Lokalsport | 01.03.2013

Ich bin lieber im Hintergrund tätig - vielleicht ist das ein Fehler?

Mario Gros war früher ein Rudertalent, ist heute Torwarttrainer beim SC 07 - und sorgt für sauberes Wasser in Bad Ems

Der Bad Emser Mario Gros ist für die Torhüterinnen des SC 07 Bad Neuenahr verantwortlich. Einst selbst Torwart, hat er früh begonnen, die Menschen zwischen den Pfosten zu trainieren - und dabei machen Rohdiamanten auf den Weg zum Fußball-Edelstein gebracht. Schürer

Bad Neuenahr. Mario Gros treffe ich vor dem Training. Er ist extra früher aus Bad Ems gekommen, wo er wohnt. Wir ziehen uns in eine lauschige Ecke in der Lounge des SETA-Hotels zurück. Der 1,87m große Hüne mit der schwarzen Kappe bietet mir gleich das „Du“ an und wir legen los. Da fällt es mir nicht schwer, gleich mit einer ketzerischen Frage zu beginnen: „Wozu braucht man denn einen Extra-Übungsleiter für die Torhüterinnen, kann das nicht der Trainer mitmachen?“ Mario Gros lächelt und kontert souverän aus: „Das schafft der Trainer nicht auch noch, er hat genug mit den Feldspielerinnen zu tun. Außerdem ist für die Torhüter spezielles Wissen nötig.“

Oliver Kahn wäre froh gewesen

Er geht sogar noch weiter. Als er selbst noch aktiver Fußballer war, ist er ein großer Fan von Oliver Kahn gewesen, häufig nach München gefahren, um den „Titan“ bei Spielen und im Training zu beobachten. „Kahn war auf der Linie unschlagbar, hatte aber Schwächen im Hinauslaufen und in der Strafraumbeherrschung. Ein Torwarttrainer der heutigen Generation hätte ihm das beigebracht, er wäre noch besser gewesen.“ „Was muss denn ein Torhüter von heute können?“, hake ich nach. Da hat jeder Torwarttrainer seine eigene Philosophie, aber für Gros ist klar: Er muss beidhändig fangen, er muss beidhändig abwerfen und er muss beidfüßig spielen können. Darunter kann man heute nicht mehr in der Spitze mithalten.

Lehrgang oder Lehre?

Wie ist denn der am 07. Februar 1972 in Bad Ems geborenen Gros an das runde Leder gekommen? Er hat wie die meisten Jungs früh, mit sechs Jahren, mit dem Kicken begonnen, zunächst im Feld. Doch als der etatmäßige Torhüter ausfiel, muss er als Längster und Schwerster zwischen die Pfosten. Er lernt schnell, unter anderem von Werner Entenmann, den Bruder von Willi Entenmann, der früher beim VfB Stuttgart in der Bundesliga spielte. Er durchläuft zunächst die Jugendmannschaften, wird schon mit 15 Jahren im Seniorenbereich eingesetzt und schafft es in die Rheinlandauswahl. Als er die Einladung zu einem Sichtungslehrgang des DFB erhält, gerät er in die Zwickmühle. Denn der Lehrgang beginnt am 01.08.1987, am selben Tag startet seine Lehre als Wasserversorgungstechniker. Er entscheidet sich für die Vernunft und den Beruf, denn der Vater schärft ihm ein, dass man etwas Richtiges lernen muss. Das hat einerseits zur Folge, dass er vom DFB nie wieder etwas hört. Andererseits schafft er damit die Grundlage für seinen späteren Beruf, denn als stellvertretender Wassermeister verdient er heute bei den Bad Emser Verbandsgemeindewerken seine Brötchen.

Rudern oder Fußball?

Mario ist aber nicht nur ein guter Fußballer, er ist auch im Rudern sehr erfolgreich. Als er sich zwischen beiden Sportarten entscheiden muss, gibt das Geld den Ausschlag: „Ich habe damals mit dem Fußball mehr verdient als in meiner Lehre, da war schnell klar, was ich mache.“ Bereut hat er es nicht. Er spielt in Bad Ems, in Lahnstein, später wieder in Ems, Verbandsliga. Bis er einen beidseitigen Leistenbruch erleidet. Er kämpft sich nach einem dreiviertel Jahr Pause zurück, muss aber letztlich der Verletzung Tribut zollen und seine aktive Karriere beenden. Da er immer ein Teamplayer war, ist schnell klar, dass er seine Erfahrungen an andere weitergeben möchte. Also kümmert er sich um den Torhüter-Nachwuchs. 2006 holt ihn Colin Bell zur TuS Koblenz. Doch er will das, was er macht, richtig machen und eignet sich das theoretische Wissen, das man neben dem praktischen eben auch braucht, an. 2008 legt er an der Sportschule in Ruit die Torwarttrainerlizenz ab, mit der Note sehr gut.

Von Rohdiamanten und Welttorhüterinnen

Manches Talent geht durch seine Hände. Und rasch entwickelt er einen Blick dafür, wer es schaffen kann. Allerdings gehört neben den notwendigen Anlagen auch viel Fleiß und Biss dazu. Stolz ist er mit Recht darauf, dass es zwei seiner Nachwuchskeeper geschafft haben. André Weis aus Boppard ist als Profi beim VfB Stuttgart gelandet, Kevin Birk aus Bonn spielt in Mönchengladbach in der 2. Mannschaft. Als Colin Bell nach Bad Neuenahr wechselt, holt er Gros nach. Und der kümmert sich seitdem um die Damen zwischen den Pfosten des SC 07. Eine davon ist eine gewisse Almuth Schult. Die kam vom Magdeburger FFC 2011 an die Ahr. Unter Mario Gros wird die U20-Weltmeisterin im Jahr 2012 A-Nationalspielerin und gilt als künftige Nummer Eins von Deutschland. Wo geht nach Ansicht des Trainers denn die Entwicklung von Schult hin? Mario Gros senkt die Stimme: „Almuth bringt enorm viel mit. Und, was noch wichtiger ist, sie will enorm viel. Sie hat jetzt vielleicht 50 Prozent ihres Potenzials erreicht. Wenn man sie in Ruhe aus ihren Fehlern lernen lässt - sie ist ja noch sehr jung - wird sie nicht nur Deutschlands Nummer Eins werden. Sie wird die künftige Welttorhüterin sein.“ Doch auch hinter Almuth ist der SC 07 gut aufgestellt. Neide Simoes, 47-fache portugiesische Nationaltorhüterin, hat an der Ahr gute Fortschritte gemacht. Und mit der 15-jährigen Julia Schürmann hat der Verein bei den Juniorinnen ein weiteres Juwel im Kader.

Träume und Einsichten

Welche kleinen Wünsche hat Mario Gros? Ab und zu nach Holland fahren um am Strand lange Spaziergänge zu machen. Das lässt sich machen. Und welche großen Träume bewegen ihn? Da wird der Mann, der immer sein Wort hält, nachdenklich: „Natürlich würde ich gerne einmal als Profi-Torwart-Trainer arbeiten. Aber bisher bin ich immer lieber im Hintergrund tätig gewesen, stehe nicht so gern im Rampenlicht. Vielleicht war das im Hinblick auf meine eigene Karriere ein Fehler?“ Doch der Vater zweier Söhne von 15 und elf Jahren sei an sein eigenes Motto erinnert: „Gib niemals auf.“ Es wird sich weiter herumsprechen, dass er ein absoluter Fachmann auf seinem Gebiet ist, ein Motivator noch dazu. Mit seinen 41 Jahren ist er im Trainergeschäft ja noch ein jüngeres Semester, da kann und wird sich noch eine Menge tun.

Zurück ins Leben

Dass er durchaus das Talent hat, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, bewies er unter anderem 2007: Da war er ganz anders als eigentlich geplant mal nicht im Training, sondern zu Hause bei seinen Eltern, als der Vater plötzlich vom Stuhl fiel. Er hat den eigenen Papa reanimiert und zurück ins Leben geholt.

Sie kicken Woche für Woche in Deutschlands höchster Spielklasse: Die Bundesliga-Fußballerinnen des SC 07 Bad Neuenahr. Doch wer kümmert sich eigentlich um die anderen Angelegenheiten eines solchen Vereins? Unser Mitarbeiter Gregor Schürer trifft sich in regelmäßigen Abständen nicht nur mit den Spielerinnen, sondern auch mit dem Team im Umfeld des Bundesligisten. Heute stellt er Mario Gros vor.

Der Bad Emser Mario Gros ist für die Torhüterinnen des SC 07 Bad Neuenahr verantwortlich. Einst selbst Torwart, hat er früh begonnen, die Menschen zwischen den Pfosten zu trainieren - und dabei machen Rohdiamanten auf den Weg zum Fußball-Edelstein gebracht. Foto: Schürer

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