Sitzung des Kreuzbunds Bad Neuenahr-Ahrweiler in der Landskroner Festhalle
Guter Karneval braucht keinen Alkohol
Heimersheim. Tolle Stimmung ganz ohne Alkohol: Bei der 31. Auflage der Karnevalssitzung ohne Alkohol der Kreuzbundgruppen Bad Neuenahr-Ahrweiler hatte zum ersten Mal Klaus Schillings als Sitzungspräsident die Fäden in der Hand. Aus der Hochburg des rheinischen Karnevals Köln war er erstmals mit seinen „staatsen Kerls“ mit von der Partie bei der Kreuzbund-Sitzung. In der Landskroner Festhalle in Heimersheim machten die Gäste erneut klar, dass man auch ohne hochprozentige Getränke einen Abend in allerbester Karnevalsstimmung erleben kann. Monika Pfahler und Jochen Moll hatten auch dieses Jahr wieder ein großes Programm vorbereitet. Es sorgten bewährte und bekannte Gruppen und Solisten aus dem heimischen Umfeld sowie aus Euskirchen, Bad Godesberg und dem Kölner Raum für beste Stimmung.
Viele Jecken waren dem Ruf „Kreuzbund Alaaf“ gefolgt. Ihnen bot das Organisationskomitee eine tolle Veranstaltung mit einer Auswahl bester Bühnenkarnevalisten aus der näheren und weiteren Umgebung. Das Besondere: Alle Künstler treten ohne Gage auf, viele von ihnen sind gar „Wiederholungstäter“ - und das aus Überzeugung: Ihnen ist es eine Selbstverständlichkeit, die Arbeit des Kreuzbunds, der mehr als hundert Suchtkranke betreut, zu unterstützen. Der 2. Vorsitzende Peter Wagner erklärte: „Wir brauchen die Erlöse aus dem Karneval, um unsere Arbeit aufrecht erhalten zu können.“ Schade, dass der rot-weiß geschmückte Festsaal diverse freie Tische aufwies. Wagner: „An mangelnder Werbung kann es nicht liegen. Wir haben uns da viel Mühe gegeben.“ Freuen kann sich der Kreuzbund aber über die Unterstützung des Kreises Ahrweiler, der durch den Kreisbeigeordneten Fritz Langenhorst vertreten war, wie auch die Stadt durch den ehrenamtlichen Beigeordneten Engelbert Felk und der Ort Heimersheim durch Ortsvorsteherin Angelika Lüdenbach.
Sie und die übrigen Gäste erlebten einen jecken Reigen, der nach dem Einzug des Elferrats gleich mit einem Paukenschlag begann: In Uniform und mit Rotlicht auf dem Helm rollte Feuerwehrmann Kresse auf die Bühne, und prompt startete er seinen Angriff auf die Lachmuskeln. Wenn er von seinen unglaublichen Einsätzen berichtet, zeigt sich, dass Kresse mehr Feuer legt als löscht: „Ist Renovierung dir zu teuer, ruf Kresse an, der legt das Feuer.“ Dabei ist er nicht gerade der Hellste und ein Garant für Chaos: „Die Intelligenz jagt mich, aber ich bin schneller.“ Er erhielt als Erster zum Dank den Kreuzbundorden - freilich ein ganz besonderes Exemplar: Jahr für Jahr wird er von Alfred Kniel aus Heimersheim in mühevoller Arbeit handgefertigt, wobei jährlich rund 300 Arbeitsstunden, 160 Hammerschläge, jede Menge Nerven und eine ruhige Hand benötigt werden. Dem Kreuzbund überlässt Kniel die Orden kostenlos.
Musikalisch-jeck ging es weiter im Programm: Es präsentierten sich die „Jodesberger Jonge“, eine der Top-Stimmungsbands im Köln-Bonner Raum. In Anlehnung an die zwei legendären Figuren aus dem Hänneschen-Puppentheater Tünnes und Schäl bewiesen die beiden Zwölfjährigen Luca Kolling und Marcel Hofmann wahre Entertainerqualitäten in der Bütt. Der jecke Nachwuchs der KG Närrische Landskroner Heimersheim machte richtig Dampf im Saal - und bewies eindrucksvoll, dass dem heimischen Karneval eine rosige Zukunft bevorsteht. Einzuheizen verstanden indes auch die „Magics“ aus Remagen, bevor die „Bachemer Merle“ die Zuschauer kurz vor der Pause auf kölsche Zeitreise schickte: „Domols wie hück, quer durch die Zick.“ Knatschjeck kamen die „Ahrtalblömche“ daher. Das närrische Duo Rainer Groß und „Wolli“ Krupp hatte dabei ein karnevalistisches Heimspiel in der Kreisstadt. In ihren bunten Blumenhemden berichtete das Duo unter anderem von Tigerfellbadehosen-Traumata, Kennenlern-Erlebnissen von Mama und Papa im Chatroom und danach im Internetcafé oder Omas Hochzeit mit einem 25-Jährigen, die sie schnell nichts aus der Ruhe bringt.
Und ein Prinzenpaar samt Gefolge machte seine Aufwartung: Prinz Frank II. (Gilles) und Prinzessin Alexandra I. (Gilles) aus Oberwinter machten mit der Hafengarde Station im Mini-Gürzenich von Heimersheim und rissen die Jecken im Saal in ihren Bann. In die Bütt oder ans Mikrofon trauten sich auch andere Narren, um das Publikum gewohnt gut zu unterhalten. Aus Hönningen kamen „Der Een on der Anne“. Thomas Berschbach und Udo Kohn präsentierten „herrlich bekloppt“ ihr Blödel-Duett. Alle Gags zündeten, Lachsalven im Saal, ehe mit dem Panikorchester Remagen noch einmal richtig die Post abging.
Es war schon zu fortgeschrittener Stunde, als der langjährige Sitzungspräsident Jochen Moll dieses Jahr als Büttenredner die Bühne betrat. Seit der Premiere der alkoholfreien Sitzung hat er die Gestaltung und Vorbereitung übernommen und stets an vorderster Front mitgewirkt. Seit diesem Jahr schaut er sich die Sitzung erstmalig „von unten“ an. Seine lustigen Anekdoten kamen beim Publikum gut an. Das „Finale furioso“ leitete indes das Tanzduo Unkelbach ein, und während des Auftritts der Showformation der Rot-Weißen Funken Unkelbach war auch der Letzte von seinem Stuhl aufgestanden, um zu klatschen, zu singen und zu feiern.
Feuerwehrmann Kresse sorgte gleich zu Beginn für Stimmung.
