Politik | 28.05.2013

Stadtrat traf kostenintensive Entscheidungen

Historische Kulturlandschaft soll erhalten werden

Stadt übernimmt die gemeinschaftlichen Weinbergsmauern in Walporzheim

Eine Weinbergsmauer in Walporzheim: Der Stadtrat beschäftigt sich mit dem Erhalt der historischen Weinbergsanlagen in Walporzheim. -FIX-

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Ein umfangreiches Programm bewältigte der Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler in seiner jüngsten Sitzung. Los ging es mit einem Millionenprojekt, dass die Zukunft der Winzer in der Gemarkung Walporzheim auf Dauer sichern soll. Das dort geplante vereinfachte Flurbereinigungsverfahren steht und fällt nämlich mit der Sanierung der uralten Weinbergsmauern. Einstimmig votierte das Gremium dafür, alle im Rahmen der Flurbereinigung neu geschaffenen oder geänderten gemeinschaftlichen Anlagen - es handelt sich vor allem um die Wirtschaftswege - sowie alle berg- und talseitig die Wege begrenzenden Weinbergsmauern in städtisches Eigentum und Unterhaltung zu übernehmen. Dabei übernimmt die Stadt erstmals auch noch nicht sanierte Mauern.

Einzigartige Terrassenlandschaft erhalten

Schließlich, so der erste Beigeordnete Detlev Koch, sei das primäre Ziel des Bodenordnungsverfahrens neben der Verbesserung der Bewirtschaftungsmöglichkeiten für den Weinbau insbesondere der Erhalt der einzigartigen Terrassenlandschaft. Diese besitze eine besondere kulturlandschaftliche, kulturhistorische und touristische Bedeutung. Allerdings sei es unabdingbar, umfangreiche Sanierungsarbeiten an den Trockenmauern in Auftrag zu geben. Im gesamten Flurbereinigungsgebiet er befinden sich insgesamt etwa 28.000 laufende Meter Weinbergsmauern, wovon etwa 4000 laufende Meter gehen Bereich der gemeinschaftlichen Anlagen zuzuordnen seien. 1200 laufende Meter hiervon seien in naher Zukunft sanierungsbedürftig. Allein dafür wurde ein Kostenrahmen von 1,3 Millionen Euro ermittelt, dann sei allerdings für die nächsten zehn Jahre Ruhe an dieser Front. Für den Rest der Weinbergsmauern im Bereich der gemeinschaftlichen Anlagen könne man mit einem jährlichen Betrag von etwa 10 bis 15.000 Euro ab 2020 die Unterhaltung sichern.

Sonst wird es jedes Jahr teurer

Für den Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft Flurbereinigung Walporzheim, Willi Beu, ist dies ein kleiner, aber wichtiger Schritt zur Erhaltung der einsturzgefährdeten Mauern. Für die Bewirtschaftung gebe es dadurch allerdings keinen nennenswerten Verbesserungen, da man auf den gleichen Wirtschaftsweg wie vorher arbeiten müsse, die allerdings dann saniert seien. „Die Mauern müssen unbedingt erhalten werden, man kann nicht 1200 Jahre Geschichte einfach verfallen lassen“, fand Beu. „Wenn wir keine Schutthalde dort wollen, müssen wir bald anfangen, sonst wird es jedes Jahr teurer“, sagte er voraus. Doch vor allem die Winzer, die für die privaten Weinbergsmauern zuständig seien, sieht er ungeahnte Kosten voraus, die niemand verkraften könne. Dem stimmte auch Fritz Langenhorst (SPD) zu, der versuchen wollte, auf Landesebene weitere Unterstützung für das Projekt zu bekommen. Alle Fraktionen im Stadtrat appellierten eindringlich an die Landesregierung, Wege zur Beschaffung weiterer finanzieller Mittel zu finden, um die Mauern zu retten. Schließlich sei die Sanierung der Weinbergsmauern eine unabdingbare Voraussetzung zur Erhalt der einmaligen Kulturlandschaft, so Wolfgang Schlagwein (Grüne), der darauf hinwies, dass im neuen Landesentwicklungsplan IV besonderes Gewicht auf den Erhalt eben jener historischer Kulturlandschaften gelegt werde. Wenn das Land seine Planung ernst nehme, dürfte es nicht dabei bewenden lassen, diese auf Karten farbig zu markieren - sondern müsse auch die notwendige Sanierung finanzieren.

Keine Lösung für private Mauern

Für die privaten Mauern sei leider noch keine Lösung in Sicht, bedauerte Herbert Koll (CDU), zumal mehr Wirtschaftswege in diesem Bereich technisch einfach nicht machbar seien. Deshalb müsse man kreative und unkonventionelle Lösungen finden, um das Finanzierungsproblem irgendwie in den Griff zu bekommen. Im vergangenen Jahr bereits sei eine lange erhoffte Förderung aus dem „LIFE“ Biodiversitätsprogramm der Europäischen Kommission leider abgelehnt worden, und auch eine Bezuschussung der privaten Mauersanierung aus Mitteln des Flurbereinigungsverfahrens scheide aus.

Eine Weinbergsmauer in Walporzheim: Der Stadtrat beschäftigt sich mit dem Erhalt der historischen Weinbergsanlagen in Walporzheim. Foto: -FIX-

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