Pfarrfest St. Pius: Brasilianische Rhythmen zum Jubiläum
Gemeinde feierte ihr 50-jähriges Bestehen
Das Wetter trübte Laune nicht
Bad Neuenahr. Mit der 39. Auflage des Pfarrfestes feierte die katholische Kirchengemeinde Sankt Pius auf dem Gelände des Pfarrzentrums an der Schützenstraße ihr 50-jähriges Bestehen. Das Wetter hätte freilich besser mitspielen können, gefeiert wurde aber trotzdem prächtig. Blick aktuell war dabei, und schaut zurück auf eine belebte Gemeindehistorie.
Erfolgsgeschichte mit bescheidenen Anfängen
Nach langer Vorbereitungszeit war es am 1. Juli 1963 endlich soweit, dass die rechtlichen Grundlagen zum Aufbau einer neuen Pfarrgemeinde in der Kreisstadt geschaffen werden konnten. Gerade noch in den Kinderschuhen folgte am 1. Oktober 1964 der nächste große Schritt: die Verleihung des Status einer Pfarrvikarie mit eigener Vermögensverwaltung vom Bistum Trier - der Anstoß zum Aufbau einer neuen Pfarrgemeinde kam von St. Laurentius Ahrweiler. Der Krieg war noch nicht lange her, viele Flüchtlinge, Soldatenfamilien der neu aufgestellten Bundeswehr - sie alle sorgten dafür, dass die Pfarrgemeinde St. Laurentius unübersehbar groß wurde. So bekamen die katholischen Christen aus Bachem, Hemmessen und Teilen von Ahrweiler ein neues Zuhause, direkt an der Ahr und die offizielle Geburtsstunde der St. Pius-Gemeinde hatte geschlagen. Die Gründung fand noch in der St. Anna-Kapelle statt, eine Notkirche, die in einer Baracke auf der heutigen Piuswiese eingerichtet wurde und über eine Behelfsbrücke von den Bachemer Gemeindemitglieder erreichbar war. Die St.-Anna-Kapelle wurde das erste Gotteshaus der jungen Gemeinde, Pfarrer Josef Schmitz der erste Seelsorger. Aber: Lange hatte diese Lösung keinen Bestand. Was danach kommen sollte, markierte einen Wendepunkt: Im Jahr 1968 brannte die Notkirche komplett ab - und wurde nicht wieder aufgebaut. Stattdessen errichtete man nach dem Spatenstich nach nur vier Monaten ein neues Gotteshaus, direkt gegenüber. Am 21. Juli 1968 fand die Grundsteinlegung für das neue Pfarrzentrum mit Kirche, Pfarrhaus und Kindergarten statt, im März 1969 wurde schließlich die feierliche Einweihung begangen. 1987 konnte der letzte Bauabschnitt der Kirche mit dem Glockenguss beendet werden. Heute kennt man die St. Pius-Gemeinde als aktive und lebendige Gemeinde mit 2650 Gläubigen. Sie prägt das katholische Kirchenleben in der Kreisstadt ungemein. Mit dem 1. September 2011 änderte sich die Arbeit in den Stadtgemeinden durch die Strukturreform des Bistums grundlegend. Pfarrer und Seelsorger sind ab diesem Tag für alle sieben Pfarrgemeinden der Stadt in gleicher Weise verantwortlich, in Teilen werden auch die finanziellen Mittel dieses Seelsorgebezirkes gemeinsam verwaltet, beziehungsweise von dieser Ebene den Kirchengemeinden zugewiesen. Seit dem ist St. Pius Teil des Seelsorgebezirkes Bad Neuenahr. Pastor Peter Dörrenbächer ist seit 2001 der Seelsorger der zur Pfarreingemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler gehörenden Gemeinde.
Rückblick auf die eigene Geschichte war das eine, feiern beim Pfarrfest das andere
Den Auftakt des zweitätigen Pfarrfestes bildete am Samstag eine Vorabendmesse. Besonders im Vordergrund: Die Verbundenheit mit der brasilianischen Partnergemeinde Esperantia ausdrücken. Dieses Leitmotiv zog sich wie ein roter Faden durch die Messe, die unter dem Leitspruch „Gemeinsam mit Christus die Welt erobern“ stand und in Teilen auf Portugiesisch gehalten wurde. Die Partnerschaft besteht schon seit 40 Jahren. Brasilianisch ging’s auch weiter: Zur Musik von „So Sucesso“ tanzten die Gäste den Regen einfach weg. Das richtige brasilianische Lebensgefühl wollte ohne Sonnenschein zunächst nicht aufkommen, aber der Regen hatte bald ein Ende und die Party nahm Fahrt auf. Ohnehin war man für den Ernstfall gewappnet: Überdachte Sitzgelegenheiten in Großzelten standen bereit. Der Sonntag begann mit einer Station an der St. Anna Kapelle in Bachem. Mit einer Prozession wurde der Weg der Gemeindeentwicklung symbolisch abgeschritten, bevor sich ein feierliches Hochamt mit Kinderkirche in der Pius-Kirche anschloss. Die Gläubigen zeigten Flagge und ließen die Kirche zum Jubiläum regelrecht aus allen Nähten platzen. Auch Ahrweilers Ortsvorsteher und MdL Horst Gies war dabei wie auch die Pfarrer Josef Schmidt, Günther Heinen, Rudolf Theobald und Peter Dörrenbächer, also alle bisherigen vier Seelsorger aus der 50-jährigen Geschichte der Pfarrei. Der Kirchenchor brachte - gemeinsam mit einem eigens für diese Messe zusammengestellten Streichorchester - die Missa Brevis „St. Johannes de Deo“ von Joseph Haydn und die Motette „Sancta Maria“ von Wolfgang Amadeus Mozart zu Gehör. Susanne Ketz sang das Sopransolo im Benedictus der Messe. Am Nachmittag versprühte die Band „Spontan“ das kölsche Lebensgefühl mit gut gelaunten Songs. Für die Kids hatte die Jugend der Gemeinde einige lustige Spiele vorbereitet, und die ganz kleinen Gemeindemitglieder freuten sich über einen Krabbelgottesdienst. Glücksritter waren bei der beliebten Tombola gefragt, die wie jedes Jahr mit attraktiven Preisen aufwarten konnte. Lucullus war ebenfalls zu Gast beim Jubiläumspfarrfest: Da lief einem nicht nur beim Kuchenbuffet der kfd-Frauen (Katholische Frauengemeinschaft) das Wasser im Mund zusammen. Gut an kam auch das Weinzelt und die Cocktailbar der Pius-Jugend. Birgit Wittpohl, Martina Schönewald und die Familie Scheufen hatten für die Festschrift interessantes Text- und Bildmaterial zusammengetragen, während Torben Mohr für Gestaltung und Druck des 60 Seiten starken Heftes sorgte.
