandte Verfahren, mit dem Eisen und Mangan aus dem Mineralwasser entfernt werden, untersuchen - und Vorschläge zur möglichen Optimierung der Aufbereitungsqualität machen. Eigentlich nichts Besonderes, wäre da nicht eine Kleinigkeit: Lars Masanneck ist kein ausgewiesener Chemie-Fachmann, sondern angehender Abiturient des Peter-Joerres-Gymnasiums Ahrweiler (PJG) in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Untersuchung war Gegenstand der freiwilligen Facharbeit des Gymnasiasten im Leistungskurs Chemie. „Ich habe mich für diese Facharbeit entschieden, weil mir eine Arbeit in einem naturwissenschaftlichen Bereich bedeutend spannender erschien als in einem sprachlichen Leistungskurs - Experimente sind halt interessanter als lange Buchstudien.“
Schulen müssen dafür sorgen, dass es genügend Fachkräfte gibt
Auch wenn der Auftrag von Apollinaris aus dem Rahmen fällt, sind es genau solche engen Praxisbezüge, die Schulleiter Reiner Meier und sein Kollegium den Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg geben möchten. „Als Schule“, sagt Meier, „bewegen wir uns normalerweise in einem praxisfernen Bereich.“ Das zu ändern, habe sich das PJG zur Aufgabe gemacht. „Wir tragen schließlich nicht nur für die Schüler Verantwortung“, so der Schulleiter weiter, „sondern auch für die Gesellschaft, was bedeutet, dass wir dazu beitragen müssen, dass es in diesem Land genügend Fachkräfte gibt.“ Neben einem musischen Schwerpunkt sind es vor allem die Naturwissenschaften, die am Peter-Joerres-Gymnasium Ahrweiler einen hohen Stellenwert haben. So ist das PJG seit 2001 Mitglied beim MINT-EC, dem Verein mathematisch-naturwissen-schaftlicher Excellence-Center an Schulen e.V.. Dessen Ziel ist es, Schüler für die „MINT-Fächer“ Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern und sie darin zu fördern. Doch allein Schüler für diese Fächer zu begeistern, heißt noch nicht, dass sie später auch entsprechende Berufe ergreifen, da konkretes Wissen über diese Berufe fehle.
Früh Interesse für Naturwissenschaften und Technik wecken
Genau hier setzt ein ganzes Bündel von Aktivitäten und Maßnahmen an, das in den letzten Jahren am PJG entwickelt und ständig erweitert wurde. Dazugehören unter anderem Exkursionen mit den Klassen / Kursen zu außerschulischen Lernorten wie Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Hier sollen die Jugendlichen einen tiefen Einblick in die Inhalte bekommen und den direkten Praxisbezug erkennen. Von Bedeutung ist laut Meier auch der umfangreiche Bereich der Arbeitsgemeinschaften (AGs), in denen sich interessierte Schülerinnen und Schüler außerhalb des regulären Unterrichts mit engagierten Lehrern treffen, um sich zum Beispiel auf den Jugend forscht - Wettbewerb vorzubereiten. Hier erziele das PJG Ahrweiler seit Jahren große Erfolge in den Fächern Physik, Chemie und Biologie. In Chemie hat es Kevin Sifft im Jahr 2010 sogar zum Bundessieger geschafft. Zu erwähnen ist auch die Roboter-AG, die letztes Jahr bereits zum dritten Mal erfolgreich beim First-Lego-League-Wettbewerb teilgenommen hat. Unterstützt wird die Roboter-AG übrigens in vielfacher Weise vom Arbeitgeberverband vem.die arbeitgeber in Koblenz. Entsprechend lud er die erfolgreichen Robo-Kids in seinen Betrieb ein. Diese Reise wurde vom vem.die arbeitgeber gesponsert und dazu genutzt, zusätzlich zum Besuch bei STIHL in Prüm auch den Mittelständler FELUWA in Mürlenbach zu besuchen.
Breit gefächerte Schulpatenschafen
Neben diesen Aktivitäten wird den Schülerinnen und Schülern ein breites Angebot an Wettbewerbsteilnahmen in den einzelnen Fächern gemacht. „Zum Teil sind diese Teilnahmen auch verbindlich“, sagt Schulleiter Meier, „beispielsweise die am Mathematik-Wettbewerb „Mathematik ohne Grenzen“ für alle Klassen des zehnten und elften Jahrgangs.“ Ein weiterer wichtiger Punkt sind Schulpatenschaften mit regionalen Institutionen, Verbänden und Unternehmen. Dazu gehören neben dem Arbeitgeberverband unter anderem Apollinaris, die Telekom, der Werkzeughersteller Wolfcraft und die Software-Firma Horst Klaes AG. Was Schule und Paten verbindet, ist das gemeinsame Ziel, die Berufs- und Studienorientierung der Schüler zu fördern und gemeinsam dem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Entsprechenden Wert legen die Verantwortlichen auf die Qualität der Kooperationen. In detaillierten Vereinbarungen wird festgeschrieben, was jede Seite einbringt. Das geht weit über die Bereitstellung von Praktika und Betriebsbesichtigungen hinaus. „Die Schüler auf unterschiedliche Art mit der Realität in den Unternehmen zu konfrontieren, und das dann im Unterricht gezielt nachzuarbeiten“, sagt Reiner Meier, „das ist für uns die beste Schule.“
Bei Girls’Day nichts dem Zufall überlassen
Auch beim jährlich stattfindenden bundesweiten „Girls’Day“, an dem Mädchen technische Berufe kennenlernen sollen, wollen die Verantwortlichen Pädagogen am PJG nichts dem Zufall überlassen. „Die Mädchen an diesem Tag einfach nur in irgendwelche Betriebe zu schicken, macht keinen Sinn“, sagt Christina Kösel, verantwortliche Koordinatorin für den MINT-Bereich am Peter-Joerres-Gymnasium Ahrweiler. Gerade technische Berufsfelder hätten für die meisten Mädchen eine große Hemmschwelle. Um die zu überwinden, sei die Planung des „Girls’Day“ extrem wichtig. Die Einbeziehung der Kooperationspartner habe den „Girls’Day“ deutlich aufgewertet, betont die Pädagogin. So hätten die Fachhochschule Remagen, Apollinaris und die Klaes AG im vergangenen Jahr spezielle Kurse für den Tag konzipiert. Interessierte Schülerinnen werden zuvor intensiv auf den „Girls’Day“ vorbereitet. „Im Anschluss“, so Christina Kösel, „müssen die Mädchen eine umfangreiche Reflexion des Tages erarbeiten, in der sie sich mit dem jeweiligen Unternehmen und den Berufen auseinandersetzen. Die erfolgreiche Nachbereitung und Auseinandersetzung mit dem Tag ist übrigens Voraussetzung dafür, um an dem jeweils aktuellen oder folgenden „Girls’Day“ teilnehmen zu können.
Eltern präsentieren den Schülern ihre Berufe
Um den Schülerinnen und Schülern klare Vorstellungen von möglichst vielen Berufen zu geben, wird in Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat der Schule alle zwei Jahre am PJG ein sogenannter Berufemarkt veranstaltet. Neben den Kooperationspartnern, die hier aus der betrieblichen Praxis berichten, sind es vor allem die Eltern, die ihre jeweiligen Berufe detailliert vorstellen. Das gesamte Berufsorientierungs-Konzept des Peter-Joerres-Gymnasiums, weiß Schulleiter Meier zu schätzen, „steht und fällt mit engagierten Lehrern und einer guten technischen Ausstattung der Schule“. Und da hätte das PJG im eher ländlichen Bad Neuenahr-Ahrweiler, unweit des Ballungsraums Köln/Bonn, durchaus einen Standortvorteil. . „Bei uns“, sagt Meier, „fällt keines dieser MINT-Fächer aus, und die Mathematik-Stunden konnten wir sogar aufstocken.“
Pressemeldung
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Schulleiter Reiner Meier lässt sich von seinem Schüler Lars Masanneck die Aufgabe bei der Mineralbrunnen-Firma Apollinaris erklären.
Die Schüler/innen der Roboter-AG des PJG zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden des vem.die arbeitgeber, Gerhard Eder (links), dem Hauptgeschäftsführer des Verbandes Thorsten Bröcker (obere Reihe 2. v. r.), der betreuenden Lehrerin Antigone Samara-Weth (2.v. l.), dem PJG-Schulleiter Reiner Meier (obere Reihe 3.v. .r) und dem Mitglied der erweiterten Schulleitung, Christina Kösel (obere Reihe ganz rechts).Fotos: Gesamtmetall/Pit Junker/Siegbert Pinger
