Gesprächskreis Ahrwein bot hochaktuelle Themen
„Genossenschaften - ein zeitloses Erfolgsmodell“
Rückblick und Ausblick auf genossenschaftliches Wirken der Winzer-Vereine
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Rudolf Mies, Vorstandvorsitzender der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr, konnte zahlreiche Weinfreunde im gut gefüllten Kellergewölbe der Genossenschaft begrüßen.
Nach einer kurzen Einführung über die Eckdaten der Winzergenossenschaft übergab er das Mikrofon dem Hauptreferenten Paul Gieler. „Genossenschaften - ein zeitloses Erfolgsmodell“ war das Thema. Gieler ging zunächst auf das Genossenschaftswesen in Deutschland als elementaren Teil der Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur ein. Fast jeder Vierte in Deutschland sei Mitglied in einer der 7.800 Genossenschaften. Angesichts anhaltender Krisentendenzen des Wirtschaftssystems beginnen sich wieder viele für alte Wirtschaftsmodelle zu interessieren. So stehen die Winzergenossenschaften, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgrund der Genossenschaftsgesetze von Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich-Wilhelm Raiffeisen ihre Gründung erfuhren, weiterhin hoch im Kurs.
Die gesamte Genossenschaftsgeschichte mit ihren Erfolgen, aber auch Misserfolgen, ließ der Referent in 45 Minuten Revue passieren. So hatte man in Mayschoß schon vier Jahre nach der Gründung (1868) im Jahr 1872 rund 200 katholische Priester durch Zeitungsannoncen zu Stammkunden gewonnen und die nationalsozialistische Propaganda „Trinkt deutschen Wein, deutscher Wein soll Volksgetränk werden“ führte allein 1936 zu einem Absatz von 270 Fuder an sogenannte Weinpatenschaftsstädte.
Mit dem Naherholungsgebiet Ahr nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem sich niemand erholen wollte, ging Gieler ebenso schonungslos um, wie mit seiner Kritik an der 1968 gegründeten und 1971 gescheiterten Ahrtalkellerei.
Die Fusion des Winzer-Vereins in Dernau mit dem dortigen Weinbauverein liest sich wie ein Roman. Ein geworfenes Fünf-Mark Stück ersetzte die Präsidentenwahl der jahrelang konträr zueinander stehenden Genossenschaften. Der entscheidende Schritt einer modernen Winzergenossenschaft war getan. Heute stehen alle drei Winzergenossenschaften an der Ahr mit ihrer Weinqualität immer wieder in hoher Wertschätzung und Anerkennung der Fachwelt.
Der Blick auf die Zukunft ist nach Gieler´s Ansicht keineswegs problemlos. Fragen, wie sich Demografischer Wandel mit schrumpfender Bevölkerung und älteren Menschen auf die Weinwirtschaft auswirken, kamen ebenso zur Sprache, wie das Gefährdungspotenzial genossenschaftlicher Schrumpfung durch den Wegfall bisheriger Steuervergünstigung der „kleinen“ Winzer.
Im zweiten Teil des Abends „Ahrwein aktuell“ übernahm der mit 86 Jahren älteste aktive Winzer Karl-Hubert Damian das Wort und erläuterte die Gründungsgeschichte des Mayschosser Winzer-Vereins im Detail. Astrid Rickert, Kellermeisterin der Genossenschaft, ging auf die Herbstvorbereitungen, insbesondere auf die straffe genossenschaftliche Organisation ein. Die Trauben der Mitglieder müssen einen für den Jahrgang optimalen Reifestand haben, ehe die Genossenschaft sie annimmt.
Marc Linden, Inhaber des Weinguts Sonnenberg, schilderte den Jahrgangsverlauf 2014, den er als ein besonderer einstufte. Nach einem frühen Austrieb und optimaler Blüte sei vor allem durch den Regen im Juli und August mit rund 300 l/qm der zunächst erfreuliche Vorsprung von zwei bis drei Wochen gegenüber Normaljahren aufgebraucht. Der Reifestand bewegt sich zurzeit auf dem Level von 2013. Sollte der September - wie in den Vorjahren - warme Tage und kühle Nächte bringen, könne ein reichlicher Jahrgang mit guter Qualität durchaus im Bereich des Möglichen liegen.
Der nächste Gesprächskreis Ahrwein findet am 25. November im Weingut Kloster Marienthal statt.
Weitere Informationen erhalten Sie beim Ahrwein e.V., Hauptstraße 80, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler, Tel. (0 26 41 / 91 71 0 oder unter der E-Mail-Adresse info@ahrwein.de.
Pressemitteilung
Ahrwein e.V.
