Lokalsport | 23.09.2014

Legende, Werner Bremm - Ein Portrait der SC 07

Im Schulsport entdeckt

Giesbert Nehls erwies sich als Entdecker des späteren Fußballidols, Werner Bremm

Idole unter sich: Werner Bremm (M.) und Fritz Walter (l.). privat

Kreisstadt. Es zahlt sich immer aus, wenn eine Vereinsfunktionär als Lehrer in einer Schule tätig ist. Diesen Vorteil hatte auch in den Nachkriegsjahren der SC 07 durch Gisbert Nehls, der Lehrer an der Neuenahrer Volksschule und gleichzeitig Jugendobmann im SC 07 war. Schüler mit fußballerischem Talent, auf die er im Sportunterricht aufmerksam geworden war, wurden schnellstens „seinem“ Verein zugeführt. Dies war auch bei Werner Bremm der Fall, den er nach seiner „Entdeckung“ eilig eine 07-Anmeldung unterschreiben ließ. Wenig später tauchte aber ein Problem auf. Da Werner noch einige Brüder hatte, die sich ebenfalls dem Sport verschrieben hatten, fehlte das Geld zum Kauf von Fußballschuhen. Gisbert Nehls wusste aber Rat. Er nahm das erforderliche Geld aus seinem eigenen Geldbeutel - der in dieser Zeit auch nicht stark bestückt war - und das Toreschießen von Werner Bremm konnte beginnen. Jedes Spiel, in dem er mitwirkte, wurde zu einem „Bremm-Festival“; denn er schoss Tore wie am Fließband und verhalf somit seiner C-Jugend zu vielen Siegen und Meisterschaften. Mit Werner Bremm war der Erfolg verbunden. All dies setzte sich in den späteren Jahren, als Bremm in der B- und A-Jugend spielte, fort. Schon damals beeindruckte seine Ein-satzfreudigkeit, sein Torriecher und vor allem der Kameradschaftsgeist. Kein Wunder, wenn er in jeder Mannschaft einstimmig zum Spielführer gewählt wurde. Auch die Verbandsverantwortlichen waren inzwischen auf das Neuenahrer Talent aufmerksam geworden. So spielte er anschließend in vielen Spielen der Auswahlmannschaften mit, in denen er sich ebenfalls als „Torschütze vom Dienst“ einen Namen verschaffte. Dank Bremm-Tore konnte die Rheinlandauswahl oft den Platz als Sieger verlassen. Aufgrund dessen, was man inzwischen gehört und gesehen hatte, sehnte der damalige Trainer der Seniorenmannschaft den Tag herbei, an dem Werner Bremm eingesetzt werden durfte. 1958 wurde er endlich zum „Fußballsenior“ erklärt.

Tore am Fließband

Positiv hat sich das Eigengewächs bereits in den Freundschaftsspielen der Saison 58/59 hervorgetan, ehe er sich dann mit einigen Toren gleich einen Stammplatz im 1. Mannschaftskader erspielte. Ehrgeiz, Kampfkraft, Schusskraft, Spielstärke, fast alles was man für den Fußballsport brauchte, war bei ihm vorhanden. So war es kein Wunder, dass er sich bereits nach seiner ersten Saison in der 1. Mannschaft einen Stammplatz erkämpfte und nach dem Ausscheiden von Fred Boemann auch das Amt des Kapitäns übertragen wurde. In dieser Rolle hatte er seinen großen Auftritt 1961 beim DFB-Pokalspiel in Pirmasens, als er mit dem Spielführer des FK Pirmasens, Horst Schmitt, den Wimpelaustausch vornehmen durfte. In sportlicher Hinsicht war man nicht so erfolgreich, denn die Gastgeber, Angehörige der obersten deutschen Spielklasse, der Oberliga Südwest, behielten mit 6:1 die Oberhande und kamen ungefährdet eine Runde weiter. Konnte man das Ausscheiden aus dem DFB-Wettbewerb 1961 noch verkraften, so war der Abschluss in der Saison 1962/63 eine große Enttäuschung. Als Tabellensiebter musste man die oberste Amateurklasse, der man immerhin seit dem Abstieg aus der II. Divison im Jahre 1955 angehörte, verlassen. Doch wieder einmal machte sich die gute Jugendarbeit bezahlt. Zahlreiche Talente wurden in das neu formierte Team aufgenommen. Werner Bremm schaffte mit diesen hoffnungsvollen Nach-wuchskickern die Bezirksliga-Meisterschaft und auf Anhieb den Wiederaufstieg. Bad Neuenahrs Spielführer war mittlerweile zum Publikumsliebling avanciert - Spieler und Anhänger trugen ihn, der maßgeblichen Anteil an diesem schönen Erfolg hatte, mit dem Siegerkranz über das Sport-feld. Für ihn und viele andere ein unvergeßliches Erlebnis.

Legenden unter sich

Zu einem weiteren Erlebnis gehören sicherlich die Zusammentreffen mit den SC 07-Ehrenmitgliedern, Sepp Herberger, dem früheren Bundestrainer, und dem Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft, Fritz Walter. Mit den prominenten Persönlichkeiten durfte er jeweils den Anstoß aus Anlass „großer Freundschaftsspiele“ durchführen. Sportlich stellten sich noch einige unvergessliche Erfolge ein. So wurden alljährlich im Ausland Freundschaftsspiele ausgetragen und an Turnieren teilgenommen, die vor allem in Paris Robinchon meist mit dem Sieg der SC 07ner endete. Werner Bremm war dann in aller Regel derjenige, der den Siegerpokal in Empfang nehmen durfte. Aber auch der in diesen Jahren als bis dahin einmalig aufgestellte Rekord, in der höchsten Amateurklasse von Saisonbeginn an in zehn Meisterschaftsspielen ohne Verlustpunkt belastet zu sein, ge-hörte sicherlich ebenso zu seiner Erfolgsgalerie, wie die vielen Berufungen in die Rheinland-Aus-wahlmannschaft. Nachdem in der Meisterschaft fast immer ein Spitzenplatz belegt worden war, konnte Werner Bremm im Jahre 1969 die Rheinlandpokal-Meisterschaft feiern und auf DFB-Ebene am überregionalen Wettbewerb teilnehmen. Der FC St. Pauli in Hamburg war dann aber Endstation für das so erfolgreiche Team des SC 07 Bad Neuenahr. Höhepunkte in seiner Karriere waren aber auch die Freundschaftsspiele gegen bekannte Bundesliga-Spitzenmannschaften. So stellte sich unter anderem Borussia Dortmund 1961 in Bad Neuenahr vor. Aufgrund der positiven Resonanz bei diesem Besuch hielten die Borussen ihr Versprechen, dem SC 07 erneut einen Besuch abstatten zu wollen. 1963 waren die Dortmunder ein zweites Mal an der Ahr und im Weltmeisterschaftsjahr gar ein drittes Mal; diesmal sogar als Europapokalgewinner. Wie bereits erwähnt, fuhr der SC 07 in den 60er Jahren alljährlich ins Ausland. Die hohen Kosten konnten aus verständlichen Gründen aus der Vereinskasse nicht getragen werden. So musste ein Weg zur Finanzierung gefunden werden. Wie in allen Vereinen der höchsten Amateurklasse, erhielten auch die 07-Spieler einen kleinen Spesensatz für jeden Punktgewinn, der unmittelbar nach den Spielen ausgezahlt und dann im Vereinslokal in „Flüssiges“ umgesetzt wurde. Einem Vorschlag, die Spesen auf ein Banksdparbuch anzulegen und für die Aus-landsfahrten zu verwenden, stimmte Werner Bremm als Spielführer spontan zu, ohne auch nur das Einverständnis der Mannschaft einzuholen. Dennoch gab es keine Proteste, denn ihrem Vorbild vertrauten die Mitspieler vorbehaltlos und akzeptierten in aller Regel seine Entscheidungen. Leider konnte W. Bremm verletzungsbedingt oder aber aus beruflichen Gründen nicht immer mitfahren. Dennoch lernte er durch den Fußballsport die Länder Luxemburg, Holland, Frankreich, die Schweiz, Belgien, Jugoslawien, Österreich und Russland kennen. Von diesen Fahrten wird er sich wohl immer wieder an Russland im Jahre 1969 erinnern. Durch einen Toilettenaufenthalt auf dem Flughafen Moskau hatte er die Busabfahrt zum Hotel „Sputnik“ verpasst. So musste er die nächsten Stunden in ungewohnter Umgebung und ohne Sprachkenntnisse verbringen. Da kam ihm die damals einheitliche SC 07-Ausgehkleiduung zugute. Mit dem am Jacket befindlichen SC 07-Vereinsabzeichen stellte er sich an den Hauptausgang und wartete auf die Dinge die da kommen. Gegen Mitternacht wurde er dann endlich von seinen Kameraden gefunden und ins Hotel ge-bracht. Wie ihm da zumute war, braucht wohl an dieser Stelle nicht besonders erwähnt werden, denn angenehm war es auf keinen Fall.

Karriereende

Im Jahre 1975 neigte sich seine Karriere dem Ende. In diesem Jahr stand er dann als Spieler-trainer seiner Mannschaft zur Verfügung. So kann man resümierend feststellen, dass Werner Bremm in seiner langen sportlichen Laufbahn sicherlich über tausendmal das 07-Trikot getragen hat. Dabei haben größere Verletzungen ihn oft für Wochen und Monate am Einsatz gehindert - die Zahl der Einsätze hätte also noch leicht höher ausfallen können.

Werner Bremm zählt neben den unvergesslichen Jupp Höper und Fred Boemann zu den Spielern, die dem SC 07 aufgrund seiner vielen Berufungen in die Auswahlmannschaften des Fußballverbandes Rheinland und seiner überragenden Leistungen über viele Jahre hinweg weit über die Ahrkreisgrenzen hinaus zu einem Namen verholfen haben. Wie seine beiden Vorgänger (Höper vor dem Krieg und Boemann von 1946 bis Ende der 50er-Jahre) so war auch Werner Bremm während seiner Zeit Dreh- und Angelpunkt im SC 07-Fußballgeschehen. Er war der Liebling des Publikums. Daran hat sich bis heute nichts geändert, wie die vielen Spiele im AH-Bereich oder aber als Mitglied der Traditionsmannschaft des SC 07 bewiesen haben. Neben seinem Einsatz und Können zeichnete ihn insbesondere seine faires und sportliches Ver-halten aus. In seiner langen aktiven Zeit wurde er nicht einmal vom Platz gestellt. Auch in der Rheinlandauswahl gehörte er mit seinen 50 Einsätzen zu den „Größten“ und Lieblingen der Verbandsfunktionäre, die Bremm in ihr Herz geschlossen hatten. Beeindruckend war vor allem das freundliche Wesen, woran sich bis heute nichts geändert hat. Aus familiären Gründen hatte er in den 70er-Jahren seinen Wohnort in die Eifelgemeinde Fuchshofen (bei Antweiler) verlegt. Nach Beendigung seiner Karriere in Bad Neuenahr widmete er sich nun als Spielertrainer in mehreren Vereinen dieser Eifelregion. Auch dort bekamen die Torwächter seine Schussstärke zu spüren, denn diese Begabung hatte er einfach nicht verlernt. Im Laufe der Jahre hat sich der vorbildliche Sportler natürlich viele Verdienste erworben, wie dies die zahlreichen Auszeichnungen eindeutig unter Beweis stellen. So erhielt er von seinem Verein die bronzene, silberne und goldene Ehrennadel während der Fußballverband Rheinland Werner Bremm die goldene Spielernadel überreichte.

So steht für alle fest, dass Werner Bremm stets in guter Erinnerung behalten und nicht vergessen werden wird. Er war für den SC 07 Bad Neuenahr über viele Jahre das Aushängeschild, und dafür sagen alle Anhänger des Vereins danke.

Idole unter sich: Werner Bremm (M.) und Fritz Walter (l.). Foto: privat

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